Niemand weiß, welche Nachricht von Bedeutung ist, bevor hundert Jahre vergangen sind.
Nur wer Geist hat, sollte Besitz haben: sonst ist der Besitz gemeingefährlich.
Nur wer weiß, wohin er fährt, weiß auch, welcher Wind gut ist.
Oh, ihr empfindsamen Heuchler, ihr Lüsternen! Euch fehlt die Unschuld in der Begierde: Und nun verleumdet ihr darum das Begehren!
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
Phlegmatische Naturen sind nur so zu begeistern, dass man sie fanatisiert.
Reife des Mannes: Das heißt, den Ernst wiedergefunden zu haben, den man als Kind hatte, beim Spiel.
Schreibe mit Blut, und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist!
Seid spröde im Annehmen! Zeichnet aus damit, daß ihr annehmt!
Seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack.
Sich mitten unter die Feinde werfen, kann das Merkmal der Feigheit sein.
Sie sind kalt, diese Gelehrten! / Daß ein Blitz in ihre Speisen schlüge / und ihre Mäuler lernten Feuer fressen!
So sprach mir ein Weib: "Wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe mich!"
So steigt der Mensch auf gefährlichen Wegen in die höchsten Gebirge, um über seine Ängstlichkeit und seine schlotternden Knie Hohn zu lachen.
Stil und Geist von Briefen sind immer das eigentliche Zeichen der Zeit.
Tiefdenkende Menschen kommen sich im Verkehr mit anderen als Komödianten vor, weil sie sich da, um verstanden zu werden. immer erst eine Oberfläche anheucheln müssen.
Tut Dir ein Freund Übles, so sprich: "Ich vergebe Dir, was Du mir tatest. Daß Du es aber Dir tatest, wie könnte ich das vergeben!"
Um die unangenehmsten Folgen der eigenen Torheit wirklich seiner Torheit und nicht seinem Charakter zu Last zu legen, dazu gehört mehr Charakter, als die meisten haben.
Unbeliebten Personen rechnen wir die Artigkeiten, welche sie uns erweisen, zum Vergehen an.
Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter.
Und andere gibt es, die heißen Tugend das Faulwerden ihrer Laster, und wenn ihr Haß und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre Gerechtigkeit munter und reibt sich die verschlafenen Augen.
Und niemand lügt soviel als der Entrüstete.
Und wahrlich, wieviel geriet schon! Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen, an Wohlgeratenem!
Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen?
Unser Charakter wird noch mehr durch den Mangel gewisser Erlebnisse als durch das, was man erlebt, bestimmt.
Unsere gelegentliche Gleichgültigkeit und Kälte gegen Menschen, welche uns als Härte und Charaktermangel ausgelegt wird, ist häufig nur eine Ermüdung des Geistes.
Unsere Meinungen: die Haut, in der wir gesehen werden wollen.
Unsere Pflichten - das sind die Rechte auf uns.
Unsre Eitelkeit ist gerade dann am schwersten zu verletzen, wenn eben unser Stolz verletzt wurde.
Unter hilfreichen und wohltätigen Menschen findet man jene plumpe Arglist fast regelmäßig vor, welche sich den, dem geholfen werden soll, erst zurechtmacht: Ob er zum Beispiel Hilfe "verdiene", gerade nach ihrer Hilfe verlange und für alle Hilfe sich ihnen tief dankbar, anhänglich, unterwürfig beweisen werde. Mit diesen Einbildungen verfügen sie über den Bedürftigen wie über ein Eigentum.
Unter zwölf Aposteln muss immer einer hart wie Stein sein, damit auf ihm die neue Kirche gebaut werden könne.
Vergnügungsreisende: Sie steigen wie Tiere den Berg hinauf, dumm und schwitzend; man hatte ihnen zu sagen vergessen, dass es unterwegs schöne Aussichten gebe.
Verloren sei uns der Tag, wo nicht ein Mal getanzt wurde! Und falsch heiße uns jede Wahrheit, bei der es nicht ein Gelächter gab!
Viel von sich reden, kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen.
Viele Menschen warten ihr Leben lang auf die Gelegenheit, auf ihre Art gut zu sein.
Voll von feierlichen Possenreißern ist der Markt, und das Volk rühmt sich seiner großen Männer.
Von dem, was du erkennen und messen willst, mußt du Abschied nehmen, wenigstens auf eine Zeit. Erst wenn du die Stadt verlassen hast, siehst du, wie hoch sich ihre Türme über die Häuser erheben.
Von Zeit zu Zeit muß man sich durch den Umgang mit guten und kräftigeren Menschen neu einbinden lassen, sonst verliert man einzelne Blätter und fällt mutlos immer mehr auseinander.
Vor nichts soll man sich so hüten als vor dem Aufwachsen jenes Unkrauts, welches Anmaßung heißt und in uns jede gute Ernte verdirbt.
Vor wem man glänzt, den läßt man gerne als Licht gelten.
Wahrlich, es gibt auch für das Böse noch eine Zukunft, und der heißeste Süden ist noch nicht entdeckt für den Menschen. Wie manches heißt jetzt schon ärgste Bosheit, was doch nur zwölf Schuhe breit und drei Monate lang ist! Einst aber werden größere Drachen zur Welt kommen.
Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden. Zu sehr gebricht es ihnen an Scham.
War nicht aller Erfolg bisher bei den Gut-Verfolgten? Und wer gut verfolgt, lernt leicht folgen: Ist er doch einmal hinterher.
Warten, geduldig sein, das heißt denken.
Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.
Was den berühmten "Kampf ums Dasein" betrifft, so scheint er mir einstweilen mehr behauptet als bewiesen. Es kommt vor, aber als Ausnahme. Der Gesamtaspekt des Lebens ist nicht die Notlage, die Hungerplage, vielmehr der Reichtum, die Üppigkeit, selbst die absurde Verschwendung. Wo gekämpft wird, kämpft man um Macht.
Was der Pöbel ohne Gründe einst glauben lernte, wer könnte ihm durch Gründe das umwerfen? Und auf dem Markte überzeugt man mit Gebärden.
Was der Vater schwieg, das kommt im Sohne zum Reden, und oft fand ich den Sohn als des Vaters entblößtes Geheimnis.
Was dürfen wir anders in der Arbeitsnot all der Millionen finden, als den Trieb, um jeden Preis dazusein, denselben allmächtigen Trieb, durch den verkümmerte Pflanzen ihre Wurzeln in erdloses Gestein strecken?
Was eine Zeit als böse empfindet, ist gewöhnlich ein unzeitgemäßer Niederschlag dessen, was ehemals als gut empfunden wurde: Der Atavismus eines älteren Ideals.