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Hermann Oeser

deutscher Pädagoge und Schriftsteller (1849 - 1912)

46 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Das "ungedingte Vertrauen" zeigt sich darin, dass man dem Ehepartner sein Geheimnis gönnt.

  • Auf alle Kunst und jeden Beruf bereitet sich der Mensch vor, nur auf den schwersten Beruf nicht, auf die Ehe.

  • Zeit haben für den Ehegefährten ist wichtiger als Geld für ihn haben.

  • Quellpunkt aller Frömmigkeit ist die wortlose Sehnsucht des Gemütes, rein zu werden.

  • Frömmigkeit und Zerteiltheit heben einander auf, wo das eine ist, kann das andere nicht sein. Folglich ist kein moderner Mensch fromm, und wer fromm ist, ist nicht von dieser Zeit.

  • Was würde der Herr Christus machen, wenn er heute unter uns weilte? Da könnte er doch nicht von den Pharisäern reden? Wen würde er da meinen? Wen? / Nun, er spräche von den Kriegskorrespondenten? / Von Kriegskorrespondenten?! / Ja. Die davon sprechen, wie andere kämpfen!

  • Wie höflich ist Gott. / Er sagte: "Er soll dein Herr sein!" Dann schwieg er und sah dich freundlich und erwartungsvoll an und glaubte, du sagtest nun deinerseits: "Und ich will Ihr Diener sein und Sie auf meinen Händen tragen!" / Und immer noch schweigt er und wartet auf dies, dein Wort.

  • Die Eltern von heute müssen wieder lernen, Nein sagen zu können; denn in nichts offenbart sich die wahre, die sehende Liebe tiefer als in dem Nein, das die Zukunft im Auge hat und sie sichern will. Versagen ist ebenso wichtig als gewähren.

  • Das hervorragendste Zeugnis der Bildung ist: Ehrfurcht.

  • Man bringt immer etwas im Zimmer an, damit es häuslich, heimlich und schön sei. Man bringt immer etwas im Leben der anderen an, damit es dem Nächsten wohl wird: Wahrheit, Ruhe, Liebe und Glaube.

  • Gott gab dem Ehegefährten die Ohren, damit er die Klagen des andern hört – liebreich anhört! Liebreich anhören, nicht geduldig – da liegt es.

  • Wie höflich ist die Bibel. Wenn du schweigst, so redet sie und wenn du redest, schweigt sie.

  • Das Leben ist in Wahrheit eine Gabe Gottes, die uns arme Menschenkinder erfrischt und aufheitert gleich einem Gewitter, das nach langer Dürre die lechzende Natur wieder stärkt und zu neuem Leben verjüngt. Wer nicht mehr lachen kann, für den hat das Erdenleben, seinen Schmelz und Duft, seine Heiterkeit und Frische verloren, und wer so recht aus voller Seele lacht, der kann kein schlechtes Gewissen haben.

  • Ehe ist Anbetung. Nicht Anbetung des anderen.

  • Selbstlosigkeit ist eine Tugend, die jeder hat, an allen anderen vermißt und die in einem gegebenen Falle nicht an sich gefordert zu sehen, sehr erwünscht ist.

  • Höchste Liebe schweigt. Nein, höchste Liebe tröstet den Beleidiger.

  • Habe den Mut, der Vierzehnte zu sein. Wo dreizehn am Tische des Gastgebers sitzen sollten, lädt er den "Vierzehnten" ein, den Mann, dessen Beruf es ist, nichts als der Vierzehnte zu sein: Er ist Luft für die anderen, aber doch Luft, die sie fröhlich atmen läßt. Habe den Mut, der Vierzehnte zu sein!

  • Ein Werdender zu sein, ist nur in den Augen der Fertigen ein Mangel.

  • Den Ehegefährten, zum gesellschaftlichen Spiel, vor anderen ironisieren, – bricht die Ehe!

  • Möbelgemeinschaft ist keine Ehe.

  • Wenn die Unordentlichen Könige werden, so ist ihr erstes, daß sie die Untertanen zur Ordnung ermahnen.

  • Nicht der liebt schon die Wahrheit, der sie anderen sagt. Nur der liebt die Wahrheit, der sie gegen sich selbst erträgt.

  • Selbstanklage vor anderen ist die Umfrage nach einem Advokaten.

  • Was ist die Aufgabe des Menschen? Seinen Nächsten darauf aufmerksam zu machen, in welcher Stimmung sich dieser befinde.

  • Der Ruf "Habt nicht lieb die Welt!" können nur die verstehen und befolgen, die etwas Besseres haben und kennen, als die Welt geben kann.

  • Du sollst nicht immer eine Meinung haben.

  • Wenn du glaubst, Gott habe just dir den Lebenstornister mit den schwersten Sandsäcken gefüllt, so bist du eitel.

  • Es gibt nur weinendes Glück.

  • Was dem einen recht ist, kommt den anderen gewöhnlich gar nicht billig.

  • Tief sieht die Liebe. Sie sieht alle Schwächen des Geliebten. Darum ist sie Arzt und Schleier.

  • "Ich will mich nicht weiter über mich selbst äußern", unterbrach Herr Kibitz seine Beichte, "man kann einem Menschen leicht Unrecht tun."

  • Rechtschaffene Menschen sind alle gescheit, auch, wenn sie dumm sind. Sie sagen ihre Sache schlicht hin; es spielen keine fremde Gedanken, versteckte Motive, Kapriolen des bösen Gewissens, Gedankenstriche zögernd verlegener Bewußtheit in ihre Rede hinein. Ach, wie gescheit sind die rechtschaffenen Menschen.

  • Wer über den Ehegefährten bei andern klagt, der bricht die Ehe.

  • Kein stolzer Mensch läßt sich durch die Albernheit des Zeitalters weg- oder mitschwemmen.

  • Es gibt Ehen, die erst nach dem Tode des einen Ehegefährten mit diesem geschlossen werden.

  • Wieder einmal recht gehabt, hat nur der Nichtliebende. Nicht recht zu haben ist ein süßes Glück.

  • "Pflicht" ist das, was entweder zu unseren Neigungen paßt, oder was im konkreten Falle unmöglich gemeint sein kann.

  • Gottes Gnade ist seine Mitarbeit an unserem Willen.

  • Fremde Freude durch die fremde und befremdende Form hindurch als solche, als eine Freude zu erkennen, ist eine schwere Aufgabe. Du hast ein Porzellanfigürchen vom Brette genommen und ruhig betrachtet und ruhig zurückgestellt und verstehst die Aufregung der alten Besitzerin nicht, aber du hast nicht ein Figürchen berührt, sondern eine Freude.

  • Wer in die Ehe tritt, ohne den festen Willen: nur Du!, tritt neben die Ehe.

  • Ehe schützt wie eine Mutter ihr Kind. / Ehe deckt den Gefährten. / Ehe steht wie ein Soldat für / die Ehre des Kameraden ein.

  • Wer ist ein unschuldiger Mensch? Der, welcher annimmt, daß man nichts Schlimmes über ihn weiß.

  • Wer einem anderen etwas unter dem Siegel des Vertrauens miteilt, hält seltsamerweise diesen für diskreter als sich.

  • Wer nicht das erste Wort nach Spannungen findet, soll nicht heiraten.

  • Sei immer größer als der Augenblick! Wie wolltest du sonst die Kleinheit der Sache erkennen? Sei nie geringer als der Augenblick, wie überständest du sonst die Scham, daß du kleiner warst als das Kleine?

  • Nur wer allein war, kann mit anderen gehen.

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