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William Shakespeare über Welt

Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.
Zitat von William Shakespeare
William Shakespeare
englischer Dichter und Dramatiker
* 23.04.1564, † 23.04.1616

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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Das Leben als Bühne zu beschreiben, ist eine beliebte Metapher. Doch wie nah dieses Bild auch an der Realität jedes Einzelnen ist, wird von vielen Menschen in seinem wahren Kern nicht immer erkannt. Deshalb lohnt es sich, Shakespeares Sichtweise näher unter die Lupe zu nehmen.

Jedes Leben eines Menschen wird von äußeren und von inneren Faktoren bestimmt. Einerseits gibt es die Kultur, die Umwelt, die persönlichen Verhältnisse in denen wir leben. Und sie wiederum sind geprägt vom Zeitalter, den Zeitmoden, dem geistigen Mainstream oder auch von der lokalen Örtlichkeit mit ihren Besonderheiten. Damit sind ein paar wichtige Parameter der äußeren Einflüsse stellvertretend genannt.

Andererseits gibt es die Innenwelt des Individuums, die wiederum ganz andere Faktoren bei vielleicht gleichen äußeren Bedingungen mit in den Ring wirft. Hier kommen dann die Talente, Stärken und Schwächen, Vorlieben, Neigungen mit ins Spiel, die wiederum beeinflusst sind von der Energie, der Lust oder Angst, von Freiheit oder Blockaden und vielen weiteren Faktoren.

All dies ist eine Art Knetmasse in unseren Händen, die wir in der Bedeutung für uns selbst und unser Leben neu und anders formen könnten, wenn wir denn wollen. Ob wir das wollen hängt vor allem davon ab, dass wir diese Gestaltungsfreiheit überhaupt erst einmal in ihren konkreten Möglichkeiten erkennen und dann auch die Konsequenzen einer Umformung mit in Kauf nehmen und tragen wollen.

Das Leben ist in gewisser Weise ein noch völlig unfertiges Drehbuch, das für jeden Menschen ganz viel an kreativem Potenzial beinhaltet. Wie wir es schreiben, liegt an unserer Fähigkeit, aus dem Leben selbst eine Kunst zu machen. Je mehr wir die uns gegebenen Spielvarianten für Veränderungen nutzen, umso mehr wird uns dieses Geschenk, aus dem Leben eine Bühne zu machen, von Wert sein. Diese Chance ist armen und reichen Menschen ebenso gegeben, wie jungen und alten, gesunden oder kranken.


Die verpassten Chancen der Fantasielosen


Dennoch gibt es eine Gruppe, die daran nicht partizipieren kann: Es ist die Gruppe der Fantasielosen. Wem die Fantasie für eine alternative, andersartige Lebensgestaltung in seinem gegebenen Umfeld fehlt, ist mangels Ideen quasi an seinen Automatismus gefesselt, den er kennt.

Mit unserer Geburt betreten wir die Bühne der Welt – mit dem Tod treten wir wieder ab. Es gibt Menschen, die ihr eigenes Lebensdrehbuch so perfekt schreiben, dass sie selbst über ihren Tod noch hinaus Wirkung behalten und auch nach ihrem Ableben lebendig und prägend in Erinnerung verbleiben.

Was allerdings zwischen Geburt und Tod alles passiert oder unterlassen wird, ist jenes Pfund, mit dem wir kreativ wuchern können, wenn wir das nur wollen. Dann sind wir allerdings mehr als nur Bühnendarsteller. In diesem Sinne wäre Shakespeares richtige Beobachtung noch zu erweitern. Nämlich um die Tatsachen, dass wir zugleich auch Drehbuchautor sind, wie auch unser eigenes Publikum stellen können. Zum Beispiel indem wir uns für unsere guten Leistungen auch selbst feiern, ehren und beklatschen oder uns mit selbstkritischen Buhrufen auch zwischendurch von der Lebensbühne hinter die Kulissen jagen können, auf dass wir unsere selbstgewählten Rollen besser als bisher ausfüllen.

Wir sind auch Bühnenbildner, indem wir auch die Außendinge unseres Lebens im hohen Maße mitgestalten. Es beginnt beispielsweise beim Entwurf des äußeren Hauses, wie aber auch das innere Haus, das architektonisch kreativ entworfen werden will und statisch Bestand haben muss: Unser Seelenhaus, das uns ebenfalls eine große Bühne ist. Hier könnten wir mit Gedanken und Gefühlen, Fantasie und Kreativität ans Werk gehen und könnten die Zustände in nahezu fast allen Bereichen ändern. Auch das wirkt sich unmittelbar auf den Mimen, also unsere Lebensschauspielerei aus.

Und natürlich arbeiten wir auch in der Maske. Die vielen Rollen, die wir uns "auftragen" wie Schminke, ist allein schon ein unglaublich kreativer Akt. Wir können den Kranken, den Lügner, den Schlauen geben. Die Zickige, Weise, die Alte oder den Dummkopf. Und häufig machen wir dies so perfekt, weil wir dies in solchen Augenblicken tatsächlich auch sind. Wir verschmelzen symbiotisch mit der Rolle des Augenblicks. Oft bleibt ein großes Staunen in uns selbst, wie schnell und hemmungslos wir auch in die Gegenrolle schlüpfen können, wenn es die Situation von uns erfordert. Demaskiert uns das? Oder sind wir einfach nur besonders kreativ?


Die Profis und die superreale Verdoppelung


Damit nicht genug können wir aber auch Teile der Theaterleitung in unserem Lebenstheater übernehmen. Wir können für uns werben, können uns darstellen oder können darin versagen. Eine gute Theaterleitung wird immer auch ein gutes Marketing haben, das wir in eigener Sache vor allem auch in seiner Wirksamkeit selbst beeinflussen. Wo und wie wir uns womit darstellen, liegt doch an uns selbst. Machen wir es ungeschickt, blamieren wir uns. Die Bedingungen sind für alle gleich. Machen wir es gut, werden wir die Erfolge einheimsen, die wir verdient haben. Und solche bühnenreife Inszenierungen vermögen wir als Alte und Junge zu leisten, reich oder arm. Bühne ist dort, wo wir sind; vor allem dann, wenn wir authentisch unsere Kreativität in Vielfalt zum Einsatz bringen.

Aber wie im echten Leben ergeht es uns auch in unserer Bühnenmetapher. Wir bekommen jede Menge Konkurrenz mit in die Wiege gelegt. Da treten manchmal Widersacher auf, die mit einem noch besseren Bühnenstück für sich werben und sich gegen uns durchsetzen. Ihr Drehbuch ist vielleicht variantenreicher und der Inhalt so voller Spannung und Dramatik, dass das restliche Publikum der Welt sich dann lieber deren, als unser Bühnenstück anschaut.

Doch täglich neu gibt es eine neue Chance, die eigene Lebensbühne auch neu zu beleben. Es liegt an uns selbst, unser Drehbuch immer wieder neu umzuschreiben, die derzeitigen Verhältnisse zu verlassen und uns mit Mut und Risiko in andere Bühnenstücke einzuarbeiten. Wir können die äußere Kulisse, die wir um unser Leben aufgebaut haben, auch wieder verlassen. Dazu braucht es Flexibilität und die Bereitschaft, in die Zone der Unsicherheit zu gehen und manchmal auch auf das Liebgewonnene und das Bequeme des jetzigen Zustandes zu verzichten, allein des Neuen und Unwägbaren zuliebe, das unser Leben so reich und lebendig macht.

Ein Menschenleben lang treten wir täglich auf und ab. Und abends, in den stillen Stunden der eigenen Rückschau, können wir uns die Vielfalt unseres Bühnengeschenkes vor Augen führen, können über uns und unser Wirken urteilen und können es verändern, wenn es uns nicht gut genug ist.

Und diejenigen unter uns, die es professionell bei Film und Theater tun, übersteigern unsere normale Lebensmetapher, die zugleich eine Wirklichkeit ist, bis hin zu einer superreale Verdoppelung der Möglichkeiten dieses bunten Lebensspiels… und erfreuen uns damit, sind uns Vorbild und Leitschnur.

Doch all diese Veränderung braucht die Liebe zum Leben, das nicht nur immer Zuckerseite ist, sondern harte Arbeit an sich selbst erfordert. Wird dieses freie Gestalten an und mit sich selbst auf der eigenen Bühne des Lebens geschafft, ist der Gewinn eine wunderbare süße Frucht.

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Neuigkeiten über das Schaffen der Autorin finden Sie auf ihrer Homepage