Wir armen Fraun, wir dürfen's nicht verhehlen: / Des Augs Verirrung lenkt zugleich die Seelen.
Wir Blinden bitten oft unser eignes Leid, das weise Mächte / zu unserm Wohl versagt'n: So sind wir reicher durch des Gebets Verlust.
Wir dürfen nicht die Güte jeder Tat / ermessen nach dem Ausgang des Erfolgs.
Wir fühlen hier die Buße Adams nur, / der Jahrszeit Wechsel, so den eisigen Zahn / und böses Schelten von des Winters Sturm. / Doch wenn er beißt und auf den Leib mir bläst, / bis ich vor Kälte schaudre, sag' ich lächelnd: / Dies ist nicht Schmeichelei. Ratgeber sind's, / die fühlbar mir bezeugen, wer ich bin. / Süß ist die Frucht der Widerwärtigkeit.
Wir hassen bald, was oft uns Furcht erregt.
Wir müssen als ein Paar in Trennung leben, / mag unsre Liebe auch unteilbar sein.
Wir Männer mögen leicht mehr sprechen, schwören, / doch der Verheißung steht der Wille nach. / Wir sind in Schwüren stark, doch in der Liebe schwach.
Wir mästen alle andern Kreaturen, um uns zu mästen. Und uns selber mästen wir für Maden. Der fette König und der magre Bettler sind nur verschiedene Gerichte, zwei Schüsseln, aber für eine Tafel: Das ist das Ende vom Liede.
Wir Neugeborenen weinen, zu betreten / die große Narrenbühne.
Wir sind dazu geboren, wohltätig zu sein.
Wir sind solcher Stoff, auf dem Träume entstehen, und unser kleines Leben wird mit einem Schlaf abgerundet.
Wir wissen, daß wir sterben werden. / Frist und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten.
Wird da verziehn, wo Missetat besteht?
Witz beruht auf Stund' und günst'ger Zeit.
Witz, schnell geboren, wächst und welkt geschwind.
Wißt Ihr nicht, daß ich ein Weib bin? Wenn ich denke, muß ich sprechen.
Wo die größere Krankheit Sitz gefaßt, / fühlt man die mindere kaum.
Wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen.
Wo Leidenschaft den Vorsatz hingewendet, / entgeht das Ziel uns, wenn sie selber endet.
Wo tief der Bach ist, läuft das Wasser glatt.
Wo zwei wütige Feuer sich begegnen, / vertilgen sie, was ihren Grimm genährt: / Wenn kleiner Wind die kleine Flamme facht, / so bläst der Sturm schnell Feu'r und alles aus.
Wo zwei zu Rate gehn, laßt keinen Dritten kommen!
Wohin ich kam, da hatten sich Gelahrte, / auf wohlgesetzte Reden vorbereitet. / Da haben sie gezittert, sich entfärbt, / gestockt in einer halbgesagten Phrase. / Die Angst erstickte die erlernte Rede, / noch eh' sie ihren Willkomm vorgebracht, / und endlich brachen sie verstummend ab.
Wohl dreimal soviel Land / gäb' ich dem wohlverdienten Freund, / doch wo's auf Handel ankommt, merkt ihr wohl, / da zank' ich um ein Neuntel eines Haars.
Wohl erwogen sind meine Gründe eben nicht, aber sie sind doch gut genug.
Wort bleibt Wort. Noch hab' ich nie gelesen, / daß durch das Ohr ein krankes Herz genesen.
Wort ohne Sinn kann nicht zum Himmel dringen.
Wut muß man bekämpfen.
Wähle doch das Weib / sich einen Ältern stets!
Wär mir's nicht untersagt, / das Innre meines Kerkers zu enthüllen, / so höb ich eine Kunde an, von der / das kleinste Wort die Seele dir zermalmte, / dein junges Blut erstarrte, deine Augen / wie Stern' aus ihren Kreisen schießen machte, / dir die verworrnen krausen Locken trennte / und sträubte jedes einzle Haar empor / wie Nadeln an dem zornigen Stacheltier: / Doch diese ewige Offenbarung faßt / kein Ohr von Fleisch und Blut.
Wäre tun so leicht als wissen, was gut zu tun ist, so wären Kapellen Kirchen geworden und armer Leute Hütten Fürstenpaläste.
Überfluß kommt eher aus zu grauen Haaren, aber Auskommen lebt länger.
Überfluß und Friede zeugen Memmen. Drangsal ist der Keckheit Mutter.
Übung kann / fast das Gepräge der Natur verändern; / sie zähmt den Teufel oder stößt ihn aus / mit wunderbarer Macht.
Zauberer wissen ihre Zeit.
Zeigt wie ein Krämer erst die schlechtste Ware, / Vielleicht bringt Ihr sie an; geläng' es nicht, / Dann wird der Glanz der Bessern Euch erhöht, / Zeigt Ihr die Schlechte erst.
Zeit ist es, wenn der wilde Krieg vorüber, / der Angst zu lächeln, der bestandnen Not.
Zeit ist wie ein Wirt nach heut'ger Mode, / der lau dem Gast die Hand drückt, wenn er scheidet, / doch ausgestreckten Arms, als wollt' er fliegen, / umschlingt den, welcher eintritt.
Zerlumptes Kleid bringt kleinen Fehl ans Licht, / Talar und Pelz birgt alles. Hüll in Gold die Sünde: / Der starke Speer des Rechts bricht harmlos ab. / In Lumpen: Des Pygmäen Halm durchbohrt sie.
Zu Liebesboten taugen nur Gedanken, / die zehnmal schneller fliehn als Sonnenstrahlen, / wenn sie die Nacht von finstern Hügeln scheuchen.
Zum Gaffen hat das Volk die Augen.
Zum Raube lächeln, heißt den Dieb bestehlen.
Zuviel Geschäftigkeit ist mißlich.
Zweifle an der Sonne Klarheit, zweifle an der Sterne Licht, zweifle, ob lügen kann die Wahrheit, nur an meiner Liebe nicht.
Öfters, wenn man einen Fehl entschuldigt, / macht ihn noch schlimmer die Entschuldigung, / wie Flicken, die man setzt auf kleine Risse, / da sie den Fehl verbergen, mehr entstellen, / als selbst der Fehl, eh man ihn so geflickt.