TOPZufallszitatVolltexteGedankensplitterReligionen
Anzeige

Ewald Christian von Kleist

deutscher preußischer Offizier und Dichter (1715 - 1759)

26 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Das Leben nennt der Derwisch eine Reise, / und eine kurze. Freilich! Von zwei Spannen / diesseits der Erde nach zwei Spannen drunter.

  • Das Mißtraun ist die schwarze Sucht der Seele, / und alles, auch das Schuldlosreine, zieht / fürs kranke Aug' die Tracht der Hölle an.

  • Der Graf von Strahl: Was fesselt dich an meine Schritte an? / Käthchen: Mein hoher Herr! Da fragst du mich zuviel. / Und läg' ich so, wie ich vor dir jetzt liege, / vor meinem eigenen Bewußtsein da, / auf einem goldnen Richtstuhl laß es thronen / und alle Schrecken des Gewissens ihm / in Flammenrüstungen zur Seite stehn, / so spräche jeglicher Gedanke noch / auf das, was du gefragt: Ich weiß es nicht.

  • In Eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrtum / geknetet innig wie ein Teig zusammen; / mit jedem Schnitte gebt Ihr mir von beidem.

  • Das Leben ist viel wert, wenn man's verachtet!

  • Seltsam! Wenn ich der Dei von Tunis wäre, / schlüg' ich bei so zweideut'gem Vorfall Lärm; / die seidne Schnur legt' ich auf meinen Tisch, / und vor das Tor, verrammt mit Palissaden, / führt' ich Kanonen und Haubitzen auf. / Doch weil's Hans Kottwitz aus der Priegnitz ist, / der sich mir naht, willkürlich, eigenmächtig, / so will ich mich auf märk'sche Weise fassen: / Von den drei Locken, die man silberglänzig / auf seinem Schädel sieht, fass' ich die eine / und führ' ihn still mit...

  • Lustige Leute begehen mehr Torheiten als traurige. Traurige Leute begehen größere.

  • Der Schmerz macht, daß wir die Freude fühlen, so wie das Böse macht, daß wir das Gute erkennen.

  • Seit ich mein Grab sah, will ich nichts als leben / und frage nicht mehr, ob es rühmlich sei!

  • Das Schicksal zieht, / gleich einem strengen Lehrer, kaum ein freundlich / Gesicht, sogleich erhebt der Mutwill wieder / sein keckes Haupt.

  • Reue ist die Unschuld der Gefallenen.

  • Wer sich viel über Undankbarkeit beschwert, ist ein Taugenichts, der niemals aus Menschlichkeit, sondern aus Eigennutz andern gedient hat.

  • Unter den Unglücklichen beklagt man die am wenigsten, die es durch ihre Schuld geworden sind. Sie sind daher aber am meisten zu beklagen. Der Trost eines guten Gewissens fehlt ihnen.

  • Es gibt keine unbiegsameren und härteren Menschen als diejenigen, die immer mit der Betrachtung ihres Unglücks beschäftigt sind.

  • Lach' der Ärzt' und ihrer Ränke! / Tod und Krankheit lauert, / wenn man bei dem Froschgetränke / seine Zeit vertrauert.

  • Es hat der frech / Beleidigte den Nachteil, daß die Tat / ihm die Besinnung selbst der Rache raubt / und daß in seiner eignen Brust ein Freund / des Feindes aufsteht wider ihn, die Wut.

  • Nie besser ist / der Mensch, als wenn er es recht innig fühlt, / wie schlecht er ist.

  • Es stirbt der Glücklichste wünschend.

  • Hat er sie am Brunnen getroffen, wenn sie Wasser schöpfte, und gesagt: Lieb' Mädel, wer bist du? Hat er sich an den Pfeiler gestellt, wenn sie aus der Mette kam, und gefragt: Lieb' Mädel, wo wohnst du? Hat er sich bei nächtlicher Weile an ihr Fenster geschlichen und, indem er ihr einen Halsschmuck umgehängt, gesagt: Lieb' Mädel, wo ruhst du? Ihr hochheiligen Herren, damit war sie nicht zu gewinnen! Den Judaskuß erriet unser Heiland nicht rascher als sie solche Künste.

  • Späte Strafen sind wie späte Arzneien.

  • Wäre kein Schmerz in der Welt, so würde der Tod alles aufreiben. Wenn mich eine Wunde nicht schmerzte, würde ich sie nicht heilen und würde daran sterben.

  • Das ist der Vorteil / von uns verrufnen hagestolzen Leuten, / daß wir, was andre knapp und kummervoll / mit Weib und Kindern täglich teilen müssen, / mit einem Freunde zur gelegnen Stunde / vollauf genießen.

  • Keine Tugend ist doch weiblicher als die Sorge für das Wohl anderer, und nichts dagegen macht das Weib häßlicher und gleichsam der Katze ähnlicher als der schmutzige Eigennutz.

  • Ich erlitt in dreiundfünfzig Jahren, da ich lebe, so viel Unrecht, daß meiner Seele Gefühl nun gegen seinen Stachel wie gepanzert ist.

  • Macht uns nicht die Tugend glücklich, und ist tugendhaft handeln und vernünftig handeln nicht einerlei?

  • Nicht ein Zehnteil würd' / ein Herr des Bösen tun, müßt er es selbst / mit eignen Händen tun.

Anzeige