Anzeige

Baltasar Gracián

spanischer Jesuit und Moralphilosoph (1601 - 1658)

55 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Man soll wissen, dass es Pöbel überall gibt, selbst im schönen Korinth, in der auserlesensten Familie: Jeder macht ja die Erfahrung in seinem eigenen Hause.

  • Jeder sei, in seiner Art, majestätisch. Wenn er auch kein König ist, müssen doch alle seine Handlungen, nach seiner Sphäre, eines Königs würdig sein.

  • Man unternehme das Leichte, als wäre es schwer, und das Schwere, als wäre es leicht: Jenes, damit das Selbstvertrauen uns nicht sorglos, dieses, damit die Zaghaftigkeit uns nicht mutlos macht.

  • Verachtung ist die subtilste Form der Rache.

  • Ein schöner Rückzug ist ebensoviel wert als ein kühner Angriff. Man bringe seine Taten, wann ihrer genug, wann ihrer viele sind, in Sicherheit.

  • Wer sich nicht mit der Löwenhaut bekleiden kann, der nehme den Fuchspelz!

  • Mit dem Fleiße bringt ein mittelmäßiger Kopf es weiter, als ein überlegener ohne denselben.

  • Die eine Hälfte der Welt lacht über die andre, und Narren sind sie alle.

  • Ein guter Rat in spaßiger Form ist oft besser als ernste Belehrung.

  • Ist man noch im Werden, so halte man sich zu den Ausgezeichneten, aber als gemachter Mann zu den Mittelmäßigen.

  • Dumm ist nicht, wer etwas Dummes begeht, sondern wer seine Dummheit nachher nicht zu bedecken versteht.

  • Das Gute ist zweimal so gut, wenn es kurz ist.

  • Narren sind alle, die es scheinen, und die Hälfte derer, die es nicht scheinen.

  • Man muß sich nie zu dem gesellen, durch den man in den Schatten gestellt wird.

  • Wer klug ist, sieht lieber die Leute seiner bedürftig als ihm dankbar verbunden: Sie am Seile der Hoffnung führen, ist Hofmannsart, sich auf ihre Dankbarkeit verlassen, Bauernart - denn Letztere ist so vergesslich als Erstere von gutem Gedächtnis. Man erlangt mehr von der Abhängigkeit als von der verpflichteten Höflichkeit.

  • Mit zwanzig Jahren / ist der Mensch ein Pfau, / mit dreißig ein Löwe, / mit vierzig ein Kamel, / mit fünfzig eine Schlange, / mit sechzig ein Hund, / mit siebzig ein Affe, / mit achtzig - nichts.

  • Die Kunst des Ausdrucks besitzen: Sie besteht nicht nur in der Deutlichkeit, sondern auch in der Lebendigkeit des Vortrags.

  • Für den Behutsamen gibt es keine Unfälle und für den Aufmerksamen keine Gefahren. Man soll nicht das Denken verschieben, bis man im Sumpfe bis an den Hals steckt, es muss im Voraus geschehen.

  • Die Affekte sind die krankhaften Säfte der Seele, und an jedem Übermaße derselben erkrankt die Klugheit: Steigt gar das Übel zum Munde hinaus, so läuft die Ehre Gefahr.

  • Die Gesetztheit des Menschen ist die Fassade seiner Seele: Sie besteht nicht in der Unbeweglichkeit des Dummen, wie es der Leichtsinn haben möchte, sondern in einer sehr ruhigen Autorität. Ihre Reden sind Sentenzen, ihr Wirken gelingende Taten.

  • Man soll nichts gleich rund abschlagen: Vielmehr lasse man die Bittsteller Zug vor Zug von ihrer Selbsttäuschung zurückkommen. Auch soll man nie etwas ganz und gar verweigern: Man lasse immer noch ein wenig Hoffnung übrig, die Bitterkeit der Weigerung zu versüßen.

  • Der Kluge tut gleich anfangs, / was der Dumme erst am Ende. / Der eine und der andere tun dasselbe, / nur in der Zeit liegt der Unterschied: / Jener tut es zur rechten, / dieser zur unrechten.

  • Mit Zurückhaltung muss man vorschreiten, wo tiefer Grund zu fürchten ist.

  • Ein schöner Rückzug ist ebenso viel wert als ein kühner Angriff.

  • Jeder wäre in irgendetwas ausgezeichnet worden, hätte er seinen Vorzug erkannt. Man beobachte also seine überwiegende Eigenschaft und verwende auf diese allen Fleiß.

  • Wer mit seinem Amt viel Aufhebens macht, verrät, dass er es nicht verdient hat und die Würde für seine Schultern zu viel ist.

  • Gegen die List ist die beste Vormauer die Aufmerksamkeit. Für feine Schliche eine feine Nase.

  • Je mehr Einsicht, desto größere Anforderungen und, werden sie erfüllt, desto mehr Genuss.

  • Durch Abwesenheit seine Hochschätzung oder Verehrung befördern: Wie die Gegenwart den Ruhm vermindert, so vermehrt ihn die Abwesenheit.

  • Hunger zurücklassen: Selbst Nektarbecher muss man den Lippen entreißen. Das Begehren ist das Maß der Wertschätzung.

  • Amt und Würde gibt eine scheinbare Überlegenheit, welche selten von der persönlichen begleitet wird: Denn das Schicksal pflegt sich an der Höhe des Amtes durch die Geringfügigkeit der Verdienste zu rächen.

  • Die Urteile sind verschieden: Der Unentschiedene bleibe aufmerksam, und nicht sowohl auf das, was geschehen wird, als auf das, was geschehen kann, bedacht.

  • Oft bringt die Arznei die Krankheit hervor. Und nicht die schlechteste Lebensregel ist: ruhen lassen.

  • Der Arzt braucht gleich viel Wissenschaft zum Nichtverschreiben wie zum Verschreiben, und oft besteht die Kunst gerade in Nichtanwendung der Mittel.

  • Nie sein Ansehen von der Probe eines einzigen Versuchs abhängig machen: Denn missglückt er, so ist der Schaden unersetzlich.

  • Je besser man eine Sache macht, desto mehr muss man die darauf verwandte Mühe verbergen, um diese Vollkommenheit als etwas ganz aus unserer Natur Entspringendes erscheinen zu lassen.

  • Jede glänzende Leistung muss das Unterpfand einer größeren sein, und im Beifall der ersten schon die Erwartung der folgenden liegen.

  • Sich beraten, schmälert nicht die Größe und zeugt nicht vom Mangel eigener Fähigkeit, vielmehr ist Sich-gut-Beraten ein Beweis derselben.

  • Die persönlichen Eigenschaften müssen die Obliegenheiten des Amtes übersteigen und nicht umgekehrt. So hoch auch der Posten sein mag, stets muss die Person sich ihm als überlegen zeigen.

  • Es gibt fremdartige Beschäftigungen, welche die Motten der kostbaren Zeit sind. Sich mit etwas Ungehörigem beschäftigen, ist schlimmer als Nichtstun.

  • Gemeiniglich darf man, um sich die Achtung zu erhalten, nicht sehr geliebt sein. Die Liebe ist verwegener als der Hass.

  • Gemeiner Beifall in Fülle gibt dem Verständigen kein Genügen. Dagegen sind manche solche Chamäleons der Popularität, dass sie ihren Genuss nicht in den sanften Anhauch Apolls, sondern in den Atem des großen Haufen setzen.

  • Das laue Ja eines außerordentlichen Mannes ist höher zu schätzen als der ganze allgemeine Beifall. Denn aus den Weisen spricht Einsicht, und daher gibt ihr Lob eine unversiegbare Zufriedenheit.

  • Wer aber ein öffentliches Amt hat, muss der öffentliche Sklave sein; oder er lege die Würde mit der Bürde nieder.

  • Man verliert mehr durch ein halsstarriges Behaupten, als man durch den Sieg gewinnen kann: Denn das heißt nicht ein Verfechter der Wahrheit, sondern der Grobheit sein.

  • Die Augen beizeiten öffnen: Nicht alle, welche sehen, haben die Augen offen; und nicht alle, welche um sich blicken, sehen.

  • Mancher wäre ein Phönix in seinem Beruf gewesen, hätte er keine Vorgänger gehabt.

  • Es gibt Muster der Größe, lebendige Bücher der Ehre. Jeder stelle sich die Größten in seinem Berufe vor, nicht sowohl um ihnen nachzuahmen, als zum Ansporn.

  • Der geistige Mut übertrifft die körperliche Kraft: Er sei ein Schwert, das stets in der Scheide der Klugheit ruht, für die Gelegenheit bereit.

  • Einige schätzen die Bücher nach ihrer Dicke; als ob sie geschrieben wären, die Arme, nicht die Köpfe daran zu üben.

Anzeige