Liebe will vorübereilen.
Liebe! Liebe! Lass mich los!
Liebe, menschlich zu beglücken / nähert sie ein edles Zwei; / doch zu göttlichem Entzücken / bildet sie ein köstlich Drei.
Lieben heißt leiden. Man kann sich nur gezwungen (natura) dazu entschließen. Das heißt: Man muß es nur; man will es nicht.
Lieben ist menschlich, nur müsst Ihr menschlich lieben!
Lieber schlimm aus Empfindung als gut aus Verstand.
Lieblich ist des Mädchens Blick, der winket; / Trinkers Blick ist lieblich, eh er trinket, / Gruß des Herren, der befehlen konnte, / Sonnenschein im Herbst, der dich besonnte. / Lieblicher als alles dieses habe / stets vor Augen, wie sich kleiner Gabe / dürftge Hand so hübsch entgegen dränget, / zierlich dankbar, was du reichst empfänget. / Welch ein Blick! Ein Gruß! Ein sprechend Streben! / Schau es recht, und du wirst immer geben.
Lieder der Liebenden, sagte die schöne Frau, mag ich weder vorgelesen, noch vorgesungen. Glückliche Liebende beneidet man, eh' man sich's versieht, und die Unglücklichen machen uns immer Langeweile.
Liegt dir Gestern klar und offen, / wirkst du heute kräftig frei, / kannst auch auf ein Morgen hoffen, / das nicht minder glücklich sei.
Liest doch nur jeder / aus dem Buch sich heraus, und ist er gewaltig, so liest er / in das Buch sich hinein, amalgamiert sich das Fremde. / Ganz vergebens strebst du daher, durch Schriften des Menschen / schon entschiedenen Hang und seine Neigung zu wenden, / aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner Gesinnung.
Linné war liberal genug, auch den Dichter unter denjenigen zu nennen, welche der Wissenschaft förderlich sein könnten.
Literatur ist das Fragment der Fragmente. Das wenigste dessen, was geschah und gesprochen worden, ward geschrieben. Vom Geschriebenen ist das wenigste übrig geblieben.
Lobt man mich, weil ich was Dummes gemacht, / dann mir das Herz im Leibe lacht; / schilt man mich, weil ich was Gutes getan, / so nehm ich's ganz gemächlich an. / Schlägt mich ein Mächtiger, daß es schmerzt, / so tu ich, als hätt er nur gescherzt, / doch ist es einer von meinesgleichen, / den weiß ich wacker durchzustreichen. / Hebt mich das Glück, so bin ich froh / und sing in dulci Jubilo; / senkt sich das Rad und quetscht mich nieder, / so denkt ich: Nun, es hebt sich wieder!
Locket Übung des Gefährlichen / nicht die Gefahr an uns heran?
Lockte die Neugier nicht den Menschen mit heftigen Reizen, / sagt, erführ er wohl je, wie schön sich die weltlichen Dinge / gegeneinander verhalten? Denn erst verlangt er das Neue, / suchet das Nützliche dann mit unermüdetem Fleiße; / endlich begehrt er das Gute, das ihn erhebet und wert macht.
Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten.
Lüsternheit ist ein Spiel mit dem zu Genießenden und mit dem Genossenen.
Läßt sich die Krankheit nicht kurieren / muß man sie eben mit Hoffnung schmieren. / Die Kranken sind wie Schwamm und Zunder; / ein neuer Arzt tut immer Wunder.
Läßt sich einer zur Tafel läuten, / Das Essen hat wenig zu bedeuten.
Löblich ist ein tolles Streben, / wenn es kurz ist und mit Sinn.
Mache zum Herrscher sich der, der seinen Vorteil verstehet: / Doch wir wählen uns den, der sich auf unsern versteht.
Macht die Liebe, die Kunst jegliches Kleine doch groß.
Macht man nicht gern eine entfernte Spazierfahrt, um einen Kaffee zu trinken, einen Fisch zu genießen, der uns zu Hause nicht so gut geschmeckt hätte? Wir verlangen Abwechslung und fremde Gegenstände.
Mag die geistige Kultur nun immer fortschreiten, mögen die Naturwissenschaften in immer breiterer Ausdehnung und Tiefe wachsen und der menschliche Geist sich erweitern, wie er will- über die Hoheit und sittliche Kultur des Christentums, wie es in den Evangelien schimmert und leuchtet, wird er nicht hinauskommen!
Magnetes Geheimnis, erkläre mir das! / Kein größer Geheimnis als Lieb und Haß.
Magst du einmal mich hintergehen, / merk ich's, so laß ich's wohl geschehen. / Gestehst du mir's aber ins Gesicht, / in meinem Leben verzeih ich's nicht.
Magst du jemand Feste geben, / Dem du schwer verschuldet? / Kannst du doch mit niemand leben, / Der dich allenfalls nur duldet.
Majestät ist das Vermögen, ohne Rücksicht auf Belohnung oder Bestrafung recht oder unrecht zu handeln.
Man betrügt sich oder den andern, und meist beide.
Man braucht nicht zu fürchten, daß das Besondere keinen Anklang finde. Jeder Charakter, so eigentümlich er sein möge, und jedes Darzustellende, vom Stein herauf bis zum Menschen, hat Allgemeinheit; denn alles wiederholt sich, und es gibt kein Ding in der Welt, das nur ein Mal da wäre.
Man darf aber auch nur eine Zeitlang ruhig in einer Galerie verweilen und beobachten, nach welchen Kunstwerken sich die Menge zieht, welche gepriesen und welche vernachlässigt werden, so hat man wenig Lust an der Gegenwart und für die Zukunft wenig Hoffnung.
Man darf das nicht vor keuschen Ohren nennen, / was keusche Herzen nicht entbehren können.
Man darf nur alt werden, um milder zu sein. Ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte.
Man denke an den Orpheus, der, als ihm ein großer wüster Bauplatz angewiesen war, sich weislich an dem schicklichsten Ort niedersetzte und durch die belebenden Töne seiner Leier den geräumigen Marktplatz um sich her bildete. Die von kräftig gebietenden, freundlich lockenden Tönen schnell ergriffenen, aus ihrer massenhaften Ganzheit gerissenen Felssteine mußten, indem sie sich enthusiastisch herbei bewegten, sich kunst- und handwerksgemäß gestalten, um sich sodann in rhythmischen Schichten und Wänden gebührend hinzuordnen. Und so mag sich Straße zu Straßen anfügen! An wohlschützenden Mauern wird's auch nicht fehlen. / Die Töne verhallen, aber die Harmonie bleibt. Die Bürger einer solchen Stadt wandeln und weben zwischen ewigen Melodien; der Geist kann nicht sinken, die Tätigkeit nicht einschlafen. Das Auge übernimmt Funktion, Gebühr und Pflicht des Ohres, und die Bürger am gemeinsten Tage fühlen sich in einem ideellen Zustand: Ohne Reflexion, ohne nach dem Ursprung zu tragen, werden sie des höchsten sittlichen und religiösen Genusses teilhaftig. Man gewöhne sich, in Sankt Peter auf und ab zu gehen, und man wird ein Analogon desjenigen empfinden, was wir auszusprechen gewagt. / Der Bürger dagegen in einer schlecht gebauten Stadt, wo der Zufall mit leidigem Besen die Häuser zusammenkehrte, lebt unbewußt in der Wüste eines düstern Zustandes; dem fremden Eintretenden jedoch ist es zu Mute, als wenn er Dudelsack, Pfeifen und Schellentrommeln hörte und sich bereiten müßte, Bärentänzen und Affensprüngen beiwohnen zu müssen.
Man denkt an das, was man verließ, / was man gewohnt war, bleibt ein Paradies.
Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben.
Man erkennt niemand an als den, der uns nutzt. Wir erkennen den Fürsten an, weil wir unter seiner Firma den Besitz gesichert sehen.
Man erziehe die Knaben zu Dienern und die Mädchen zu Müttern, so wird es überall wohl stehn.
Man erzählt von Hallern, daß, als er einmal eine Treppe herunter und auf den Kopf gefallen war, er sogleich, nachdem er aufgestanden, sich die Namen der chinesischen Kaiser nach der Reihe hergesagt, um zu versuchen, ob sein Gedächtnis gelitten habe.
Man feiere nur, was glücklich vollendet ist! Alle Zeremonien zum Anfange erschöpfen Lust und Kräfte, die das Streben hervorbringen.
Man findet häufige Proben in der Literatur, wo der Haß das Genie ersetzet und wo geringe Talente bedeutend erscheinen, indem sie als Organ einer Partei auftreten.
Man fühlt nur halbe Freude, / wenn man sie sittsam fühlt und lang sich überlegt, / ob unser Liebster das, der Wohlstand jenes trägt.
Man gewinnt immer, wenn man erfährt, was andere von uns denken.
Man gibt sich den Humor nicht selbst.
Man glaubt nicht, wieviel Totes und Tötendes in der Wissenschaft ist, bis man mit Ernst und Trieb selbst hineinkommt; und durchaus scheint mir die eigentlich wissenschaftlichen Menschen mehr ein sophistischer als ein wahrheitsliebender Geist zu beleben.
Man habe auch tausendmal von einem Gegenstand gehört, das Eigentümliche desselben spricht nur zu uns aus dem unmittelbaren Anschauen.
Man hat gesagt und wiederholt: Wo mir's wohlgeht, ist mein Vaterland! Doch wäre dieser tröstliche Spruch noch besser ausgedrückt, wenn es hieße: Wo ich nütze, ist mein Vaterland!
Man hat mich immer als einen vom Glück besonders Begünstigten gepriesen; auch will ich mich nicht beklagen und den Ganz meines Lebens nicht schelten. Allein, im Grund ist es nichts als Mühe und Arbeit gewesen, und ich kann wohl sagen, daß ich in meinen 75 Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt.
Man hatte, wie sich im Gefolg des Gesprächs ergab, dem Oheim vorgeworfen, daß ihm seine Güter nicht eintrügen, was sie sollten. Er versetzte dagegen: Das Mindere der Einnahme betracht' ich als Ausgabe, die mir Vergnügen macht, indem ich andern dadurch das Leben erleichtere.
Man hält einen Aal am Schwanze fester als einen Lacher mit Gründen.