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Wilhelm Busch über Wunsch

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.
Gedicht Niemals, Schein und Sein, Historisch-kritische Gesamtausgabe, herausgegeben von Friedrich Bohne. 4 Bände, Wiesbaden und Berlin, 1960, Bd. 4, S. 406
Zitat von Wilhelm Busch
Wilhelm Busch
deutscher Dichter, Zeichner und Maler
* 15.04.1832, † 09.01.1908

Weitere Zitate

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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Mensch zu sein, bedeutet für die meisten von uns auch: Wünsche über Wünsche zu produzieren. Wünsche, die uns Befriedigung und Freude verschaffen. Offenbar wirkt die Befriedigung allerdings so kurz, dass es sogleich wieder mit neuen Wünschen losgeht, sobald der alte Wunsch erfüllt ist. Wilhelm Busch hat diesen Umstand in seinem Zitat verewigt.

Wir können uns fragen, wieso das mit dem Wünschen so ist wie es ist und warum es niemals aufhört. Die Fähigkeit zu wünschen kann von vielerlei Faktoren bestimmt werden. Zunächst einmal ist ein Wunsch etwas, das in seiner Zielerreichung noch vor uns, also in der Zukunft liegt. Das, was wir begehren, ist noch nicht Realität. Wir haben uns darauf entweder selbst zuzubewegen, müssen uns eventuell dafür anstrengen, arbeiten, sparen oder jemanden um etwas bitten. Oder aber wir müssen abwarten, Geduld aufbringen, Hoffnungen nähren, wenn die Wunscherfüllung nicht von uns selbst, sondern von anderen Umständen abhängt. Oft ist es auch ein Mix zwischen den Möglichkeiten, was die Wunscherfüllung betrifft.

Hat man das Glück und die Wunscherfüllung wird befriedigt, dauert es oft nur kurze Zeit, bis ein neuer Wunsch in uns hoch kommt. Bei manch einem Menschen mögen Wünsche auch gleich Schlange stehen und in Massen produziert werden – je nach Fantasie, Begehrlichkeit und Wesensveranlagung.

Ist die Produktion immer neuer Wünsche in uns selbst vielleicht deshalb so heftig, weil das Glück der Wunscherfüllung immer zu kurz ist? Weil wir diesen Moment viel öfter erleben wollen? Wenn wir uns selbstkritisch beobachten, ist festzustellen, dass wir oftmals das vorher so heiß Ersehnte oft schon nach kurzer Zeit vernachlässigen, vergessen oder es nichts mehr an Wert für uns bedeutet. Wie kommt das, so kann man sich hinterfragen, wo es doch vorher so wichtig war?

Was treibt uns zu Wünschen an? Ist es vielleicht eine Art Motor, der keinesfalls immer nur der persönlichen, meist kurzfristigen Befriedigung, dient, sondern zugleich auch Kraftquelle für unsere Entwicklung ist?

Wenn wir uns etwas wünschen, sind mit diesem Wunsch in aller Regel auch Fantasien verbunden. Sie können materieller Natur sein, aber sie können auch unsere seelische Gefühlswelt oder unsere mentale, geistige Welt der Gedanken betreffen. Es sind drei sehr verschiedene Bereiche, die sowohl gemeinsam, als auch getrennt voneinander erlebt werden können.

Geht es um einen materiellen Gegenstand, beispielsweise ein Auto, ein Schmuckstück, so ist mit dem Besitz des Gegenstandes der Wunsch daran erloschen. Man hat bzw. besitzt das Begehrte und kann sich nun auf das nächste gute Stück freuen. Dieser Wunsch kann durch Sparen von uns selbst verwirklicht oder aber als Geschenk durch einen anderen Menschen an uns herangetragen werden.


Die Falle der falschen Wünsche


Anders ist es mit den immateriellen Wünschen. Sie können an uns selbst gerichtet sein, indem man sich zum Beispiel bessere Gesundheit, ein anderes Aussehen oder auch eine berufliche Karriere wünscht. In diesen Fällen hat man an der Wunscherfüllung selbst tatkräftig mitzuwirken. Es obliegt uns selbst, die Bedingungen dafür in erster Linie auch selbst so zu schaffen, dass eine Wunscherfüllung zur Realität wird, indem wir uns entsprechend richtig verhalten. Hier haben Außenstehende oftmals nur wenig bis keinen Einfluss auf den Gang der Dinge, die keinesfalls nur dem bloßen Zufall geschuldet sind, sondern zumeist unserem entsprechend sinnvollen Tun.

In diesen seelisch-geistigen Bereichen des Wünschens kann es eigentlich nur gut sein, wenn sich die Wünsche immer weiter auch entwickeln, weil dies einer gesunden Selbstoptimierung auf die Sprünge helfen kann.

Doch in beiden Fällen können Wünsche auch zum Desaster führen. Im materiellen kann man leicht in die Falle des gierigen Hortens und des Besitzens tappen und von Dingen abhängig werden, die zur Last, vielleicht auch zur Sucht werden. Wünsche, Suche und Sucht haben gemeinsame Entsprechungen, die uns teuer zu stehen kommen können.

Und wenn es um die Bereiche von Seele und Geist geht, steht ebenfalls eine Gefahr ins Haus. Denn wenn unsere Wünsche allein nur der Befriedigung einer äußeren Eitelkeit dienen oder einem ungesunden, falschen Ehrgeiz, so können wir ebenfalls in ein Hamsterrad von ewiger Unzufriedenheit geraten. Schön, schöner, am Schönsten ? Niemals wird je irgendetwas gut genug sein, wenn ungesunde Motive Motor unseres Handelns sind. Dazu gehören Eitelkeit und Egoismus, Hochmut und Dünkel.

Wünsche und Wunscherfüllung können uns ebenso fördern, wie sie uns auch verführen und ins Elend stützen können. Es ist also die Qualität des Wunsches, die letztlich darüber entscheidet, ob das persönliche Wünsche-Gebären eine gute oder eher eine schlechte Sache für uns ist.