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Christa Schyboll

Jenseits der Dunkelwelt

Wer steckt in unserer komplexen, modernen Welt voller Hetze, Stress und Überforderung nicht in einem Hamsterrad drin? Und wenn ja, gibt es denn jenen point of no return, wo ein Aussteigen so mitten im Leben noch möglich ist? Und steckt nicht in jedem von uns eine kleine Spur krimineller Energie, wenn die Verzweiflung nur groß genug ist? Karl Sandhauser, ein bis dato braver Familienvater in der Midlifecrisis, wird nicht nur von Schwermut und Depression niedergeschlagen, sondern auch von der Verzweiflung darüber, dass er seine wahren Talente nicht ausleben kann. Der Job, die Bilderbuchfamilie, die Existenzsicherung - das alles frisst ihn auf und er fühlt sich bereits mit Anfang Vierzig als Marionette des Lebens. Er selbst funktioniert wie am Schnürchen - bis es plötzlich reisst!

Christa Schyboll beschreibt in ihrem Psycho-Roman "Jenseits der Dunkelwelt" den Weg eines Mannes, auf der Suche nach seinem wahren Ich. Im Außen herrscht das Chaos, und im innen spielt sich ein Mysterium ab, das er jedoch selbst zunächst nicht versteht. So verfällt er in bizarre Ideen, um seine noch nicht ausgelebten Talente der Schreibkunst für die Nachwelt zu retten und landet vorübergehend in der Psychiatrie. Dort begegnet er nicht nur kranken, sondern auch sehr geheimnisvollen Patienten, die ab nun sein Leben mit bestimmen. Doch was der Protagonist anstrebt, ist nicht das, was ihm das Schicksal zugedacht hat. Er wird nicht nur mitsamt einer neuen Schicksalsgefährtin von Interpol verfolgt, sondern vor allem von seinen inneren Schattenanteilen, die ihm auch auf einer anderen Ebene das Leben zur Hölle machen. All das sind Gründe genug, um sich endlich auf die Suche nach dem Licht neuer Erkenntnisse zu begeben.

Die temporeiche und wahrhaft abgefahrene Story im spannenden Mix von Crime, Philosophie und Sinnsuche ist in einem anspruchsvollen Stil verfasst, wo sich Phantasiekraft und Sprachkunst in schöner Weise mit trockenem Humor ergänzen, der sich mit philosophischem Gedankengut durch die Geschichte zieht.

Wenngleich die meisten Romane dem Leser eine angenehme Zerstreuung zum Genuss anbieten, geht Christa Schyboll andere Wege und bietet stattdessen eine spannende Fokussierung für die Gedanken des Lesers an. Momente der Nachdenklichkeit werden dabei ebenso angeregt wie die eigene Urteilskraft herausgefordert oder auch die Lust geschürt, seine eigene Haltung zum Leben reflektieren zu wollen. Bei all dem kommen die Aberwitzigkeiten jedoch nicht zu kurz.

Den Charakteren der Handlung gab die Autorin scharfe Profile. Sie zeigte darüber hinaus jedoch auch immer wieder die Ambivalenzen zwischen gut und böse oder richtig und falsch auf, denen sich alle Menschen zu stellen haben, die die Qual der Wahl haben und sich frei entscheiden dürfen. Die Themen Freiheit und Verantwortung sind in diesem Entwicklungsroman Kernstücke, die in eine hochemotionale Achterbahnfahrt der Gedanken und Gefühle, verrückten Handlungsebenen und einer abgefahrenen Story spannend eingebettet sind.

Ein wahrhaftiges Lesevergnügen für Menschen, die anspruchsvolle Belletristik lieben und gerne auch mitdenken. Menschen, die schon ihre eigenen Krisen gemeistert haben und darum wissen, dass das Abenteuer der eigenen Entwicklung die spannendste Sache des eigenen Lebens werden kann, werden an diesem besonderen Roman ihren Genuss haben.