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Heinrich von Kleist

deutscher Schriftsteller (1777 - 1811)

107 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Bach, als seine Frau starb, sollte zum Begräbnis Anstalt machen. Der arme Mann war aber gewohnt, alles durch seine Frau besorgen zu lassen; dergestalt, daß, da ein alter Bedienter kam und ihm für Trauerflor, den er einkaufen wollte, Geld abforderte, er unter stillen Tränen den Kopf auf einen Tisch gestützt, antwortete: "Sagt's meiner Frau!"

  • Küsse, Bisse, / das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, / kann schon das eine für das andre greifen.

  • Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein! / Du strahlst mir durch die Binde meiner Augen / mit Glanz der tausendfachen Sonne zu! / Es wachsen Flügel mir an beiden Schultern, / durch stille Aetherräume schwingt mein Geist; / und wie ein Schiff, vom Hauch des Winds entführt, / die muntre Hafenstadt versinken sieht, / so geht mir dämmernd alles Leben unter: / Jetzt unterscheid' ich Farben noch und Formen, / und jetzt liegt Nebel alles unter mir. / Ach, wie die Nachtviole lieblich duftet!

  • Auch zu der Liebe schwimmt nicht stets das Glück, / wie zu dem Kaufmann nicht der Indus schwimmt. / Sie muß sich ruhig in des Lebens Schiff / des Schicksals wildem Meere anvertraun, / dem Wind des Zufalls seine Segel öffnen, / es an der Hoffnung Steuerruder lenken / und, stürmt es, vor der Treue Anker gehn; / sie muß des Wankelmutes Sandbank meiden, / geschickt des Mißtrauns spitzen Fels umgehn / und mit des Schicksals wilden Wogen kämpfen, / bis in des Glückes sichern Port sie läuft.

  • Denn jetzt steig' ich in meinen Busen nieder, / gleich einem Schacht, und grabe, kalt wie Erz, / mir ein vernichtendes Gefühl hervor. / Dies Erz, dies läutr' ich in der Glut des Jammers / hart mir zu Stahl, tränk es mit Gift sodann, / heißätzendem, der Reue durch und durch, / trag es der Hoffnung ew'gem Amboß zu / und schärf' und spitz' es mir zu einem Dolch. / Und diesem Dolch jetzt reich ich meine Brust: / So! So! So! So! Und wieder! - Nun ist's gut.

  • Jeder trägt den leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.

  • Die Überlegung findet ihren Zeitpunkt weit schicklicher nach als vor der Tat. Wenn sie vorher oder in dem Augenblick der Entscheidung selbst ins Spiel tritt, so scheint sie nur die zum Handeln nötige Kraft, die aus dem herrlichen Gefühl quillt, zu verwirren, zu hemmen und zu unterdrücken; dagegen sich nachher, wenn die Handlung abgetan ist, der Gebrauch von ihr machen läßt, zu welchem sie dem Menschen eigentlich gegeben ist, nämlich sich dessen, was in dem Verfahren fehlerhaft und...

  • Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein.

  • Auch der Olymp ist öde ohne Liebe.

  • Jedwedes Übel ist ein Zwilling.

  • Jedwedes Heer liebt, weißt du, seinen Helden.

  • Ach, was ist Menschengröße, Menschenruhm!

  • Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein, / doch göttlich ist er, wenn er selig ist!

  • Ich betrachte die Musik als die Wurzel aller übrigen Künste.

  • Nimm mir / das Aug', so hör' ich ihn, das Ohr, ich fühl' ihn, / mir das Gefühl hinweg, ich atm' ihn noch! / Nimm Aug' und Ohr, Gefühl mir und Geruch, / mir alle Sinn' und gönne mir das Herz, / so läßt du mir die Glocke, die ich brauche: / Aus einer Welt noch find ich ihn heraus.

  • Der Franzose sagt "l'appétit Vient en mangeant", und dieser Erfahrungssatz bleibt wahr, wenn man ihn parodiert und sagt: "l'idée Vient en parlant."

  • Ob du's im Tagebuch anmerkst? Handle! War es was Böses, / fühl' es, o Freund, und vergiß! Gutes? Vergiß es noch ehr!

  • Jeder Busen ist, der fühlt, ein Rätsel.

  • Staub lieber als ein Weib sein, das nicht reizt!

  • Narr, du prahlst, ich befried'ge dich nicht! Am Mindervollkommnen / sich erfreuen zeigt Geist, nicht am Vortrefflichen, an!

  • Stehe fest, wie das Gewölbe steht, / weil seiner Blöcke jeder stürzen will! / Beut deine Scheitel, einem Schlußstein gleich, / der Götter Blitzen dar und rufe: Trefft!

  • Es bricht der Wolf, o Deutschland, / in deine Hürde ein, und deine Hirten streiten / um eine Handvoll Wolle sich.

  • Der Sieg ist glänzend dieses Tages, / und Vor dem Altar morgen dank' ich Gott; / doch, wär' er zehnmal größer, das entschuldigt / den nicht, durch den der Zufall mir ihn schenkt. / Mehr Schlachten noch als die hab' ich zu kämpfen / und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei. / Wer's immer war, der sie zur Schlacht geführt, / ich wiederhol's, hat seinen Kopf verwirkt.

  • Frauen stünde gelehrt sein nicht? Die Wahrheit zu sagen, nützlich ist es: Es steht Männern so wenig wie Fraun.

  • Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte. / Die abgestorbne Eiche steht im Sturm, / doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder, / weil er in ihre Krone greifen kann.

  • Nicht aus des Herzens bloßem Wunsche keimt / des Glückes schöne Götterpflanze auf. / Der Mensch soll mit der Mühe Pflugschar sich / des Schicksals harten Boden öffnen, soll / des Glückes Erntetag sich selbst bereiten / und Taten in die offnen Furchen streun.

  • Ein twatsches Kind - Ihr seht's - gut, aber twatsch, / blutjung, gefirmelt kaum; das schämt sich noch, / wenn's einen Bart von weitem sieht.

  • Die Welt, die ganze Masse von Objekten, die auf die Sinne wirken, hält und regiert an tausend Fäden das junge, die Erde begrüßende Kind. Von diesen Fäden, ihm um die Seele gelegt, ist allerdings die Erziehung einer, und sogar der wichtigste und stärkste; verglichen aber mit der ganzen Totalität, mit der ganzen Zusammenfassung der übrigen, verhält er sich wie ein Zwirnsfaden zu einem Ankertau.

  • Zuversicht wie ein Berg so groß, dem Tadel verschanzt sein, / vielverliebt in sich selbst: Daran erkenn' ich den Geck.

  • Mein süßes Kind! Sieh, wär' ich ein Tyrann, / dein Wort, das fühl' ich lebhaft, hätte mir / das Herz schon in der ehrnen Brust geschmelzt. / Dich aber frag' ich selbst: Darf ich den Spruch, / den das Gericht gefällt, wohl unterdrücken?

  • Wenn die Dardanerburg, Laertiade, versänke, du verstehst, so daß ein See, ein bläulicher, an ihre Stelle träte; / wenn graue Fischer bei dem Schein des Monds / den Kahn an ihre Wetterhähne knüpften; / wenn im Palast des Priamus ein Hecht regiert', ein Ottern- oder Ratzenpaar im Bette sich der Helena umarmten: / So wär's für mich gerad' so viel als jetzt.

  • Den Sieg nicht mag ich, der, ein Kind des Zufalls, / mir von der Bank fällt; das Gesetz will ich, / die Mutter meiner Krone, aufrecht halten, / die ein Geschlecht von Siegen mir erzeugt.

  • Das wäre so erhaben, lieber Ohm, / daß man es fast unmenschlich nennen könnte.

  • Hinaus mir über die Gefilde, sag ich, / und mir die Rosen, die der Lenz verweigert, / mit eurem Atem aus der Flur gehaucht! / An euer Amt, ihr Priesterinnen der Diana, / daß eures Tempels Pforten rasselnd auf, / des glanzerfüllten, weihrauchduftenden / mir, wie des Paradieses Tore, fliegen! / Zuerst den Stier, den feisten, kurzgehörnten, / mir an den Altar hin; das Eisen stürz' ihn, / das blinkende, an heil'ger Stätte lautlos, / daß das Gebäu erschüttere, darnieder! / Ihr Dienrinnen,...

  • Es ist der Stümper Sache, nicht die deine, / des Schicksals höchsten Kranz erringen wollen; / du nahmst bist heut noch stets, was es dir bot.

  • Denn das Erworbne, wär's mit einem Tropfen Schweiß / auch nur erworben, ist uns mehr als das Gefundne wert.

  • Die Oberpriesterin: Unmöglich, da nichts von außen sie, kein Schicksal hält, / nichts als ihr töricht Herz? / Prothoe: Das ist ihr Schicksal! Dir scheinen Eisenbanden unzerreißbar. / nicht wahr? Nun sieh: Sie bräche sie vielleicht / und das Gefühl doch nicht, das du verspottest.

  • Entwöhne, Geliebte, von dem Gatten dich / und unterscheide zwischen mir und ihm! / Sie schmerzt mich, diese schmähliche Verwechslung, / und der Gedanke ist mir unerträglich, / daß du den Laffen bloß empfangen hast, / der kalt ein Recht auf dich zu haben wähnt!

  • Der ist der wirkliche Amphitryon, / bei dem zu Mittag jetzt gegessen wird.

  • Musik, ihr Fraun, Musik! Ich bin nicht ruhig. / Laßt den Gesang erschallen! Macht mich still!

  • Um eines Siegs, / der deine junge Seele flüchtig reizt, / willst du das Spiel der Schlachten neu beginnen? / Weil unerfüllt ein Wunsch, ich weiß nicht welcher, / dir im geheimen Herzen blieb, den Segen, / gleich einem übellaun'gen Kind, hinweg, / der deines Volks Gebete krönte, werfen?

  • Die zahllosen Krankheiten wundern Dich? Zähle die Ärzte!

  • Wehe dir, daß du kein Tor warst jung, da die Grazie dir Duldung / noch erflehte! Du wirst, Stax, nun im Alter es sein.

  • Nicht jeden Schlag ertragen soll der Mensch, / und welchen Gott faßt, denk' ich, der darf sinken.

  • Drauf - wie ich übern Lindengang mich nähere, / bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt / und dunkel wie der Dom zu Utrecht sind, / hör' ich die Gartentüre fernher knarren. / Sieh da, da ist die Eve noch, sag ich / und schicke freudig Euch, von wo die Ohren / mir Kundschaft brachten, meine Augen nach / und schelte sie, da sie mir wiederkommen, / für blind und schicke auf der Stelle sie / zum zweitenmal, sich besser umzusehen, / und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder, / Aufhetzer,...

  • Himmel, welch eine Pein sie fühlt! Sie hat so viel Tugend / immer gesprochen, daß ihr nun kein Verführer mehr naht.

  • Elf Ehstandsjahr' erschöpfen das Gespräch.

  • Laßt uns vereint, ihr Könige, noch einmal / Vernunft keilförmig mit Gelassenheit / auf seine rasende Entschließung setzen.

  • Rom, wenn, gebläht von Glück, du mit drei Würfeln doch / nicht neunzehn Augen werfen wolltest!

  • Bequeme Sünd' ist, find' ich, soviel wert / als läst'ge Tugend, und mein Wahlspruch ist: / Nicht so viel Ehr' in Theben und mehr Ruhe!

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