Sprichwort über Priester
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Pfaffengut, Raffgut.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Pfaffengut, Raffgut« stammt aus einer Zeit, in der Kirche und Klerus nicht nur geistliche, sondern auch wirtschaftliche Macht besaßen, und diese nicht selten kritisch beäugt wurde. Es bringt in knapper, fast bissiger Form eine tiefsitzende Skepsis gegenüber dem Besitz der Kirche zum Ausdruck. Der Begriff »Pfaffe« bezeichnet dabei abwertend einen Geistlichen, und «Raffgut« spielt auf Habgier oder unrechtmäßig erworbenen Besitz an. Wörtlich übersetzt heißt das Sprichwort also: Was einem Pfaffen gehört, ist zusammengeraffter Besitz, oft mit dem Unterton: unehrlich, gierig, unverdient.
Historisch betrachtet verweist das Sprichwort auf reale soziale Spannungen. Während große Teile der Bevölkerung unter Armut litten, verfügten viele Klöster und Kirchen über erhebliche Ländereien, Reichtümer und Macht. Kritiker warfen dem Klerus vor, nicht im Geiste des Evangeliums zu leben, sondern weltlichen Reichtum zu horten – teilweise auf Kosten der einfachen Leute. Das Sprichwort wurde so zum Ausdruck von Unmut, ja sogar stillem Protest gegen diese Ungleichheit und Doppelmoral.
Doch wie ist diese Redewendung heute zu verstehen? Die Macht der Kirche hat in vielen Ländern stark nachgelassen, ihr Reichtum wird heute viel transparenter behandelt als in früheren Jahrhunderten. Dennoch hat das Sprichwort nicht völlig an Bedeutung verloren. Es steht heute allgemein für die Kritik an Institutionen, die moralisch auftreten, aber selbst nicht frei von weltlichen Interessen sind. Es hinterfragt die Glaubwürdigkeit von Organisationen, die Tugend predigen, aber Reichtum anhäufen – sei es in der Kirche, in der Politik oder anderswo.