Johann Wolfgang von Goethe

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Die Menschen, die einen großen Wert auf Gärten, Gebäude, Kleider, Schmuck oder irgendein Besitztum legen, sind weniger gesellig und gefällig; sie verlieren die Menschen aus den Augen.

Die Menschen, die sich um uns bekümmern, täten's nicht, wenn sie mit sich selbst was bessers anfangen könnten. Wenigstens täten sie's anders.

Die Menschheit ist bedingt durch Bedürfnisse. Sind diese nicht befriedigt, so erweist sie sich ungeduldig; sind sie befriedigt, so erscheint sie gleichgültig. Der eigentliche Mensch bewegt sich also zwischen beiden Zuständen.

Die menschliche Figur ist von den Alten so durchgearbeitet, daß wir schwerlich eine ganz neue Stellung hervorbringen werden, ohne aus den Grenzen des guten Geschmacks zu schreiten.

Die Muttersprache zugleich reinigen und bereichern ist das Geschäft der besten Köpfe.

Die Mädels sind doch sehr interessiert, / ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch. / Sie denken: Duckt er da, folgt er uns eben auch.

Die Mängel erkennt nur der Lieblose. Deshalb, um sie einzusehen, muß man auch lieblos werden, aber nicht mehr, als hierzu nötig ist.

Die Männer denken mehr auf das Einzelne, auf das Gegenwärtige, und das mit Recht, weil sie zu tun, zu wirken berufen sind; die Weiber hingegen mehr auf das, was im Leben zusammenhängt, und das mit gleichem Rechte, weil ihr Schicksal, das Schicksal ihrer Familien an diesen Zusammenhang geknüpft ist und auch gerade dieses Zusammenhängende von ihnen gefordert wird.

Die Nacht entwaffnet erst den Menschen, dann / bekämpft sie ihn mit nichtigem Gebild.

Die Natur gibt sich nicht einem jeden. Sie erweist sich vielmehr gegen viele wie ein neckisches junges Mädchen, das uns durch tausend Reize anlockt, aber in dem Augenblick, wo wir es zu fassen und zu besitzen glauben, unseren Armen entschlüpft.

Die Natur wirkt nach Gesetzen, die sie in Eintracht mit dem Schöpfer vorschrieb, die Kunst nach Regeln, über die sie sich mit dem Genie einverstanden hat.

Die Natur – durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält sie für ein Leben voll Mühe schadlos.

Die Notwendigkeit ist der beste Ratgeber.

Die Notwendigkeit, immer unter Menschen zu sein, hat mir gut getan. Manche Rostflecken, die eine zu hartnäckige Einsamkeit über uns bringt, schleifen sich da am besten ab.

Die originalsten Autoren der neuesten Zeit sind es nicht deswegen, weil sie etwas Neues hervorbringen, sondern allein weil sie fähig sind, dergleichen Dinge zu sagen, als wenn sie vorher niemals wären gesagt gewesen.

Die Pflicht sei tätig, wo die Liebe verstummt.

Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, / Und jedermann erwartet sich ein Fest.

Die Poeten schreiben alle, als wären sie krank und die ganze Welt ein Lazarett. Alle sprechen sie von dem Leiden und dem Jammer der Erde und von den Freuden des Jenseits, und unzufrieden, wie schon alle sind, hetzt einer den anderen in noch größere Unzufriedenheit hinein. Das ist ein wahrer Mißbrauch der Poesie, die uns doch eigentlich dazu gegeben ist, um die kleinen Zwiste des Lebens auszugleichen.

Die Reime sind barbarischer Abkunft.

Die reinste Freude, die man an einer geliebten Person finden kann, ist die, zu sehen, dass sie andere erfreut.

Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite.

Die Religion, sagt man, sei nur ein prächtiger Teppich, hinter dem man jeden gefährlichen Anschlag nur desto leichter ausdenkt. Das Volk liegt auf den Knien, betet die heiligen gewirkten Zeichen an, und hinten lauscht der Vogelsteller, der sie berücken will.

Die rohe Menge hast du nie gekannt. / Sie starrt und staunt und zaudert, läßt geschehn, / und regt sie sich, so endet ohne Glück, / was ohne Plan zufällig sie begonnen.

Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding und die Freude an sich selbst.

Die römische Geschichte ist für uns eigentlich nicht mehr an der Zeit. Wir sind zu human geworden, als daß uns die Triumphe des Cäsar nicht widerstehen sollten. So auch die griechische Geschichte bietet wenig Erfreuliches. Wo sich dieses Volk gegen äußere Feinde wendet, ist es zwar groß und glänzend, allein die Zerstückelung der Staaten und der ewige Krieg im Innern, wo der eine Grieche die Waffen gegen den andern kehrt, ist auch desto unerträglicher.

Die Schicklichkeit umgibt mit einer Mauer / das zarte, leicht verletzliche Geschlecht. / Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie, / und wo die Frechheit herrscht, da sind sie nichts.

Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen, / Dass du ein Mensch mit Menschen bist.

Die Schmerzen sind's, die ich zu Hilfe rufe; / denn es sind Freunde, Gutes raten sie.

Die schwer zu lösende Aufgabe strebender Menschen ist, die Verdienste älterer Mitlebender anzuerkennen und sich von ihren Mängeln nicht hindern zu lassen.

Die Schwierigkeit bleibt immer, bei Jungen und Alten, daß derjenige, der sein eigner Herr sein will, sich auch selbst zu beherrschen wisse.

Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt.

Die Schönheit führt auf rechte Bahn.

Die Seele aber wird immer tiefer in sich selbst zurückgeführt, je mehr man die Menschen nach ihrer und nicht nach seiner Art behandelt. Man verhält sich zu ihnen wie der Musikus zum Instrument.

Die Seele musiziert, indem sie zeichnet, ein Stück von ihrem innersten Wesen heraus.

Die Sinne trügen nicht, das Urteil trügt.

Die sogenannte romantische Poesie zieht besonders unsere jungen Leute an, weil sie der Willkür, der Sinnlichkeit, dem Hange nach Ungebundenheit, kurz der Neigung der Jugend schmeichelt.

Die Sorge geziemt dem Alter, damit die Jugend eine zeitlang sorglos sein könne.

Die Sorge geziemt dem Alter, damit die Jugend eine Zeitlang sorglos sein könne.

Die Sorge, sie schleicht sich durchs Schlüsselloch ein.

Die Sprache bringt doch eine Art von Atmosphäre des Landes mit.

Die Sterne, die begehrt man nicht, / man freut sich ihrer Pracht, / und mit Entzücken blickt man auf / in jeder heitern Nacht.

Die stille Freude wollt ihr stören? / Laßt mich bei meinem Becher Wein! / Mit andern kann man sich belehren, / begeistert wird man nur allein.

Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, / ist eingeweiht. Nach hundert Jahren klingt / sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder.

Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.

Die Technik im Bündnis mit dem Abgeschmackten ist die fürchterlichste Feindin der Kunst.

Die Treue lob' ich gern, doch muß unserm Leben / bei voller Sicherheit die volle Ruhe geben.

Die Trilogie ist bei den Modernen überall selten. Es kommt darauf an, daß man einen Stoff finde, der sich naturgemäß in drei Partien behandeln lasse, so daß in der ersten eine Art Exposition, in der zweiten eine Art Katastrophe und in der dritten eine versöhnende Ausgleichung stattfinde.

Die Träne hat uns die Natur verliehen, / den Schrei des Schmerzes, wenn der Mann zuletzt / es nicht mehr trägt.

Die Tüchtigen, sie standen auf mit Kraft / und sagten: "Herr ist, der uns Ruhe schafft."

Die ungeheuerste Kultur, die der Mensch sich geben kann, ist die Überzeugung, daß die andern nicht nach ihm fragen.

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