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Antoine de Rivarol

französischer Schriftsteller (1753 - 1801)

58 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Die Erinnerung steht immer dem Herzen zu Diensten.

  • Die Sprache ist äußeres Denken, das Denken innere Sprache.

  • Hat man vierundzwanzig Stunden früher als die übrigen Menschen recht, so gilt man vierundzwanzig Stunden lang für närrisch.

  • Der Stufengang von Rivalität und Ehrgeiz macht die Harmonie des politischen Körpers aus, vom Handarbeiter bis zum Großgrundbesitzer, vom gemeinen Soldaten bis zum Marschall von Frankreich. In dieser doppelten Hierarchie von Rang und Vermögen eifert jeder ehrgeizig nur dem Nächsthöheren nach, von dem er sich nur durch einen Würde- oder Vermögensgrad unterscheidet. Dieser Ehrgeiz ist sehr vernünftig. Die Philosophen haben nun plötzlich die Extreme zusammengebracht und den Soldaten dem...

  • Aus Vertraulichkeit entsteht die zarteste Freundschaft und der stärkste Haß.

  • Diejenigen, die nach Wundern verlangen, werden nicht gewahr, daß sie damit der Natur eine Unterbrechung ihrer Wunder abverlangen.

  • Die Moral errichtet ein höheres und fürchterlicheres Tribunal als das der Gesetze. Sie will nicht nur, daß wir das Böse vermeiden, sondern daß wir das Gute tun; nicht nur, daß wir tugendhaft erscheinen, sondern daß wir es seien.

  • Die Natur mußte notwendigerweise dem Individuum oder der Gattung Dauer verleihen. So verfuhr sie bei den Himmelskörpern und der Sonne nach jenem, bei Lebewesen und Pflanzen nach diesem Plan. Im zweiten Fall mußten die individuellen Formen vergänglich sein, damit die Unsterblichkeit der Gattung gesichert war.

  • Es ist die fundamentale Idee der jüdischen Religion, daß Gott die Juden allen Völkern vorgezogen hat. Kraft dieser Idee hat Moses eine eherne Mauer zwischen seinem Volk und allen anderen Völkern errichtet. Ja mehr: Er lieferte dieses unglückliche Volk einer wahren Ächtung durch die Welt aus. Aber durch diesen Haß der Welt sicherte er ihm die Unsterblichkeit. Durch Liebe oder Gleichgültigkeit anderer Völker wären die Juden längst verschwunden.

  • Jeder Mensch, der emporkommt, vereinzelt sich. Ich möchte gern die Rangfolge der Geister einer Pyramide vergleichen. Die Untenstehenden entsprechen großen Kreisen und finden viel Gleichgesinnte. In dem Maße, als man höher kommt, entspricht man engeren Kreisen, und der Stein schließlich, der die Pyramide krönt, ist ganz für sich.

  • War eine Regierung so schlecht, dass sie den Aufstand hervorgerufen hat, zu schwach, um ihn aufzuheben, so war der Aufstand gerechtfertigt wie die Krankheit: Denn die Krankheit ist das letzte Mittel der Natur; aber niemals hat man gesagt, dass die Krankheit eine Pflicht des Menschen sei.

  • In jedem Freund steckt ein halber Verräter.

  • Ein geringes Maß von Ehrlichkeit und öffentlicher Moral leuchtet noch in der Welt. Ein Schuft wagt noch nicht, als solcher gelten zu wollen. Er nennt einen anderen so. Alles wäre verloren, wagte er laut zu sagen: Ich bin ein Schuft.

  • Die Furcht, die mächtigste der Leidenschaften, kann allein dem politischen Körper Bestand und Dauer sichern, ja sein Glück, wenn wechselseitige Furcht zwischen König und Volk besteht. Denn wenn das Volk den König fürchtet, so gibt es keine Aufstand, und wenn der König das Volk fürchtet, keine Unterdrückung.

  • Verachtung muß das geheimste unserer Gefühle bleiben.

  • Man muß scharf unterscheiden zwischen der arithmetischen und der politischen Mehrheit im Staat.

  • Man muß sich vornehmen, wahr zu sein in all seinen Worten. Bleiben wir kompromißlos diesem Grundsatz treu, so steigern wir unsere Selbstachtung und erwerben Besonnenheit. Die eine Tugend bringt die andere mit sich. Die Verstellung soll nicht über das Schweigen hinausgehen.

  • Man kann die Tiere in geistvolle und begabte Personen einteilen: Hund und Elefant zum Beispiel sind geistreiche, Nachtigall und Seidenwurm begabte Leute.

  • Jemand, dem das Schreiben zur Gewohnheit geworden ist, schreibt auch ohne Ideen weiter, wie ein alter Arzt namens Bouvard, der, als er in seinen letzten Zügen lag, seinem Lehnstuhl den Puls fühlte.

  • Das Volk spendet seine Gunst, niemals sein Vertrauen.

  • Die meisten unsrer Gottlosen sind nur rebellische Frömmler.

  • Die herrliche Fähigkeit des Geistes zur Bildung von Sammelbegriffen ist die Wurzel fast aller seiner Irrtümer gewesen.

  • Der Ungläubige täuscht sich über das jenseitige, der Gläubige über das diesseitige Leben.

  • Der schönste Kunstgriff des menschlichen Geistes, die Erfindung von Begriffen, ist die Quelle fast all seiner Irrtümer.

  • Von den Deutschen haben wir gelernt, die deutsche Sprache zu verachten.

  • Unduldsamkeit und Dummheit sind Vettern.

  • Die zivilisierten Völker sind der Barbarei so nahe wie das bestgeschliffene Eisen dem Rost. Völker wie Metalle glänzen nur an der Oberfläche.

  • Die Macht ist die organisierte Gewalt, die Verbindung von Werkzeug und Gewalt. Die Welt ist voll von Gewalten, die nur ein Werkzeug suchen, um Mächte zu werden. Wind und Wasser sind Gewalten; in Verbindung mit einer Mühle oder Pumpe, die ihre Werkzeuge sind, werden sie Macht. Das Volk ist Gewalt, die Regierung Werkzeug; aus der Vereinigung beider konstruiert sich die politische Macht.

  • Es gibt nichts Häßlicheres als Reichtum ohne Tugend.

  • Die Politik gleicht der Sphinx der Fabel: Sie verschlingt alle, die ihre Rätsel nicht lösen.

  • Eine der größten Leistungen der Vorsehung ist das Glück der Kinder. Wäre die Welt etwas Gutes, so müßte man die, welche nichts von ihr verstehen, am meisten beklagen.

  • Frei ist, wer, obwohl gezwungen, tut, was er nötig hat, wie ein Diener dienen muß, um leben zu können. Sklave ist, wer sich zwingen läßt, zu tun, was er nicht nötig hätte.

  • Außerordentliche Geister legen großen Wert auf Allgemeines und Alltägliches. Gewöhnliche Geister schätzen und suchen nur das Außerordentliche.

  • Rechte sind Güter, die sich auf Macht gründen. Mit der Macht sinken die Rechte dahin.

  • Mirabeau ist für Geld zu allem fähig, selbst zu einer guten Tat.

  • Unter zehn Personen, die über uns sprechen, sagen uns neun Böses nach, und die einzige, die Gutes sagt, sagt es schlecht.

  • Die außerordentlichen Geister wenden sich vor allem den alltäglichen, vertrauten Dingen zu, während den gewöhnlichen Köpfen nur die außerordentlichen Dinge auffallen.

  • Die Herrscher dürfen niemals vergessen, daß die Regierung immer Vater sein muß, da das Volk immer Kind ist.

  • Die Weltleute sind mittelmäßig und findig zugleich; denn sie beschäftigen sich viel mit Personen und wenig mit Sachen. Bei Menschen höheren Ranges verhält es sich umgekehrt.

  • Die Philosophen sind eher Anatomen als Ärzte; sie zerlegen und heilen nicht.

  • Manche Leute haben nichts weiter von ihrem Vermögen als die Furcht, es zu verlieren.

  • Ein wahrer Philosoph verzeiht seinen Mangel an Vermögen der Gesellschaft mit derselben Ruhe, mit der ein reicher Bankier der Natur seinen Mangel an Geist nachsieht.

  • Man braucht des Appetit des Armen, um das Vermögen des Reichen zu genießen.

  • Es gibt Tugenden, die man nur ausüben kann, wenn man reich ist.

  • Es bleibt festzustellen: Das Volk bedarf anschaulicher und nicht begreifflicher Wahrheiten.

  • In den Wörterbüchern gibt es abgebrauchte Wörter, die auf den großen Schriftsteller warten, der ihnen ihre Energie zurückerstattet.

  • Das Schicksal will, dass die großen Begabungen für gewöhnlich eher Rivalen als Freunde sind; sie wachsen und leuchten für sich aus Furcht, einander zu beschatten. Die Schafe müssen sich zusammenrotten, aber die Löwen leben für sich allein.

  • Ein Bürger wird den Vergleich mit einem Schuhflicker mit weniger Verdrossenheit hinnehmen als ein Adliger den Vergleich mit einem Bürger.

  • Wer das Alphabet erschaffen hat, hat uns den Faden unserer Gedanken und den Schlüssel der Natur in die Hand gegeben.

  • Außergewöhnliche Geister legen oft großen Wert auf Alltägliches und Vertrautes, durchschnittliche Geister schätzen und suchen nur das Außerordentliche.

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