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Sir Thomas More

englischer Humanist und Staatsmann (1478 - 1535)

26 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Die Dummweisen meinten nämlich, das Heil des Staates beruhe darauf, daß immer eine starke schlagfertige Truppe zur Hand sei, vor allem altbewährte Krieger; den Ungeübten trauen sie gar nichts zu. Und so müssen sie schon deswegen beständig Kriegshändel suchen, um keine untrainierten Soldaten zu haben.

  • Das Gesetz will bloß die böse Gesinnung ausrotten; es verschont aber die Menschen und behandelt sie so, daß sie gut werden müssen und den Schaden, den sie anrichten, im Laufe ihre Lebens ersetzen.

  • Von Advokaten wollen sie rein gar nichts wissen, da deren Prozeßführung hinterlistig und ihre Rechtsauslegung verdreht sei. Sie halten es nämlich für zweckmäßig, daß jeder persönlich seine Sache führe und dem Richter dasselbe sage, was er seinem Anwalt würde erzählt haben; so gebe es weniger Umschweife und lasse sich die Wahrheit leichter herausbekommen.

  • Nun hat aber Gott tatsächlich dem Menschen nicht nur die Verfügung über fremdes Leben, sondern selbst über das eigene genommen: Darf da eine Abmachung unter Menschen über gegenseitiges Töten die Schergen des Staates von jenem Verbot entbinden und ihnen erlauben, diejenigen hinzurichten, die ein irdisches Strafgesetz zu töten befiehlt? Würde dann jenes Gebot Gottes nicht nur gerade soviel gelten, als die Rechtsbücher der Menschen es dulden?

  • Kannst du nicht mit der Wurzel die falschen Ansichten ausrotten und Mißstände, die längst eingerissen sind, nicht ganz nach deinem Wunsche beheben, so darfst du deswegen dem Staat nicht den Rücken kehren, so wenig du das Schiff im Sturm sich selbst überläßt, weil du die Winde nicht am Blasen hindern kannst.

  • Wer weiß nicht, daß Betrug, Diebstahl, Raub, Streit, Tumult, Beleidigung, Empörung, Totschlag, Verrat und Giftmord - durch die üblichen Strafen mehr geahndet als verhütet ausstürben, wenn das Geld erwürgt wäre?

  • Die ganze Ausübung der Jagd haben darum die Utopier als für die Freien entwürdigend den Metzgern zugewiesen. Wie ich früher sagte, besorgen Sklaven das Gewerbe. Dabei betrachten sie die Jagd als die unterste Stufe der Metzgerei, während deren übrige Abteilungen als nützlicher und weniger anstößig gelten, da sie einen sinnvollen Zweck haben und man im Schlachthaus die Tiere nur tötet, weil es nicht anders geht.

  • Denen, die ein Vergehen ehrlos gemacht hat, hängen von den Ohren goldene Ringe herab, umgibt Gold die Finger, umfaßt eine Goldkette den Hals und umspannt ein Goldstreifen den Kopf. So sorgen sie auf jede Art dafür, daß bei ihnen Gold und Silber in Verruf stehen.

  • Der Senat befolgt sogar den Brauch, kein Geschäft an dem Tage zu besprechen, an dem es zum ersten Male vorgelegt wird: Er verschiebt es auf die nächste Sitzung, damit nicht ein Redner, der unüberlegt gesagt hat, was ihm gerade in den Mund kam, nachher eifriger auf die Rechtfertigung seiner Meinung als auf das Interesse des Staates bedacht sei.

  • Die Utopier verstehen es nämlich nicht, wie ein Mensch, der doch einen Stern oder auch die Sonne selbst anzusehen Gelegenheit hat, an dem stumpfen Schimmer eines kleinen Edelsteins Gefallen finden mag.

  • Gerade den besten Gesetzen der Vorfahren geben wir leichten Herzens den Abschied. Geht es aber um Verhältnisse, die sie klüger hätten gestalten können, da greifen wir sogleich und mit Freuden zu jener billigen Ausrede von der guten Tradition und verbeißen uns in das Althergebrachte wie wütende Köter.

  • Da die Menschen in ihrem Tun sich ungern nach der Vorschrift Christi ausrichten ließen, haben sie seine Lehre wie einen Maßstab aus weichem Blei nach den Sitten gestreckt, damit eben beides noch einigermaßen übereinstimme. Ich weiß nicht, was sie damit erreichen, außer daß man mit besserem Gewissen Böses tun darf.

  • Der zweite rät ihm, er solle tun, als gäbe es Krieg, und solle Steuern unter diesem Vorwand erheben, im gegebenen Moment aber Frieden schließen mit gewaltigem Zeremoniell: So falle das dumme Volk auf den Hokuspokus herein und meine, er wolle Menschenblut sparen, der barmherzige, pflichtbewußte Fürst.

  • Mir scheint im Gegenteil, daß sich dort unmöglich zufrieden leben läßt, wo alles Gemeineigentum ist. Denn woher sollte die erforderliche Menge der Produkte kommen, wenn sich jeder um die Arbeit drückt, weil ihn ja doch keine Sorge um sein tägliches Brot anspornt und die Spekulation auf den Fleiß der andern ihn faul macht?

  • Wer nämlich meint, die Armut des Volkes gewährleiste die Ruhe, irrt sich gewaltig, wie die Tatsachen lehren; denn wo findet man mehr Gezänk als unter den Bettlern? Wer sinnt eifriger auf eine Änderung der Dinge als der Mensch, dem es in seiner Haut nicht wohl ist?

  • In der Regel ahnden sie selbst die schwersten Vergehen nur mit Versklavung; denn sie ist nach ihrer Meinung für die Verbrecher nicht weniger hart und doch für das Gemeinwesen ersprießlicher, als wenn man die Schuldigen hinrichten und augenblicklich beseitigen wollte. Ihre Arbeit ist nützlicher als der Tod, und als lebendes Beispiel schrecken sie andere länger von einer ähnlichen Missetat ab.

  • Wenn ich alle diese heutigen Gemeinwesen ringsherum vor meinem Geiste vorbeiziehen lasse, kann ich - so wahr mir Gott helfe - nichts anderes sehen als die reinste Verschwörung der Reichen, die unter dem Namen und Titel des Staates für ihren eigenen Vorteil tätig sind.

  • Plato meint, die Staaten würden erst dann glücklich, wenn entweder die Philosophen regierten oder die Könige philosophieren.

  • Man trifft auf so schiefe Urteile, daß derjenige sicher das bessere Teil erwählt, der lustig und heiter draufloslebt, als wer sich müht und quält, um etwas zu veröffentlichen, das andern entweder Nutzen oder Vergnügen spenden könnte. Sie rümpfen ja doch nur die Nase.

  • Sogar im Falle, daß ein Priester eine Missetat begangen hat, untersteht er keinem öffentlichen Gericht. Sie überlassen ihn Gott und sich selbst, weil sie glauben, die Hand eines Sterblichen dürfe auch den ärgsten Frevler nicht antasten, der Gott auf so besondere Weise wie eine Art Opfertier geweiht sei.

  • Sie glauben, Gott werde keine Freude an der Ankunft eines Menschen haben, der trotz ergangenem Ruf nicht herbeieilt, sondern unwillig und widerspenstig muß herangeschleppt werden. Sehen sie einem solchen Sterben zu, so schaudern sie.

  • Die Frauen sind ihren Männern, die Kinder den Eltern und so überhaupt die Jüngeren den Älteren untertan.

  • Ein Gewerbe ist allen Männern und Frauen gemeinsam: der Ackerbau; den versteht jeder. Darin werden alle von Kindheit an unterwiesen.

  • Ruft den Ackerbau wieder ins Leben, erneuert die Wollspinnerei; das gäbe ein recht ehrsames Geschäft, in dem sich mit Nutzen jener Schwarm von Tagedieben betätigen könnte, die bisher die Not zu Dieben gemacht hat.

  • Wo findet sich mehr Gezänk als unter den Bettlern?

  • Setzt Schranken gegen die Aufkäufe der reichen Besitzer und gegen die Freiheit gleichsam ihres Monopols!

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