Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, / schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.
Von der Stirne heiß, / Rinnen muß der Schweiß, / Soll das Werk den Meister loben;
Von des Lebens Gütern allen / ist der Ruhm das höchste doch. / Wenn der Leib in Staub zerfallen, / lebt der große Name noch.
Vor dem Glauben gilt keine Stimme der Natur.
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, / vor dem freien Menschen erzittert nicht!
Vor dem Tod erschrickst du? Du wünschest, unsterblich zu leben? / Leb' im Ganzen! Wenn du lange dahin bist, es bleibt.
Vor Unwürdigem kann dich der Wille, der ernste, bewahren, / alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab. / Wie die Geliebte die liebt, so kommen die himmlischen Gaben. / Oben in Jupiters Reich herrscht wie in Amors die Gunst.
Wage du, zu irren und zu träumen! / Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
Wagt doch / der Kaufmann um geringe Güter Schiff / und Mannschaft an ein wildes Element; / es jagt der Held dem Schattenbild des Ruhms / durchs blut'ge Feld des Todes nach. und nur / die Schönheit wär gefahrlos zu erwerben, / die aller Güter erstes, höchstes ist?
Wahres Unglück bringt der falsche Wahn.
Wahrheit liebt Einfalt. Die gerechte Sache / hat künstlich schlauer Wendung nicht vonnöten.
Wahrheit suchen wir beide, du außen im Leben, ich innen / in dem Herzen, und so findet sie jeder gewiß. / Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer, / ist es das Herz, dann gewiß spiegelt es innen die Welt.
Wanderer, kommst Du nach Sparta, verkündige dorten, Du habest / uns hier liegen geseh'n, wie das Gesetz es befahl.
Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen? / Spricht die Seele, so spricht, ach!, schon die Seele nicht mehr.
Warum nicht einem leeren, hohlen Hut? / Bückst du dich doch vor manchem hohlen Schädel.
Warum soll ich mich verändern, wenn ich mich wohlbefinde?
Warum will sich Geschmack und Genie so selten vereinen? / Jener fürchtet die Kraft, dieses verachtet den Zaum.
Was auch draus werde - steh zu deinen Volk! / Es ist dein angeborner Platz.
Was das entsetzlichste sei von allen entsetzlichen Dingen? / Ein Pedant, den es jückt, locker und lose zu sein.
Was den Vortrefflichen gefällt, ist gut. Was allen ohne Unterschied gefällt, ist es noch mehr.
Was die Ameise Vernunft mühsam zu Haufen schleppt, jagt in einem Hui der Wind des Zufalls zusammen.
Was fang' ich mit Leuten an. deren Seelen so gleich als ihre Sackuhren gehen? Kann ich eine Freude daran finden, sie was zu fragen, wenn ich voraus weiß, was sie mir antworten werden? Oder Worte mit ihnen wechseln, wenn sie das Herz nicht haben, andrer Meinung als ich zu sein?
Was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit!
Was heißt du ehrlich? Reichen Filzen ein Dritteil ihrer Sorgen vom Hals schaffen, die ihnen nur den goldnen Schlaf verscheuchen, das stockende Geld in Umlauf bringen, das Gleichgewicht der Güter wieder herstellen, mit einem Wort, das goldne Alter wieder zurückrufen, dem lieben Gott von manchem lästigen Kostgänger helfen, ihm Krieg, Pestilenz, teure Zeit und Dokters ersparen - siehst du, das heiß' ich ehrlich sein, das heiß' ich ein würdiges Werkzeug in der Hand der Vorsehung abgeben.
Was heißt ein Seher? Der auf gutes Glück / für eine Wahrheit zehen Lügen sagt. / Gerät es, gut. Wo nicht, ihm geht es hin.
Was Hände bauten, / können Hände stürzen.
Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht; aber mir grauet, / seh ich, was ohne dich Hundert' und Tausende sind.
Was ist das Leben ohne Liebesglanz?
Was ist der eitle Ruhm, wenn Liebe spricht? / Gesteht es, eure Stunde ist gekommen! / Weg mit dem Stolze! Weicht der stärkeren / Gewalt.
Was ist der Liebe Ehre? Was der Himmel ohne sie?
Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. / Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen. / Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat? / Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? / Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt, / um Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen. / Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. / Der Staat muß untergehn, früh oder spät, / wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
Was ist Leben? / Ein Schatten, der vorüberstreicht! Ein armer Gaukler, / der seine Stunde lang sich auf der Bühne / zerquält und tobt; dann hört man ihn nicht mehr.
Was ist ohne Liebe Ehre?
Was ist vergeßlicher als Dankbarkeit?
Was ist Zufall anders als der rohe Stein, / der Leben annimmt unter Bildners Hand? / Den Zufall gibt die Vorsehung - zum Zwecke / muß ihn der Mensch gestalten.
Was kannst Du dafür, wenn Deine Pestilenz, Deine Teuerung, Deine Wasserfluten den Gerechten mit dem Bösewicht auffressen? Wer kann der Flamme befehlen, daß sie nicht auch durch die gesegneten Saaten wüte, wenn sie das Genist der Hornissel zerstören soll?
Was man von der Minute ausgeschlagen, / gibt keine Ewigkeit zurück.
Was nicht zusammen kann / bestehen, tut am besten, sich zu lösen.
Was sich nie und nirgends hat begeben, / Das allein veraltet nie!
Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe, / die der Mensch, der vergängliche baut?
Was sollen deine Götter, / des kranken Weltplans schlau erdachte Retter, / die Menschenwitz des Menschen Notdurft leiht?
Was unsterblich im Gesang soll leben, / muß im Leben untergehn.
Was verschlägt es denn Ihm, ob Er die Karolin frisch aus der Münze oder vom Bankier bekommt? Tröst' Er sich mit dem hiesigen Adel: Wissentlich oder nicht - bei uns wird selten eine Mariage geschlossen. wo nicht wenigstens ein halb Dutzend der Gäste - oder der Aufwärter - das Paradies des Bräutigams geometrisch ermessen kann.
Was weiht den Priester ein zum Mund des Herrn? / Das reine Herz, der unbefleckte Wandel.
Was wir als Schönheit hier empfunden, / wird einst als Wahrheit uns entgegengehn. / Als der Erschaffende von seinem Angesichte / den Menschen in die Sterblichkeit verwies / und eine späte Wiederkehr zum Lichte / auf schwerem Sinnenpfad ihn finden hieß, / als alle Himmlischen ihr Antlitz von ihm wandten, / schloß sie, die Menschliche, allein / mit dem Verlassenen, Verbannten / großmütig in die Sterblichkeit sich ein. / Hier schwebt sie mit gesenktem Fluge / um ihren Liebling, nah am Sinnenland, / und malt mit lieblichem Betruge / Elysium auf seine Kerkerwand.
Weh dem Manne, / den weibliches Erröten mutig macht!
Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld: / Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.
Weh denen, die dem Ewigblinden / Des Lichtes Himmelsfackel leihn! / Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden / Und äschert Städt' und Länder ein.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wehe / dem armen Opfer, wenn derselbe Mund, / der das Gesetz gab, auch das Urteil spricht!