Sprichwort über Gott
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Gott gibt, Gott nimmt.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Gott gibt, Gott nimmt« wurzelt tief in religiöser und existenzieller Erfahrung. Es entstammt sinngemäß dem Buch Hiob (1, 21)aus der Bibel, wo Hiob nach dem Verlust seiner Güter und seiner Familie sagt: »Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn«. Diese Worte fassen eine Haltung zusammen, die Demut, Vertrauen und Akzeptanz gegenüber dem Schicksal ausdrückt – gleich, ob es günstig oder hart erscheint.
In seinem Kern beschreibt das Sprichwort die Erfahrung menschlicher Ohnmacht gegenüber den Wechselfällen des Lebens. Es anerkennt, dass es Kräfte gibt, sei es Gott, das Schicksal oder das Leben selbst, die unser Dasein grundlegend beeinflussen. Besitz, Gesundheit, Glück oder Sicherheit werden nicht als selbstverständlich betrachtet. Vielmehr wird betont: Alles, was wir haben, kann auch wieder genommen werden, ohne jede Vorwarnung.
Diese Erkenntnis kann trostspendend wie auch erschütternd sein. Trost bietet sie vor allem Gläubigen: Sie glauben an einen höheren Plan, selbst wenn dieser unergründlich bleibt. Leid wird nicht als sinnlos empfunden, sondern als Teil eines göttlichen Wirkens. Gleichzeitig fordert das Sprichwort aber auch Resilienz: Es ermutigt dazu, nicht in Zorn oder Verbitterung zu verfallen, wenn das Leben schmerzhafte Wendungen nimmt.
Doch auch jenseits religiöser Deutung kann das Sprichwort als philosophischer Gedanke verstanden werden: Alles im Leben ist vergänglich. Wer gibt, darf auch nehmen, und wer empfängt, muss auch den Verlust einplanen. Diese Einsicht kann helfen, Dankbarkeit zu empfinden für das, was man hat, und innerlich gelassener zu werden gegenüber dem, was sich entzieht.
Kritisch betrachtet kann das Sprichwort allerdings auch zur Passivität verleiten: Wer alles nur »Gott»« zuschreibt, entzieht sich unter Umständen eigener Verantwortung. Doch seine stärkste Wirkung entfaltet es als Ausdruck innerer Reife in dem Sinne, dass man mit dem Wandel des Lebens umzugehen lernt, ohne daran zu zerbrechen.
»Gott gibt, Gott nimmt« steht für Demut und für die Fähigkeit, das Leben in seiner Fülle wie in seinem Verlust anzunehmen. Wer sich diesem Gedanken öffnet, findet darin nicht nur Trost, sondern auch innere Stärke.