Sprichwort über Zeit

  • Die Zeit gibt's.

Gedanken zum Zitat

Das Sprichwort »Die Zeit gibt’s« wirkt auf den ersten Blick schlicht, beinahe beiläufig – und doch steckt darin eine tiefe Lebensphilosophie. Es beschreibt nicht nur das Vergehen oder Kommen der Zeit, sondern vor allem ihre kraftvolle, heilende und klärende Funktion. Die Zeit „gibt“ – sie gibt Erkenntnis, Abstand, Lösungen, Antworten. Sie ist nicht nur ein passives Dahinfließen, sondern eine aktive Kraft, die Dinge ordnet, verändert und oft auch zurechtrückt.

Wenn Menschen sagen »die Zeit gibt’s«, meinen sie häufig: Warte ab – die Dinge werden sich zeigen. In dieser Haltung liegt eine gewisse Weisheit und Gelassenheit. Nicht alles lässt sich sofort verstehen, lösen oder kontrollieren. Manche Entwicklungen brauchen Geduld. Die Zeit bringt Klarheit, weil sie uns erlaubt, aus der Distanz zu betrachten, was im Moment zu nah oder zu chaotisch erscheint. Sie kann Wunden heilen, Zorn abschwächen, Liebe wachsen lassen oder auch Illusionen entlarven.

Zugleich steckt in diesem Sprichwort auch ein Aufruf zur Geduld und Demut. Es erinnert daran, dass nicht alles dem eigenen Willen oder Tempo gehorcht. Vieles entzieht sich dem direkten Zugriff – und genau darin liegt oft die Lösung: Nicht durch Zwang, sondern durch Geduld.

Doch »die Zeit gibt’s« ist nicht nur tröstlich, sondern auch neutral. Denn die Zeit gibt, was sie eben gibt – manchmal ist es Erkenntnis, manchmal Verlust, manchmal neue Hoffnung. Das Sprichwort erinnert uns daran, dass wir nicht alles steuern müssen, aber offen bleiben sollten für das, was sich entwickeln will. Das bedeutet nicht Passivität, sondern Achtsamkeit. Denn wer auf die Zeit hört, erkennt oft, dass viele Antworten von selbst kommen – wenn man ihnen Raum lässt.

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