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Karl Kraus

österreichischer Schriftsteller (1874 - 1936)

91 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Das Wort "Familienbande" hat einen Beigeschmack von Wahrheit.

  • Bei gleicher Geistlosigkeit kommt es auf den Unterschied der Körperfülle an. Ein Dummkopf sollte nicht zu viel Raum einnehmen.

  • Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.

  • Da das Halten wilder Tiere gesetzlich verboten ist und die Haustiere mir kein Vergnügen machen, so bleibe ich lieber unverheiratet.

  • Sie ist mit einer Lüge in die Ehe getreten. Sie war eine Jungfrau und hat es Ihm nicht gesagt.

  • Als zum erstenmal das Wort »Friede« ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz: Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient!

  • Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.

  • Der Zuhälter ist das Vollzugsorgan der Unsittlichkeit. Das Vollzugsorgan der Sittlichkeit ist der Erpresser.

  • Die Sprache entscheidet alles, sogar die Frauenfrage. Dass der Name eines Weibes nicht ohne den Artikel bestehen kann, ist ein Argument, das der Gleichberechtigung widerstreitet. Wenn es in einem Bericht heißt, »Müller« sei für das Wahlrecht der Frauen eingetreten, so kann es sich höchstens um einen Feministen handeln, nicht um eine Frau. Denn selbst die emanzipierteste braucht das Geschlechtswort.

  • In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.

  • Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben.

  • Der Übermensch ist ein verfrühtes Ideal, das den Menschen voraussetzt.

  • Das Christentum hat die erotische Mahlzeit um die Vorspeise der Neugier bereichert und durch die Nachspeise der Reue verdorben.

  • Das Einzige, was die Österreicher und Deutschen trennt, ist die deutsche Sprache.

  • Eine merkwürdige Art Mensch ist der Beamte eines magistratischen Bezirksamtes. Erledige ich eine Angelegenheit schriftlich, so lädt er mich vor. Gehe ich das andere Mal gleich selbst hin, so fordert er mich auf, eine Eingabe zu machen. Ich muss rein auf die Vermutung kommen, dass er das eine Mal mich kennen lernen und das andere Mal ein Autogramm von mir haben wollte.

  • Das sind die wahren Wunder der Technik, dass sie das, wofür sie entschädigt, auch wirklich kaputt macht.

  • Moderne Architektur ist das aus der richtigen Erkenntnis einer fehlenden Notwendigkeit erschaffene Überflüssige.

  • Krieg ist zuerst die Hoffnung, daß es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, daß es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, daß es dem anderen auch nicht besser geht, und hernach die Überraschung, daß es beiden schlechter geht.

  • Ein Feuilleton schreiben heißt auf einer Glatze Locken drehen.

  • Es gibt nur eine Möglichkeit, sich vor der Maschine zu retten. Das ist, sie zu benützen. Nur mit dem Auto kommt man zu sich.

  • Die stärkste Kraft reicht nicht an die Energie heran, mit der manch einer seine Schwäche verteidigt.

  • Ein Aphorismus braucht nicht wahr zu sein, aber er soll die Wahrheit überflügeln. Er muss mit einem Satz über sie hinauskommen.

  • Die Gedankenfreiheit haben wir. Jetzt brauchen wir nur noch die Gedanken.

  • Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.

  • Eine Notlüge ist immer verzeihlich. Wer aber ohne Zwang die Wahrheit sagt, verdient keine Nachsicht.

  • Der Anspruch auf den Platz an der Sonne ist bekannt. Weniger bekannt ist, daß sie untergeht, sobald er errungen ist.

  • Liebe und Kunst umarmen nicht was schön ist, sondern was eben dadurch schön wird.

  • Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt.

  • Als die christliche Nacht hereinbrach und die Menschheit auf Zehen zur Liebe schleichen mußte, da begann sie sich dessen zu schämen, was sie tat.

  • Einen Aphorismus zu schreiben, wenn man es kann, ist oft schwer. Viel leichter ist es, einen Aphorismus zu schreiben, wenn man es nicht kann.

  • Bildung ist eine Krücke, mit der der Lahme den Gesunden schlägt, um zu zeigen, daß er auch bei Kräften ist.

  • Satiren, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten.

  • Bildung ist das, was die meisten empfangen, viele weitergeben und wenige haben.

  • Die Entwicklung der Technik ist bei der Wehrlosigkeit vor der Technik angelangt.

  • Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft vorzuziehen ist.

  • Es kommt bei einer Frau nicht nur auf Äußerlichkeiten an. Auch die Dessous sind wichtig.

  • Psychoanalyse ist mehr eine Leidenschaft als eine Wissenschaft.

  • Polemik soll den Gegner um seine Seelenruhe bringen, nicht ihn belästigen.

  • Die Zeitung ist die Konserve der Zeit.

  • Psychologie ist der Omnibus, der ein Luftschiff begleitet.

  • Einer, der Aphorismen schreiben kann, sollte sich nicht in Aufsätzen zersplittern.

  • Der Aphorismus deckt sich nie mit der Wahrheit; er ist entweder eine halbe Wahrheit oder anderthalb.

  • Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Mißtrauensvotum gegen den lieben Gott.

  • Erotik ist Überwindung von Hindernissen. Das verlockendste und populärste Hindernis ist die Moral.

  • Einen Aphorismus kann man in keine Schreibmaschine diktieren. Es würde zu lange dauern.

  • Dem Bedürfnis nach Einsamkeit genügt es nicht, dass man an einem Tisch allein sitzt. Es müssen auch leere Sessel herumstehen. Wenn mir der Kellner so einen Sessel wegzieht, auf dem kein Mensch sitzt, verspüre ich eine Leere und es erwacht meine gesellige Natur. Ich kann ohne freie Sessel nicht leben.

  • Wohltätige Frauen sind oft solche, denen es nicht mehr gegeben ist, wohlzutun.

  • Schönheit vergeht, weil Tugend besteht.

  • Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie sei ne Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.

  • "Würde" ist die konditionale Form von dem, was einer ist.

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