Anzeige

Kurt Tucholsky

deutscher Schriftsteller (1890 - 1935)

42 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Finales gibt es ja doch nur in den Opern. Man steigt aus - und weiß nicht, daß es das letztemal gewesen sein soll. Denn dann kam vielleicht die Krankheit, die lange Bettlägerigkeit ...nie wieder ein Automobil. Zum letztenmal in seinem Leben Sauerkraut gegessen. Zum letztenmal telefoniert. Zum letztenmal geliebt. Zum letztenmal Goethe gelesen. Vielleicht lange Jahre vor dem Tode. Und man weiß es nicht.

  • Freundschaft - das ist wie Heimat.

  • Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.

  • Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

  • Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen.

  • Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.

  • Eine Parfümflasche ist zerbrochen, das gute Laken hat einen grünlichen Fleck; ein Geruch steigt auf, und jetzt erinnert sich die Nase. Die hat das beste Gedächtnis von allen! Sie bewahrt Tage auf und ganze Lebenszeiten. Personen, Strandbilder, Lieder, Verse, an die du nie mehr gedacht hast, sind auf einmal da.

  • Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze. / Klare Disposition im Kopf - möglichst wenig auf dem Papier. / Tatsachen oder Appell an das Gefühl. Schleuder oder Harfe. Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause. / Der Ton einer einzelnen Sprechstimme ermüdet. Sprich nie länger als vierzig Minuten. Suche keine Effekte zu erzielen, die nicht in deinem Wesen liegen. Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache - da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad.

  • Wer auf andere Leute wirken will, der muß erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden.

  • Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist.

  • Und wenn alles vorüber ist, wenn sich das alles totgelaufen hat, der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist die niedrigen Eigenschaften des Men schen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind: Dann wird es eines Tages wieder sehr modern...

  • Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.

  • Die verschiedenen Altersstufen der Menschen halten einander für verschiedene Rassen. Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.

  • Nähme man den Zeitungen den Fettdruck - um wieviel stiller wäre es auf dieser Welt!

  • Deutschland ist eine anatomische Merkwürdigkeit: Es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten.

  • Eine der unangenehmsten Peinlichkeiten in deutschen Gerichtssälen ist die Überheblichkeit der Vorsitzenden im Ton den Angeklagten gegenüber. Diese Sechser- Ironie, verübt an Wehrlosen, diese banalen Belehrungen, diese Flut von provozierenden, beleidigenden und höhnischen Trivialitäten ist unerträglich.

  • Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten.

  • Und durch Deutschland geht ein tiefer Riß. / Dafür gibt es keinen Kompromiß!

  • Man sollte gar nicht glauben, wie gut man (im Jahre 1932) auch ohne die Erfindungen des Jahres 2500 auskommen kann.

  • Die Deutschen haben zwar nicht das Pulver erfunden, wohl aber die Philosophie des Pulvers.

  • Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

  • Der Weise, der einmal begriffen hat, fragt nicht mehr. Warum? Er betrachtet nur noch das Wie.

  • Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut.

  • Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

  • Es gibt nur eine Sorte Pazifismus: Den, der den Krieg mit allen Mitteln bekämpft. Ich sage: Mit allen, wobei also die ungesetzlichen eingeschlossen sind... Da lesen wir in der demokratischen Presse etwas von der "Gefährdung des Wehrgedankens". Aber wir wollen ihn so gefährden, daß ihm die Luft ausgeht.

  • Wenn der Mensch fühlt, dass er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet auf die sauren Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr.

  • Ein Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.

  • Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.

  • Gott erhalte uns die Freundschaft. Man möchte beinah glauben, man sei nicht allein.

  • Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.

  • Missionare müssen indianisch lernen - mit lateinisch bekehrt man keine Indianer.

  • Nur der Unbegabte stiehlt, der Kluge macht Geldgeschäfte.

  • Aber wenn wir nicht mehr wollen: dann gibt es nie wieder Krieg!

  • Komische Junge sind viel seltener als komische Alte.

  • Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn's ihm gut geht, und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

  • Die Gleichgültigkeit so vieler Menschen beruht auf ihrem Mangel an Phantasie.

  • Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.

  • Eine dauernde Bindung zu einer Frau ist nur möglich, wenn man im Theater über dasselbe lacht. Wenn man gemeinsam schweigen kann. Wenn man gemeinsam trauert. Sonst geht es schief.

  • Liebe ist, wenn sie dir die Krümel aus dem Bett macht.

  • Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben.

  • Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille.

  • Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.

Anzeige