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Wilhelm Raabe

deutscher Schriftsteller (1831 - 1910)

90 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • "Es kommt, wie es kommen muß", ist die Ausrede aller Faulpelze.

  • Ich bin in meiner Jugend mit alten Leuten umgegangen und gehe in meinem Alter mit jungen um. Das ist die Weise, wie der Mensch möglichst behaglich durch die Welt kommen mag.

  • Die interessantesten Zeiten des Menschendaseins sind nicht die, in welchen man sich der Illusion hingibt, sein Leben selbst führen zu können, nach links oder rechts abzuweichen, zu beharren oder aufzugeben, sondern die, in denen man den Flügelschlag des Schicksals deutlich über seinem Kopfe rauschen hört.

  • Sieh nach den Sternen, hab acht auf die Gassen.

  • Es gibt Dinge, Verhältnisse, Zustände und Berufsarten, gegen die der Mensch sich mit Händen und Füßen wehrt, wenn er hineingerät, und die er nachher ganz und gar für sich zugeschnitten findet, wenn er endlich drinsteckt.

  • So schönes Wetter - und ich noch dabei!

  • Wir bleiben immer Kinder, und, so klug wir auch werden mögen, wir behalten uns immer die Lust, mit scharfen Messern und spitzen Scheren zu spielen.

  • Die Klugen haben wahrhaftig lange nicht soviel Beweglichkeit in die Welt gebracht und soviel Glückliche drin gemacht wie die Einfältigen.

  • "Es kommt immer ganz anders!" Das ist ein wahres Wort und im Grunde zugleich auch der beste Trost.

  • Langsam, Schritt für Schritt die Treppe weiter hinauf! Wahrlich, die Welt bietet nicht solch ein Übermaß von Genüssen, daß man sie in Sprüngen überfliegen dürfte. Und ist nicht jede Stufe, die man augenblicklich aufwärtssteigend betritt, ein Glück? Und ist nicht der Treppenabsatz, auf dem man einen Moment stillhält, und sich nochmals faßt, eine Seligkeit?

  • Wir sind doch thörichte Menschen! Wie oft durchkreuzt die Furcht vor dem Lächerlichwerden unsere innigsten, zartesten Gefühle! Man schämt sich der Thräne und - spottet; man schämt sich des fröhlichen Lachens und - schneidet ein langweiliges Gesicht.

  • Alles Glücklichsein ist das eines Kindes im Theater. Das Alter weiß, wie die Dekoration von hinten aussieht und der Schauspieler zu Hause. Freilich bleiben die meisten bis zu ihrem Tode große Kinder.

  • Erkenntnis macht frei, Bildung fesselt, Halbbildung stürzt in Sklaverei.

  • Man muß in den Dreck hineingeschlagen haben, um zu wissen, wie weit er spritzt.

  • Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.

  • Das schönste Gefühl auf dieser Erde: Nicht mehr nötig zu sein. Nicht mehr gebraucht zu werden.

  • Wenn man auch allen Sonnenschein wegstreicht, so gibt es doch noch den Mond und die hübschen Sterne und die Lampe am Winterabend. Es ist soviel schönes Licht in der Welt.

  • Gott ist nicht wählerisch in seinen Boten und Werkzeugen, und die irren sich, die da meinen, daß er die Welt mit spitzen Fingern anfasse und das Nämliche von ihnen verlange.

  • Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und läßt sich nicht ausreden.

  • Des Menschen Herz kann am glücklichsten sein, wenn es sich so recht sehnt.

  • Was ist so ein unbedeutendes Gemetzel wie bei Cannä, Leipzig oder Sedan gegen die fort und fort um den Erdball tosende Schlacht des Daseins?

  • Bedenke, daß der erste Grundsatz aller Lebensweisheit und Ökonomie ist, jede gute Stunde an einem luftigen und trockenen Orte vorsorglich sicherzustellen, auf daß man sie habe und sie sofort vom Brett herunternehmen könne, wenn einmal die Zeiten teuer und die frischen Gemüse rar werden sollten.

  • Wir sollen die Liebe, welche wir den Toten mit ins Grab geben, nicht den Lebenden entziehen.

  • Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strome des Lebens.

  • Der Herr läßt Gras wachsen auf den hohen Bergen. Aber als lieber Gott hat er seinen schönen Blumen den Aufenthalt doch mehr im Tal angewiesen.

  • Wer aus armen, niedern Häusern kommt, dem darf man es nicht vorwerfen, wenn er die erste Strecke seines Weges nur scheu und zögernd zurücklegt, wenn ihn Nichtigkeiten blenden, wenn ihn falsche Trugbilder verwirren, wenn ihn Irrlichter verlocken.

  • Diejenigen, welche mit heiterem Lächeln den uralten bitteren Kampf führen, können in der rechten Stunde und zumal in der Stunde des Sieges ernst genug sein. Sie vor allen anderen Erdenbürgern werden am wenigsten es wagen, des Lebens rätselhafte Tiefen durch leichtsinnigen Scherz zu überbrücken.

  • Das Mißbehagen der Menschen steigt verhältnismäßig. Ein Glücklicher wird grade so arg durch eine kleine Unbequemlichkeit gequält wie ein Unglücklicher durch großes Malheur.

  • Goethe ist der deutschen Nation gar nicht der Dichterei usw. wegen gegeben, sondern daß sie aus seinem Leben einen ganzen vollen Menschen von Anfang bis zum Ende kennenlerne. Keinem anderen Volk ist je ein solches Geschenk von den Himmlischen gemacht worden.

  • Wenn die Frau die Tür schlägt und der Mann sie sacht schließt, gibt es, wenn nicht eine Musterehe, so doch eine erträgliche. Schlagen sie beide die Tür, so ist das freilich schon so etwas wie die "Hölle auf Erden". Schlägt der Mann sie und die Frau schließt sie sacht, dann ist's manchmal der Himmel, aber manchmal auch die Langeweile auf Erden.

  • Die meisten Menschen sind Münzen, nur wenige sind Prägestöcke.

  • Man muß sich bei jedem Erdentummel, in den man persönlich mit verwickelt wird, nur immer sofort deutlich machen, wie das nur ein Augenblicksbild ist.

  • Das, was man "Laxe Moral" nennt, ist dann und wann nur eine behagliche, gutmütige Teilnahme an der Komödie auf der Bühne der Menschheit.

  • Das Genie macht die Fußstapfen. Das nachfolgende Talent tritt in dieselben hinein, tritt sie aber schief.

  • Auf leisten Sohlen wandeln die Schönheit, das wahre Glück und das echte Heldentum.

  • Eine französische vornehme Dame sagte einmal: "Wer geniert sich vor seinem Kammerdiener! " Das ist das Kennzeichen eines Genies, sich nicht vor der ganzen Nation zu genieren.

  • Wie viele treue und besorgte Blicke aus lieben Augen gehen einem verloren, während man auf das Zwinkern, das Schielen und Blinzeln der Welt rundum nur zu genau achtet!

  • Im Augenblick, wo der echte Künstler schafft, hat er weder Weib noch Kind und am allerwenigsten Freunde.

  • Ruhm ist, mitgedacht zu werden, wenn an ein ganzes Volk gedacht wird.

  • Wenn dieses Sündflutgewässer verdammter Literatur sich senkt, dann wird sich abheben eine Insel mit schroffen, schwer zugängigen Landungsstellen, zornig und drohend anzusehen; aber im Innern voll von Blumen und Palmen, süßen Stimmen.

  • Ich halte das Lachen für eine der ernsthaftesten Angelegenheiten.

  • Die wirklichen großen Herren in der Welt knöpfen erst im Tode ihren Oberrock auf, um ihren Stern zu zeigen.

  • Was mich am meisten auf meinem Wege gehindert hat, das ist die unglückselige Gabe, bei jedem, was mich betrifft und woran aber auch andere beteiligt sind, mich in die Seele und die Zustände dieser anderen zu versetzen.

  • Da sprach in der Karawanserei zu Bagdad der Erzähler zu den Kaufleuten, Kalendern und Kriegern, zu allem übrigen Volk im Kreise ,Ja, siehe, wir gehören auch zu den vornehmen Herren der Erde; denn wie Könige bringen wir die Menschen zum Weinen und zum Lachen".

  • Man muß den Leuten nur ein bißchen verrückt vorkommen, dann kommt man schon weiter.

  • Wer Unheil ausbrütet, wird es auch fliegen lassen.

  • Es ist am Ende doch nur der Ernst in den Büchern, welcher sie erhält.

  • "Himmel" leitet die deutsche Sprache von dem alten Wort "Heime", "Heimat" ab.

  • Das Beste gehört nicht uns zu, und wir wissen nicht, von wem wir's haben. Was sind wir allesamt anderes als Boten, die versiegelte Gaben zu unbekannten Leuten tragen?

  • Wenn längere Zeit nach dem Tode eines geliebten Wesens einen der alte Schmerz überkommt, so überlege man, was der Tote versäumt habe, während man selbst und die andern weiterlebten.

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