Sprichwort über Lüge

  • Wer lügen will, vergesse vor Ende nicht seines Anfangs.

Gedanken zum Zitat

Das Sprichwort „Wer lügen will, vergesse vor Ende nicht seines Anfangs“ ist eine eindringliche Warnung vor den Tücken der Lüge. Es bringt in wenigen Worten eine zentrale Wahrheit über das Lügen zum Ausdruck: Wer sich auf das Terrain der Unwahrheit begibt, muss sich seiner Geschichte genau erinnern – denn sonst wird er sich in Widersprüche verstricken.

Im Kern macht das Sprichwort auf die Schwierigkeit aufmerksam, eine Lüge glaubhaft aufrechtzuerhalten. Eine Lüge ist niemals ein abgeschlossenes Ereignis, sondern zieht oft weitere Lügen nach sich, um die erste zu stützen. So entsteht ein Netz aus Unwahrheiten, das früher oder später reißt, wenn der Lügner den Überblick verliert. Wer am Ende glaubwürdig bleiben will, muss sich also genau erinnern, was er am Anfang behauptet hat. Die Lüge fordert Gedächtnis, Logik und Konsequenz – Eigenschaften, die paradoxerweise eher der Wahrheit zugeordnet werden.

Das Sprichwort enthält auch eine moralische Botschaft: Lügen ist nicht nur riskant, sondern auch mühsam. Die Wahrheit dagegen braucht keine Erinnerung – sie ist konsistent und stabil. Wer lügt, begibt sich in eine moralisch zweifelhafte und psychologisch belastende Lage. Der Aufwand, den man betreiben muss, um nicht enttarnt zu werden, steht oft in keinem Verhältnis zum ursprünglichen Anlass der Lüge.

In literarischen Werken und im Alltag finden sich zahlreiche Beispiele für diese Problematik. In Goethes „Faust“ etwa lebt der Protagonist mit der ständigen Spannung zwischen Wahrheit und Täuschung. Auch in moderneren Erzählungen – von Kriminalromanen bis zu politischen Dramen – zeigt sich: Der Lügner wird früher oder später von den Widersprüchen seiner eigenen Erzählung eingeholt. Besonders eindrücklich zeigt sich das auch in der Politik, wenn öffentliche Aussagen später anhand von Aufzeichnungen überprüft werden – wer seine „Anfänge“ vergisst, verliert an Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Die Mahnung dieses Sprichworts lässt sich somit auf verschiedenen Ebenen verstehen: Es ist ein Hinweis auf die psychologische Komplexität des Lügens, ein Appell an moralische Integrität und ein praktischer Ratschlag zugleich. Wer also versucht, andere zu täuschen, sollte sich bewusst sein, dass jede Lüge ein fragiles Konstrukt ist, das nur so lange hält, wie seine Einzelteile zueinander passen.

 Top