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Karl Julius Weber

deutscher Schriftsteller, Hofrat und Privatgelehrter (1767 - 1832)

127 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Die gemeine Geduld ist meist Gefühllosigkeit, Trägheit und Feigheit. Nur diejenige Geduld, die dem Druck der Umstände klug entgegenwirkt und die Zeit abwartet, wenn Mut und Stärke jetzt nicht zum Ziele führen, ist allein Tugend.

  • Allzu große Zartheit der Gefühle ist ein wahres Unglück.

  • In der Kindheit beschränkt sich unsere Liebe auf Eltern, Geschwister und Schulkameraden, in der Jugend aufs Geschlecht. Im mittleren Alter lieben wir Vaterland, Ehren, Studien, im Alter die Menschheit.

  • Der Sanguiniker ist der genießende, der Choleriker der tätige, der Melancholiker der sehnsüchtige und der Phlegmatiker der leidende Mensch.

  • Das Studieren ist für mich das hauptsächlichste Mittel gegen Lebensüberdruß gewesen; denn nie habe ich Kummer gehabt, den eine Stunde, mit Lesen zugebracht, nicht verscheucht hätte.

  • Fröhliche Menschen sind nicht bloß glückliche, sondern in der Regel auch gute Menschen.

  • Es gibt Menschen, die sich in Ränken gefallen, ohne gerade einen gewissen Zweck erreichen zu wollen: Weil sie darin eine gewisse Geistesüberlegenheit erblicken.

  • Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal wenigstens gelesen zu werden, ist auch nicht wert, daß man es einmal liest.

  • Zum Erzieher muß man eigentlich geboren sein wie zum Künstler.

  • Ackerbau und Viehzucht sind die zwei Brüste, die den Staat sicherer säugen als die Gold- und Silberminen Perus.

  • Wachsamkeit ist die Tugend des Lasters.

  • Die wahre, mühsam erworbene Apathie ist ein echter Herkules, der sich auf dem Berge Öta verbrennt, um sich aller Schlacken zu entledigen und Göttern gleich zu werden.

  • Der Geldsack bleibt dennoch, selbst im verjüngten Maßstabe, das Gewicht an der Weltenuhr, an der das Frauenzimmer nur die Unruhe ist.

  • Die Eitelkeit ist der Stolz des Schwachen.

  • Genies gehen ihren eigenen Gang wie Ziegen. Daher nennt sie auch der Italiener capricciosi (Sonderlinge, eigentlich Sprüngemacher, von capra = Ziege). Sie klettern über Höhen und Abgründe leicht hinweg, während Schafe ruhig dem Leithammel folgen.

  • Der Orient ist das Vaterland der heißesten Leidenschaften und Schwärmereien und daher auch das Vaterland unserer Religionen, Wissenschaften, Künste und Erfindungen.

  • Besteht nicht die Hälfte der Kinderzucht darin, das wieder abzulehren, was die Kinder von Erwachsenen sehen und lernen?

  • Orpheus' Leier hat mehr getan als Herkules, Keule. Sie machte Unmenschen zu Menschen, und daher steht sie auch unter den Sternen.

  • Männer von großem Geist sind selten große Lacher und mehr zur Melancholie geneigt, wie schon Aristoteles wußte.

  • Seelenstärke ohne Seelengröße bildet die bösartigen Charaktere.

  • Alles geschieht doch mehr zu rechter Zeit, am rechten Ort und mit dem nötigen Nachdruck, wenn wir frühzeitig an ein bißchen Pedanterie gewöhnt werden.

  • Von oben herab muß reformiert werden, wenn nicht von unten herauf revolutioniert werden soll.

  • Es gibt nichts Demütigenderes für den Menschenstolz als die Tatsache, daß nichts so Unsinniges und Lächerliches erträumt werden kann, das nicht irgendwo und zu irgendeiner Zeit für wahr, ernst, groß, edel, ehrwürdig und heilig gehalten worden wäre.

  • Unmenschen gibt es, aber keine Untiere.

  • Ist es nicht lächerlich, unsere Schulen noch heute Gymnasien zu nennen, wo sich Knaben eher krumm sitzen und blaß und bleich lernen, während der Körper vergessen und Verkrüppelt wird? Selbst das Wort Schule, das von griechisch scholé (Rast, Ruhe, Muße) herkommt, kann als Widerspruch angesehen werden.

  • Gott ist in den Schwachen mächtig.

  • Romane und andere Lesereien haben schon manches gute Mädchen zur Schwärmerin und endlich zur alten Jungfer gemacht, wie jene Lebenspoesie manchen Jüngling zum Misanthropen, wenn die Übermacht der Wirklichkeit ihn aus seinen höheren Regionen herabstürzte, wo ein prosaischer Mensch aufrechtgeblieben wäre. Phantasie wirkt Schwindel.

  • Der Geiz ist die kälteste aller Leidenschaften. Wenn die anderen mit den Jahren abnehmen, nimmt diese zu; daher sie auch wohl die verächtlichste und lächerlichste unter allen ist.

  • Komisch ist, daß man das Gefühl für das Gerechte, Gute und Schöne mit dem Wort Geschmack, dem tierischsten aller Sinne, bezeichnet hat, das in die Küche gehörte, so komisch, als daß weite deutsche Länder die Blumen nicht riechen, sondern schmecken. Indessen trieben die Römer diesen Tropus noch weiter und leiteten von sapor (Geschmack) selbst sapientia (Weisheit) ab.

  • Der Scherz darf nicht kränken oder beleidigen. Boshafter Scherz ist ein Widerspruch.

  • Religion ist ein Prisma, von dessen sieben Farben sich jeder seine Lieblingsfarbe wählen mag. Alle aber rühren nur von einem Sonnenstrahl.

  • Man muß ein Kind manchmal schreien lassen, ohne darauf zu hören, sonst wird sein Geschrei, das anfangs Bitte war, Befehl, und es entstehen daraus die grands enfants, petits hommes.

  • Die Meinung, daß etwas ein Übel sei, verursacht oft weit schlimmere Empfindungen als das Übel selbst. Mancher hat schon eine schmerzhafte Operation ertragen, ohne zu erbleichen und zu jammern, während die Umstehenden zitterten, erblaßten, schwitzten und in Ohnmacht fielen.

  • Der herrschende Ton ist immer der gute Ton, wenn es auch nicht der rechte ist.

  • Reisen sind das beste Mittel zur Selbstbildung.

  • Der große Haufen bekümmert sich wenig um Moral: Der Glaube ist ihm bequemer.

  • Charakter ist in der moralischen Welt, was in der physischen das Knochengebäude.

  • Bücher sind immer noch die wohlfeilsten Lehr- und Freudenmeister und der wahre Beistand hienieden für Millionen besserer Menschen.

  • Bescheidenheit, die liebenswürdigste Tochter der Selbstkenntnis und durchaus verschieden von der Kuttentugend Demut, haschet nicht nach Auszeichnungen, drängt sich nicht zu, und werden sie ihr, so nimmt sie solche mit Dank an, ohne sich zu erheben.

  • Erfinder sind die wahren Wohltäter der Menschheit und verdienen größere Ehre als die, welche beweinenswerte Schlachten lieferten und große Länder eroberten.

  • Das Lügen ist ein eigener Kitzel der Eigenliebe, die da glaubt, daß Wahrheit den Verstand weniger ehre als Lügen eigener Erfindung.

  • Die Liebe gleicht dem Schatten des Morgens, der immer kleiner wird. echte Freundschaft, im Geiste der Alten, dem Schatten des Abends. der wächst, bis die Sonne des Lebens hinabsinkt.

  • An der lieben Dorfjugend kann man sogleich erkennen, ob das Dorf einen guten oder schlechten Schullehrer hat.

  • In der Jugend sind wir in der Regel sanguinisch, in späteren Jahren cholerisch, nach der Ernte der Erfahrungen mehr oder weniger melancholisch und im hohen Alter stumpf wie das Phlegma.

  • Gott braucht weder Weihrauch noch Myrrhen, weder Kerzen noch Gebet, Gesang und Musik, weder Messen noch Predigten noch Tempel, und daher bleibt das Wort Gottesdienst ein dummes Wort.

  • Die schönste Rede, die man unseren Zeiten halten kann, wäre: Über die Kunst, zu Hause zu bleiben.

  • Größe zerstörend oder heilsam, zieht stets an.

  • Der einzige Trost ist, daß Lügen vielen Menschen Brot geben und niemand gezwungen ist, sie zu glauben.

  • Da Geld oft noch das einzige Mittel ist, sich Respekt zu verschaffen, vorzüglich im Alter, so ist einige Liebe zum Geld höchst verzeihlich.

  • Das Leben wird gegen Abend, wie die Träume gegen Morgen, immer klarer.

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