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Luc de Clapiers Vauvenargues

französischer Philosoph und Schriftsteller (1715 - 1747)

208 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Der Neid kann sich nicht verbergen. Er klagt an und verurteilt, ohne Beweise zu haben; er übertreibt die Fehler; er hat maßlose Namen für die geringsten Irrtümer, und seine Sprache ist voll Bitterkeit, Übertreibung und Mißgunst. Mit unerbittlichem Haß und rasender Wut stürzt er sich auf jedes wirkliche Verdienst; er ist blind, jähzornig, gefühllos, brutal.

  • Allzu großes Mißtrauen ist ebenso schädlich wie allzu großes Vertrauen. Wer das Risiko, hintergangen zu werden, nicht auf sich nehmen will, wird es im Leben nicht allzu weit bringen.

  • Die Gaben der Natur und des Glücks sind nicht so selten wie die Kunst, sie zu genießen.

  • Die Kinder schlagen Fenster ein, wenn ihre Lehrer nicht zugegen sind; die Soldaten legen Feuer an das Lager, das sie verlassen, allen Befehlen des Feldherrn zum Trotz; ohne Hemmung zerstampfen sie das hoffnungsvollste Ährenfeld und reißen stolze Bauwerke nieder. Was zwingt sie, überall tiefe Spuren der Barbarei zu hinterlassen? Ist es allein die Lust am Zerstören? Oder sollten die schwachen Seelen in der Zerstörung sich zu Kühnheit und Kraft erheben wollen?

  • Der Verstand weiß nicht, was das Herz braucht.

  • Geduld ist die Kunst zu hoffen.

  • Betrachtet man die außerordentliche Schwäche der Menschen, den Zwiespalt zwischen ihrem Schicksal und ihrem Temperament, ihr Unglück, das immer größer ist als ihre Schuld, ihre Tugenden, die nie ihren Pflichten gewachsen sind, so muß man meinen, daß auf Erden nichts gerecht ist als das Gesetz der Menschlichkeit und die Stimmung der Nachsicht.

  • Wer auf einem Ball die Masken beobachtet hat, wie sie verliebt miteinander tanzen, einander an den Händen halten und sich im nächsten Augenblick ohne das geringste Bedauern auf Nimmerwiedersehen trennen, der kann sich eine Vorstellung vom Wesen der Welt machen.

  • Nur wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören.

  • Les grandes pensées viennent du coeur. Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen.

  • Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.

  • Wer Großes vollbringen will, muß leben, als ob er niemals sterben würde.

  • Großherzigkeit ist der Klugheit keine Rechenschaft über ihre Motive schuldig.

  • Man muß in den Menschen das Gefühl ihrer Klugheit und Kraft steigern, wenn man ihren Geist erhöhen will. Alle die in ihren Reden und Schriften nur bestrebt sind, rücksichtslos und ohne Unterschied die Lächerlichkeiten und Schwächen der Menschheit aufzudecken, erleuchten viel weniger die Vernunft und Urteilskraft des Publikums, als sie seine Neigungen verderben.

  • Die höchste Vollkommenheit der Seele ist ihre Fähigkeit zur Freude.

  • Lächerlich erscheint der Mensch, der seinen Charakter und seine Kräfte überschreitet.

  • Die Ungleichheit der Stände ist aus der Ungleichheit der Begabungen und des Mutes entstanden.

  • Die gute Küche ist das innigste Band der guten Gesellschaft.

  • Menschlichkeit ist die höchste Tugend.

  • Alle Lächerlichkeiten der Menschen charakterisieren nur eine schlechte Eigenschaft, nämlich die Eitelkeit.

  • Die Kunst zu gefallen ist die Kunst zu betrügen.

  • Der Handel ist die Schule des Betrugs.

  • Eine gute Tafel stillt allen Groll des Spiels und der Liebe; sie versöhnt alle Menschen, bevor sie zu Bette gehen.

  • Ein reger Geist sieht die Dinge immer wieder aus einem anderen Blickwinkel, so daß er dieselbe Meinung bald vertritt, bald verwirft.

  • Es ist gut, aus Anlage unbeugsam und aus Überlegung nachgiebig zu sein.

  • Es ist ein merkwürdiges Schauspiel, ansehen zu müssen, wie die Menschen im geheimen nachgrübeln, auf welche Weise sie sich gegenseitig schaden können und sich doch gegen alle Neigung und Absicht einander helfen müssen.

  • Die hassenswerteste, aber allgemeinste und älteste Undankbarkeit ist die der Kinder gegen ihre Väter.

  • Der Mut hat mehr Mittel gegen das Unglück als die Vernunft.

  • Nur den starken und tiefen Seelen steht es zu, die Wahrheit zum Hauptgegenstand ihrer Leidenschaften zu machen.

  • Auch die reizvollste Unterhaltung langweilt den Menschen, der in eine Leidenschaft verstrickt ist.

  • Man darf den Leser nicht voraussehen lassen, was man ihm sagen will, aber man muß ihn dazu bringen, den Gedanken selbst zu finden; denn dann achtet er uns, weil wir denken wie er, aber später als er.

  • Das Genie kann man nicht nachahmen.

  • Es ist der Mittelmäßigkeit nicht gegeben, höchstes Glück und tiefstes Unglück zu empfinden.

  • Was die Menschen voneinander unterscheidet, ist eine Kleinigkeit. Was macht die Schönheit, die Häßlichkeit, die Gesundheit, die Krankheit, den Geist oder die Dummheit? Ein kleiner Unterschied der Organe, ein wenig mehr oder ein wenig weniger Galle.

  • Der Mensch will beschäftigt sein: Wer wenig denkt, muß viel sprechen.

  • Es ist leicht, ein Werk zu kritisieren. Aber es ist schwer, es zu würdigen.

  • Mäßigkeit bei Schwachen ist Mittelmäßigkeit.

  • Die Mehrzahl der großen Männer hat den größten Teil ihres Lebens mit anderen Menschen zugebracht, welche sie nicht begriffen, nicht liebten und sie nur mäßig schätzten.

  • Heiterkeit ist die Mutter der glücklichen Einfälle.

  • Das Geheimnis der kleinsten natürlichen Freude geht über die Vernunft hinaus.

  • Zu Unrecht sehen wir in der Verbindung von guten und bösen Zügen etwas Ungeheuerliches und rätselhaftes. Nur infolge unseres Mangels an Scharfsinn können wir Widersprüche nicht verbinden.

  • Nur der kann wahrhaft glücklich sein, den das Schicksal auf den richtigen Platz gestellt hat.

  • Gleichheit ist kein Naturgesetz. Das oberste Gesetz der Natur ist Unterordnung und Abhängigkeit.

  • Die Redlichkeit, die mittelmäßige Geister hindert, ans Ziel zu kommen, ist ein Mittel mehr zum Erfolg der Geschickten.

  • Niemand glaubt sich geeigneter, einen Menschen von Geist zu hintergehen, als ein Dummkopf.

  • Wer auf andere nicht mehr angewiesen zu sein glaubt, wird unerträglich.

  • Wir verachten vieles, um uns nicht selbst verachten zu müssen.

  • Eitle Leute können nicht schlau sein, weil sie nicht die Kraft haben, zu schweigen.

  • Beobachtet man die Art, in der man in den Spitälern mit den Kranken umgeht, so möchte man glauben, die Menschen hätten diese traurigen Zufluchtsstätten nicht erfunden zum Wohl des Kranken, sondern um den Glücklichen den Anblick zu ersparen, der sie in ihrem Vergnügen stören könnte.

  • Alle Menschen werden aufrichtig geboren und sterben als Betrüger.

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