TOPZufallszitatVolltexteGedankensplitterReligionen
Anzeige

Friedrich Schlegel

deutscher Schriftsteller (1772 - 1829)

46 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Je mehr man schon weiß, desto mehr hat man noch zu lernen. Mit dem Wissen nimmt das Nichtwissen in gleichem Grade zu oder vielmehr das Wissen des Nichtwissens.

  • Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen.

  • Die Quelle des Ideals ist der heiße Durst nach Ewigkeit, die Sehnsucht nach Gott, also das Edelste unsrer Natur.

  • Der Satan der italienischen und englischen Dichter mag poetischer sein; aber der deutsche Satan ist satanischer; und insofern könnte man sagen, der Satan sei eine deutsche Erfindung.

  • Müßiggang, du heiliges Kleinod, einziges Fragment der Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb!

  • Es ist unmöglich, jemandem ein Ärgernis zu geben, wenn er es nicht nehmen will.

  • Die Römer wußten, daß der Witz ein prophetisches Vermögen ist; sie nannten ihn Nase.

  • Der Historiker ist ein rückwärts gehender Prophet.

  • Freundschaft ist partiale Ehe. und Liebe ist Freundschaft von allen Seiten und nach allen Richtungen, universelle Freundschaft.

  • Nur um eine liebende Frau her kann sich eine Familie bilden.

  • Grundsätze sind fürs Leben, was im Kabinett geschriebene Instruktionen für den Feldherrn sind.

  • Es gibt eine schöne Offenheit, die sich öffnet wie eine Blume: Nur um zu duften.

  • Ehre ist die Mystik der Rechtlichkeit.

  • Immer gleich zu reagieren ist das Kennzeichen der Schwäche. Jenes innere Crescendo der Empfindungen ist die Eigenheit energischer Naturen.

  • Ein Gedicht oder ein Drama, welches der Menge gefallen soll, muß ein wenig von allem haben, eine Art Mikrokosmos sein: Ein wenig Unglück und ein wenig Glück, etwas Kunst und etwas Natur, die gehörige Quantität Tugend und eine gewisse Dosis Laster. Auch Geist muß darin sein nebst Witz, ja sogar Philosophie und vorzüglich Moral. Auch Politik mitunter.

  • Prüderie ist Prätension auf Unschuld, ohne Unschuld.

  • Verstand ist mechanischer, Witz ist chemischer, Genie ist organischer Geist.

  • Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.

  • Man soll von jedermann Genie fordern, aber ohne es zu erwarten.

  • Nur diejenige Verworrenheit ist ein Chaos, aus der eine Welt entspringen kann.

  • Denke dir ein Endliches ins Unendliche gebildet, so denkst du einen Menschen.

  • Tugend ist zur Energie gewordene Vernunft.

  • In manchem Gedicht erhält man stellenweise statt der Darstellung nur eine Überschrift, welche anzeigt, daß hier eigentlich dies oder das dargestellt sein sollte, daß der Künstler aber Verhinderung gehabt habe und ergebenst um gewogene Entschuldigung bittet.

  • Was gute Gesellschaft genannt wird, ist meistens nur ein Mosaik geschliffener Karikaturen.

  • Wieviel Autoren gibt's wohl unter den Schriftstellern? Autor heißt Urheber.

  • Es gibt keinen Ehrgeiz, welcher lieber der Erste unter den Letzten sein will als der Zweite unter den Ersten. Das ist der alte. Es gibt einen andern Ehrgeiz, der lieber wie Tassos Gabriel der Zweite unter den Ersten als der Erste unter den Zweiten sein will. Das ist der moderne.

  • Moralität ohne Sinn für Paradoxie ist gemein.

  • Ein Kritiker ist ein Leser, der widerkäut.

  • Manche witzigen Einfälle sind wie das überraschende Wiedersehen zweier befreundeter Gedanken nach langer Trennung.

  • Vieles, was Dummheit scheint, ist Narrheit, die gemeiner ist, als man denkt. Narrheit ist absolute Verkehrtheit der Tendenz, gänzlicher Mangel an historischem Geist.

  • Witzige Einfälle sind die Sprichwörter der gebildeten Menschen.

  • Der platte Mensch beurteilt alle anderen Menschen wie Menschen, behandelt sie aber wie Sachen und begreift durchaus nicht, daß sie andere Menschen sind als er.

  • Mysterien sind weiblich.

  • Ist es die Bestimmung des Autors, die Poesie und die Philosophie unter den Menschen zu verbreiten und fürs Leben und aus dem Leben zu bilden: so ist Popularität seine erste Pflicht und sein höchstes Ziel.

  • Was den Menschen aber über die engen Schranken seines irdischen Bewusstseins hinaus von dem Endlichen zu dem Unendlichen erhebt und ihm den Blick in die höhere göttliche Welt öffnet, ist die Begeisterung.

  • Der feindliche Gegensatz zwischen dem Glauben und Wissen ist eben keineswegs ein an sich gültiger und natürlicher, den man als solchen anerkennen müsste, sondern es ist eine durchaus protestantische Trennung, welcher dem bessern Altertum in dieser Art durchaus unbekannt war.

  • Die Begeisterung ist die Mutter des Ideals, und der Begriff sein Vater.

  • Nur derjenige Staat verdient Aristokratie genannt zu werden, in welchem wenigstens die kleinere Masse, welche die größere despotisiert, eine republikanische Verfassung hat.

  • Wer nicht verachtet, der kann auch nicht achten.

  • Liebe ist Freundschaft vom Kopf bis zu den Füßen.

  • Nur durch die Liebe und durch das Bewusstsein der Liebe wird der Mensch zum Menschen.

  • Ein Geistlicher ist, wer nur im Unsichtbaren lebt, für wen alles Sichtbare nur die Wahrheit einer Allegorie hat.

  • Anmaßend ist es freilich, noch bei Lebzeiten Gedanken zu haben, ja bekannt zu machen.

  • Das höchste Gut und das allein Nützliche ist die Bildung.

  • Ironie ist klares Bewusstsein der ewigen Agilität, des unendlich vollen Chaos.

  • Die Naturbestimmung des Menschen ist Rückkehr in die verlorne Freiheit. Die Stufe, auf der er steht, ist die der wiedererwachten Sehnsucht nach dem unendlichen göttlichen Leben.

Anzeige