Johann Wolfgang von Goethe

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Nicht nur Verdienst, auch Treue wahrt uns die Person.

Nicht so, nicht so, ihr Herrn! Wollt ihr einander zu Ehren / bringen, muß vor der Welt einer den andern verschrein.

Nicht umsonst bereitet durch manche Jahre die Mutter / viele Leinwand der Tochter von feinem und starkem Gewebe; / nicht umsonst verehren die Paten ihr Silbergeräte, / und der Vater sondert im Pulte das seltene Goldstück: / Denn sie soll dereinst mit ihren Gütern und Gaben / jenen Jüngling erfreun, der sie vor allen erwählt hat.

Nicht vor Irrtum zu bewahren ist die Pflicht des Menschenerziehers, sondern den Irrenden zu leiten, ja ihn seinen Irrtum aus vollen Bechern ausschlürfen zu lassen.

Nicht wahr, o Mutter, wen die Götter lieben, / den führen sie zur Stelle, wo man sein bedarf?

Nicht, was der Knecht sei, fragt der Herr, nur, wie er dient.

Nichts ist bedeutender in jedem Zustande als die Dazwischenkunft eines Dritten. Ich habe Freunde gesehen, Geschwister, Liebende, Gatten, deren Verhältnis durch den zufälligen oder gewählten Hinzutritt einer neuen Person ganz und gar verändert, deren Lage völlig umgekehrt wurde.

Nichts ist beständig! Manches Mißverhältnis / löst unbemerkt, indem die Tage rollen, / durch Stufenschritte sich in Harmonie.

Nichts ist dem Dilettantismus mehr entgegen als feste Grundsätze und strenge Anwendung derselben.

Nichts ist für das Wohl des Theaters gefährlicher, als wenn die Direktion so gestellt ist, daß eine größere oder geringere Einnahme der Kasse sie persönlich nicht weiter berührt.

Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will.

Nichts ist zarter als die Vergangenheit. / Rühre sie an wie ein glühend Eisen; / denn sie wird dir sogleich beweisen, / du lebest auch in heißer Zeit!

Nichts schrecklicher kann den Menschen geschehn, / Als das Absurde verkörpert zu sehn.

Nichts schärft das Auge des Menschen mehr, als wenn man ihn einschränkt. Darum sind die Frauen durchaus klüger als die Männer; und auf niemand sind Untergebene aufmerksamer, als auf den, der befiehlt, ohne zugleich durch sein Beispiel vorauszugehen.

Nichts taugt Ungeduld, / noch weniger Reue. / Jene vermehrt die Schuld, / diese schafft neue.

Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen / auf Tag und Nacht und Stunden angewiesen. / Sie bildet regelnd jegliche Gestalt, / und selbst im Großen ist es nicht Gewalt.

Niemals fehlt es Frauen an einer Träne bei ihren Schalkheiten, niemals an einer Entschuldigung ihres Unrechts.

Niemals gehe ich im Mondenlichte spazieren, niemals, daß mir nicht der Gedanke an meine Verstorbenen begegnete, daß nicht das Gefühl von Tod, von Zukunft über mich käme.

Niemand beichtet gern in Prosa.

Niemand dienet einem anderen aus freien Stücken; weiß er aber, daß er damit sich selber dient, so tut er es gern.

Niemand hat das Recht, einem geistreichen Manne vorzuschreiben, womit er sich beschäftigen soll.

Niemand sieht erbärmlich aus, der sich einiges Recht fühlt, fordern zu dürfen.

Niemand soll ins Kloster gehn, / als er sei denn wohl versehn / mit gehörigem Sündenvorrat, / damit es ihm so früh als spat / nicht mög am Vergnügen fehlen, / sich mit Reue durchzuquälen.

Niemand versteht zur rechten Zeit! / Wenn man zur rechten Zeit verstünde, / so wäre die Wahrheit nah und breit / und wäre lieblich und gelinde.

Niemand weiß, was er tut, wenn er recht handelt; aber des Unrechten sind wir uns immer bewußt.

Niemand weiß, wie lang er es hat, was er ruhig besitzet.

Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.

Nihil contra Deum, nisi Deus ipse. Ein herrliches Dictum von unendlicher Anwendung. Gott begegnet sich immer selbst, Gott im Menschen sich selbst wieder im Menschen: Daher keiner Ursache hat, sich gegen den Größten gering zu achten.

Nimmst du die Menschen für schlecht, du kannst dich verrechnen, o Weltmann. / Schwärmer, wie bist du getäuscht, nimmst du die Menschen für gut.

Nimmt man das Willkürliche aus dem Leben und Handeln und Verfahren hinweg, so hat man das Beste hinweggenommen.

Nirgend in der Welt mangelt es an teilnehmenden, beistimmenden Seelen, wenn nur einer auftritt, dessen Umstände ihm völlige Freiheit lassen, all seiner Entschlossenheit zu folgen.

Nirgends fühlt sich geschwinder das Veraltete und nicht unmittelbar Ansprechende als auf der Bühne.

Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann! / Die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.

Noch niemand konnt es fassen, / wie Seel und Leib so schön zusammenpassen, / so fest sich halten, als um nie zu scheiden, / und doch den Tag sich immerfort verleiden.

Nun aber Eos, unaufhaltsam strebt sie an, / sprungweise, mädchenartig, streut aus voller Hand / purpurne Blumen. Wie an jedem Wolkensaum / sich reich entfaltend sie blühen, wechseln, mannigfach! / So tritt sie lieblich hervor, erfreulich immerfort, / gewöhnet Erdgeborner schwaches Auge sanft, / daß nicht vor Helios Pfeil erblinde mein Geschlecht, / bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht!

Nun ging mir eine neue Welt auf. / Ich näherte mich den Gebirgen, / die sich nach und nach entwickelten.

Nun mache ich aber die Bemerkung, daß ich weder abends noch in der Nacht jemals gearbeitet habe, sondern bloß des Morgens, wo ich den Rahm des Tages abschöpfte, da denn die übrige Zeit zu Käse gerinnen mochte.

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?

Nun wurden wir abermals gewahr, dass man, anstatt sich der Weichlichkeit und phantastischen Vergnügungen hinzugeben, wohl eher Ursache habe, sich abzuhärten, um die unvermeidlichen Übel entweder zu ertragen oder ihnen entgegenzuwirken.

Nun wüßt ich nicht, was dir Besondres bliebe? / Mit bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!

Nun. ihr Musen, genug. Vergebens strebt ihr zu schildern, / wie sich Jammer und Glück wechseln in liebender Brust. / Heilen könnet ihr nicht die Wunden, die Amor geschlagen, / aber Linderung kommt einzig, ihr Guten, von euch.

Nur dann, wenn dir Gewalt geschieht, / wird die Menge an dir Anteil nehmen. / Ums Unrecht, das dir widerfährt, / kein Mensch den Blick zur Seite kehrt.

Nur das feurige Roß, das mutige, stürzt auf der Rennbahn. / Mit bedächtigem Paß schreitet der Esel daher.

Nur der Dichter allein weiß, welche Reize er seinem Gegenstande zu geben fähig ist. Man soll daher nie jemanden fragen, wenn man etwas schreiben will. Hätte Schiller mich vor seinem Wallenstein gefragt, ob er ihn schreiben solle, ich hätte ihm sicherlich abgeraten, denn ich hätte nie denken können, daß aus solchem Gegenstande überall ein so treffliches Theaterstück wäre zu machen gewesen.

Nur der Naturforscher ist verehrungswert, der uns das Fremdeste, Seltsamste, mit seiner Lokalität, mit aller Nachbarschaft, jedesmal in dem eigensten Elemente zu schildern und darzustellen weiß.

Nur der verdient die Gunst der Frauen, / der kräftigst sie zu schützen weiß.

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, / der täglich sie erobern muß.

Nur derjenige, der am empfindlichsten gewesen ist, kann der Kälteste und Härteste werden; denn er muß sich mit einem harten Panzer umgeben.

Nur die Handelsleute, besonders die Bankiers wissen, was wir wollen, und werden reich dadurch, wenn auch gleich manche durch falsche Spekulation zugrunde gehen.

Nur die Lumpe sind bescheiden, / Brave freuen sich der Tat.

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