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Stanislaw Jerzy Lec über Konsequenz

Fahre nicht aus der Haut, wenn du kein Rückgrat hast.
Zitat von Stanislaw Jerzy Lec
Stanislaw Jerzy Lec
polnischer Schriftsteller
* 06.03.1909, † 07.05.1966
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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Man muss uns alle ja nur tüchtig genug ärgern und schon haben wir das Bedürfnis, aus der Haut zu fahren. Wir schimpfen, fluchen toben oder wüten, je nach persönlicher Temperamentslage. Manch einer mag auch zuschlagen und Menschen oder Dinge verletzen. Und dann? Dann sind wir erst einmal befriedigt, die angestaute Wut ist aus uns raus. Aber wo ist sie hin?

Wut und auch alle anderen Gefühle, seien sie gut, seien sie schlecht, verschwinden ja nicht im Nichts, wenn wir sie erst einmal aus uns entlassen haben. Wir kanalisieren sie lediglich in eine andere Richtung, die wir aber im Regelfall nicht wirklich mit ihren Konsequenzen auch fest im Blick haben. Ist es die falsche Richtung, wird sie zum Bumerang und schlägt uns kurz darauf wieder selbst nieder. Im Falle von negativen Gefühlen kann das ein materieller Schaden an einer Sache sein, die unter Umständen ersetzt werden muss, weil wir unsere Wut nicht gesund abzuleiten wussten. Im Falle von immateriellen, zwischenmenschlichen Schäden kann es oft sehr kompliziert werden. Freundschaften können daran zu brechen, Vertrauen kann ins Bodenlose sinken, je nachdem, wie heftig die Wut und wie (un)berechtigt sie war.

Warum aber können sich Menschen mit Rückgrat nach Stanislas Jerzy Lec das offenbar eher erlauben, als Menschen, die keines besitzen?

Wer Rückgrat hat, kann zwar auch eine heftige Wut empfinden und ihr Ausdruck verleihen, doch hat zumeist dann auch sehr gute Gründe dafür. In solchen Fällen spricht man vom "Heiligen Zorn", wie ihn beispielsweise auch Jesus übermannte, als der im Tempel die Tische der Pharisäer wütend leerfegte, die dort ihren Geschäften nachgingen und nichts als Geld und Gewinn im Sinn hatten.

Menschen ohne Rückgrat haben oft das Problem, dass ihre Wut keineswegs immer auch objektiv berechtigt ist, sondern oft einer mangelhaften eigenen Disziplin oder einer schlechten Erziehung oder Kontrolllosigkeit entspringt. Hier werden dann in der Regel auch keine guten Argumente für diese Art von "Heiligem Zorn" vorgetragen, sondern das Ego ließ sich schlicht und einfach "gehen".

Insofern ist Lecs Rat, ohne Rückgrat nicht aus der Haut zu fahren, durchaus ein kluger Hinweis, wenn es darum geht, seine eigenen unberechenbaren Emotionen steuern zu lernen. Wer dies versäumt, wird eine ganze Reihe Beulen an Herz und Seele davon tragen; so manch einer vielleicht auch an seinem Körper, wenn er diesen in seiner Rage gleich heftig mit zum Einsatz brachte.

Aus der Haut fahren, bedeutet, außer sich sein, nicht mehr im eigenen Kern zentriert sein, letztlich schon fremdbestimmt zu sein durch die Wucht der Ereignisse, die von den unkontrollierten Emotionen überrollt wurden. Da die Folgen oft schmerzliche sind, ist die Motivation zur Änderung jedoch auch bei vielen Menschen durchaus vorhanden, damit sich der Schmerz nicht wiederholen möge.