Sprichwort über Recht
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Recht findet sich.
Gedanken zum Zitat
Das Sprichwort »Recht findet sich« wirkt auf den ersten Blick beruhigend. Es vermittelt die Hoffnung, dass Gerechtigkeit sich am Ende durchsetzt – selbst wenn der Weg dorthin steinig ist. Doch wie viel Wahrheit steckt in dieser Redewendung? Ist es tatsächlich so, dass das „Recht“ immer seinen Platz findet? Oder handelt es sich eher um einen Ausdruck von Wunschdenken, eine Art Trostformel in schwierigen Situationen?
Zunächst deutet das Sprichwort auf eine tief verankerte menschliche Hoffnung hin: Dass es im Leben eine Art Ordnung gibt, eine höhere Gerechtigkeit, die über Zeit, Irrtum und Willkür hinaus besteht. Es ist ein Ausdruck des Vertrauens in das Funktionieren von sozialen, moralischen oder juristischen Systemen. Selbst wenn Unrecht geschieht, so soll – so der Glaube – früher oder später das Richtige offenbar werden. In diesem Sinne kann das Sprichwort Mut machen und Menschen dazu bringen, auch in schwierigen Momenten nicht aufzugeben, sondern auf eine gerechte Lösung zu hoffen.
Gleichzeitig offenbart sich in diesem Satz auch eine gewisse Passivität. »Recht findet sich« klingt, als müsse man selbst nicht aktiv werden – als ob man die Hände in den Schoß legen und einfach abwarten könne. Doch in der Realität ist es oft anders. Recht braucht Menschen, die es einfordern, verteidigen und durchsetzen. Ohne den Einsatz von engagierten Einzelnen, ohne kritische Stimmen, juristische Verfahren und gesellschaftliches Bewusstsein bleibt Recht oft unsichtbar – oder wird sogar übergangen.
Das Sprichwort lässt sich also auf zwei Ebenen deuten. Einerseits als optimistische Lebenshaltung: Unrecht bleibt nicht für immer verborgen, die Wahrheit drängt ans Licht, das Gute setzt sich langfristig durch. Andererseits aber auch als Warnung: Wer glaubt, dass sich Recht ganz von selbst durchsetzt, unterschätzt die Kraft von Macht, Geld und Ungleichheit – und damit die Realität, in der nicht immer das Recht siegt, sondern oft der Lautere, der Einflussreiche oder der Rücksichtslose.
Besonders in einer Welt, in der Menschenrechtsverletzungen, soziale Ungerechtigkeit und politische Manipulation Realität sind, kann man nicht einfach darauf hoffen, dass sich das »Recht« von selbst findet. Es ist Aufgabe jeder Gesellschaft und jedes Einzelnen, Bedingungen zu schaffen, in denen Recht nicht nur eine abstrakte Hoffnung ist, sondern eine gelebte Wirklichkeit. Insofern mahnt das Sprichwort indirekt auch: Das Recht muss sich finden – aber nur, wenn wir ihm auch dabei helfen.