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Theodor Herzl

österreichisch-ungarischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker (1860 - 1904)

121 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Die Judenfrage ist ein verschlepptes Stück Mittelalter.

  • Einzelne schlecht gelaunte Moralisten behaupten, dass es keine hilfsbereiten Freunde gäbe. O doch! Es gibt viele Leute, die einem helfen, wenn man sie nicht mehr braucht.

  • Über Lakaien herrschen, welch ein geringer Traum! Nein, mächtig ist, wer den Herren gebietet.

  • Israel! Andere Völker waren auch von Mißgeschicken heimgesucht, aber es kommt ihnen immer wieder eine ungetrübte Zeit. Jedem Kriege folgt ein Frieden. Nur das verstreute Israel wird immer besiegt und kommt nach den Niederlagen nicht zur Ruhe.

  • Es gibt mehr Appetit als Hühner auf der Erde.

  • Die Unsterblichkeit muß wahrhaftig ein höchst angenehmes Gefühl sein; besonders solange man noch lebt.

  • Wir vergessen das Leben nicht minder als den Tod. So fremd werden uns die Stufen einer Entwickelung, die wir am eigenen Leibe und Geiste durchgemacht haben.

  • Komiker verstehen keinen Spaß.

  • Es gibt nur eine Art, vornehm zu sein: die besteht darin, dass man viel von sich selbst verlangt und nicht das mindeste Gewicht darauf legt, ob die andern das anerkennen oder auch nur sehen.

  • Der Zionismus fegt als reinigender Sturm durch das ganze Judentum. Die dürren Äste werden geknickt, in den Wipfeln muß Raum sein für die ewig jungen Triebe, die hinauf wollen in das Sonnenlicht.

  • Das ist ja die Poesie: was darein gelegt wird. Für den Montblanc genügt ein Farbendruck, und seit gar bunt photographiert wird, hat das eigene Auge nichts mehr zu suchen beim Allzugroßen. Aber Corot malt zwischen zwei Bäumen am Weiher die ganze Welt.

  • Einem Volke kann man nicht philanthropisch helfen, sondern einzig und allein politisch.

  • Die Kinder sind unsere größten Lehrmeister.

  • Die Einzigen waren vermutlich nicht so selten, wie man nach der Geschichte glauben müßte. Es hat in den Jahrtausenden wohl manchen Cäsar gegeben, der nie dazu kam, seinen gallischen Krieg zu führen und zu beschreiben. Nur Zeit, Ort, Umstände lieferten selten das Zusammentreffen von Bedingungen, das für die Erscheinung der großen Person nicht minder wichtig ist, als deren Charakter.

  • Die Liebe beruht im wesentlichen auf der mangelhaften Kenntnis der Fehler des angebeteten Gegenstandes, das lehrt die Erfahrung.

  • Esprit de conduit hat eigentlich viel Ähnlichkeit mit dem esprit de l'escalier. Auf der Treppe beim Weggehen sind wir ja alle in der Regel viel gescheiter, als im richtigen Augenblick.

  • Wir haben Vaterländer, das sind die, wo wir Staatsbürger sind — so weit man es eben gestattet — aber wir haben kein Mutterland. Und dieses Mutterland sucht der Zionismus mit der Seele.

  • Man gratuliert zu einem Erfolg! Wie überflüssig. Der Erfolg ist ja schon die Freude, die nicht mehr übertroffen werden kann.

  • An einem frischen Grabe sollte man nur weinen und schweigen. Die Schwachen mögen sich in Tränen Luft machen, die Starken werden durch ihr Schweigen das Erhabene grüßen.

  • Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen.

  • Die Kindheit unserer Kinder ist wie Musik, die verschwebt und vorbei ist, ehe wir uns darauf besonnen haben, dass es etwas unendliches Süßes war.

  • Wer begehrt, ist jung.

  • Aus unserer Natur entsteht ja alles Übel. Nachdem wir eine neue Einrichtung gefunden haben, verderben wir sie zunächst. Dann entdecken wir, dass wir damit unsere Entwickelung gefährden und schwingen uns zu einer höheren Einrichtung auf, die allmählich auch verdorben wird. Und so, so geht es langsam aufwärts.

  • Denn um das Leben zu ertragen, brauchen die Intelligenten einen Gedanken und die Einfältigen ein Gefühl.

  • Wer bloßfüßig geht, hat auf den Sohlen eine dicke Haut.

  • Die Rolle der Reichen in der Gemeinde, die Gefügigkeit mancher Priester, das zwitterhafte Bestreben, die alte Tradition mit einem übertriebenen Nachahmen der Landesgewohnheiten zu vereinigen, die dreiste Bettelhaftigkeit der wirtschaftlich Schwächeren — für das alles hat der Geschichtskundige Erklärungen voller Nachsicht. Aber wenn wir der Gemeinde auch nicht zürnen, so sind wir doch weit entfernt, uns von ihr beeinflussen zu lassen. Der Zionismus stellt eine andere Gemeinde des...

  • Das ist wohl der ergreifendste Zug in unserer Volkstragik, daß das hochkonservative Volk der Juden immer den revolutionären Bewegungen zugejagt wird.

  • Wir sind sozusagen nach Hause gegangen. Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland.

  • Keinen größeren Gegensatz gibt es im Staate, als den zwischen Landmenschen und Stadtmenschen, und wir hassen gerne dasjenige, was wir nicht verstehen.

  • Die einförmige Arbeit modelt den Menschen, der sie betreibt.

  • Ruhm besteht nicht im Beifall der Menge, sondern im Urteil der Geschichte. Je größer ein Mensch ist, desto länger kann er darauf warten, daß man ihn versteht, sei es auch erst in fernen Tagen.

  • Ein Künstler ist immer ein Egoist. Sich will er hervortun, sich will er hervordichten, sich hervormalen, sich hervorsingen.

  • In einem Worte ist unsere Tätigkeit und ihr Fortgang zusammenzufassen: Wir organisieren die Judenheit für ihre kommenden Geschicke.

  • Ein Volk kann warten. Es lebt länger als Menschen und Regierungen.

  • Große Tröster wird die Menschheit immer brauchen! Solange sie leben, nennt man sie Narren, Tagediebe, und wenn sie aufgehört haben, in beleidigender Größe unter uns herumzuwandeln, nennt man sie Genies.

  • Der Weg in die Zukunft muss durch das Elend führen.

  • Sie vergessen, daß wir in künftigen Zuständen leben, denn das Heute ist die Zukunft von Gestern.

  • Das Stück hatte es dringend nötig, verboten zu werden. Es wäre sonst durchgefallen.

  • Aus dem, was man nicht hat, erwächst die Überzeugung.

  • Es wird immer zu den großen Merkwürdigkeiten gehören, daß die Herren gleichzeitig um Zion beten und gegen Zion auftreten.

  • Mein Gott, wer lügt im Süden nicht? Dort klingen Lügen nur wie Märchen.

  • Wir haben einen Grundsatz bei unseren Weisen gefunden: Die Ehren gebe man dem, der sie nicht sucht!

  • Es gibt eine Pflicht der Intellektuellen, wie es in alten Zeiten ein Noblesse oblige! gab. Es ist die Pflicht, an der Erhöhung des Menschengeschlechtes mitzuwirken, jeder nach seiner Kraft und Einsicht.

  • Poesie und Weisheit beginnen, glaube ich, dort, wo man darauf verzichtet, sie schriftlich festzuhalten.

  • Immer ist die Sehnsucht in den Werken der Kunst, ja vielleicht ist die Kunst überhaupt nichts anderes als Sehnsucht, die gestaltet wird. Sie schafft sich das Unerreichbare, und dieses ist das Einzige, was wert ist, verlangt zu werden.

  • So wahr ist es, dass eine Mutter, auch wenn sie schon ganz schwach und hilflos ist, noch immer die Kraft hat, ihres Kindes Glück zu schaffen.

  • Aber dem Judentum angehören, das Judentum sozusagen berufsmäßig ausüben und es gleichzeitig bekämpfen, das ist etwas, wogegen sich jedes rechtliche Gefühl auflehnen muß.

  • Am leichtesten ertragen wir diejenigen Ungerechtigkeiten des Lebens, die anderen widerfahren.

  • Wohltätigkeit an einem ganzen Volke ausgeübt, heißt Politik, und die Wohltätigkeit, die ein Volk zu seinem eigenen Gedeihen auszuüben versucht, ist die Politik dieses Volkes. Es gibt keine Politik, die nicht von Absichten der Wohlfahrt durchdrungen ist.

  • Wir sind eine Nation. Wer befindet sich im Widerspruch mit der Geschichte?

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