Wie kommt es, Milady, daß Ihr gepriesenes Glück das Elend so gern um Neid und Bewunderung anbettelt? Hat Ihre Wonne die Verzweiflung so nötig zur Folie?
Wie schön ist es und herrlich, Hand in Hand / mit einem teuern, vielgeliebten Sohn / der Jugend Rosenbahn zurückzueilen, / des Lebens Traum noch einmal durchzuträumen.
Wie sich der Sonne Scheinbild in dem Dunstkreis / malt, eh sie kommt, so schreiten auch den großen / Geschicken ihre Geister schon voran, / und in dem Heute wandelt schon das Morgen.
Wie süß ist's, das Geliebte zu beglücken / mit ungehoffter Größe.
Wie süß ist's, eingewiegt zu werden in den Schlag des Todes von dem Gebet eines Sohnes!
Wie unglückbringend, liebe Mutter, / ist Feindschaft zwischen Brüdern, und wie schwer / hält die Versöhnung.
Wie verfährt die Natur, um Hohes und Niederes im Menschen / zu verbinden? Sie stellt die Eitelkeit zwischen hinein.
Wie verwahrt sich aber der Künstler vor den Verderbnissen seiner Zeit, die ihn von allen Seiten umfangen? Wenn er ihr Urteil verachtet. Blicke aufwärts nach seiner Würde und dem Gesetz, nicht niederwärts nach dem Glück und nach dem Bedürfnis!
Wie wurde mir, als ich ins Innre nun / der Kirchen trat und die Musik der Himmel / herunterstieg und der Gestalten Fülle / verschwenderisch aus Wand und Dekke quoll, / das Herrlichste und Höchste, gegenwärtig, / vor den entzückten Sinnen sich bewegte, / als ich sie selbst nun sah, die Göttlichen, / den Gruß des Engels, die Geburt des Herrn, / die heil'ge Mutter, die herabgestiegene / Dreifaltigkeit, die leuchtende Verklärung / - als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht / das Hochamt halten und die Völker segnen! / O, was ist Goldes, was Juwelen Schein, / womit der Erde Könige sich schmükken! / Nur er ist mit dem Göttlichen umgeben. / Ein wahrhaft Reich der Himmel ist sein Haus, / denn nicht von dieser Welt sind diese Formen.
Wie, vom Zephyr gewiegt, der leichte Rauch in die Luft fließt, / wie sich leise der Kahn schaukelt auf silberner Flut, / hüpft der gelehrige Fuß auf des Takts melodischer Woge, / säuselndes Saitengetön hebt den ätherischen Leib.
Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen. / Ja, das befolgt ihr nach dem Wort; / denn ihr tragt alles offen fort. / Vor euren Klauen und Geiersgriffen, / vor euren Praktiken und bösen Kniffen / ist das Geld nicht geborgen in der Truh, / das Kalb nicht sicher in der Kuh; / ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.
Will der Starke geliebt sein, so mag er seine Überlegenheit durch Grazie mildern! Will der Schwache geachtet sein, so mag er seiner Ohnmacht durch Würde aufhelfen.
Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben! / Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz!
Willst du dich vor Leid bewahren, / so flehe zu den Unsichtbaren, / daß sie zum Glück den Schmerz verleihn! / Noch keinen sah ich fröhlich enden, / auf den mit immer vollen Händen / die Götter ihre Gaben streun.
Willst du mehr wissen, Spötter? Das Bekenntnis willst du noch haben, daß die ganze geheime Weisheit unsres Geschlechts nur eine armselige Vorkehrung ist, unsre tödliche Seite zu entsetzen, die doch zuletzt allein von euren Schwüren belagert wird, die (ich gesteh' es errötend ein) so gern erobert sein möchte, so oft beim ersten Seitenblick der Tugend den Feind verräterisch empfängt?
Willst du, Freund, die erhabensten Höhn der Weisheit erfliegen, / wag' es auf die Gefahr, daß dich die Klugheit verlacht! / Die kurzsichtige sieht nur das Ufer, das dir zurückflieht. / jenes nicht, wo dereinst landet dein mutiger Flug.
Winkt der Sterne Licht, / Ledig aller Pflicht / Hört der Bursch die Vesper schlagen; / Meister muß sich immer plagen.
Wir entdecken mehr, sind wir vorher gewiß, daß wir entdecken müssen.
Wir Frauenzimmer können nur zwischen Herrschen und Dienen wählen, aber die höchste Wonne der Gewalt ist doch nur ein elender Behelf, wenn uns die größere Wonne versagt wird, Sklavinnen eines Mannes zu sein, den wir lieben.
Wir haben diesen Boden uns erschaffen / durch unsrer Hände Fleiß, den alten Wald, / der sonst der Bären Wohnung war, / zu einem Sitz für Menschen umgewandelt. / Die Brut des Drachen haben wir getötet, / der aus den Sümpfen giftgeschwollen stiegt. / Die Nebeldecke haben wir zerrissen, / die ewig grau um diese Wildnis hing, / den harten Fels gesprengt, über den Abgrund / dem Wandersmann den sichern Steg geleitet. / Unser ist durch tausendjährigen Besitz der Boden.
Wir haben eine Korrespondenz miteinander über gemischte Materien beschlossen, die eine Quelle von Aufsätzen für die Horen werden soll. Auf diese Art, meint Goethe, bekäme der Fleiß eine bestimmte Richtung, und ohne zu merken, daß man arbeite, bekäme man Materialien zusammen.
Wir handeln, wie wir müssen. / So laßt uns das Notwendige mit Würde, / mit festem Schritte tun.
Wir sind Heldinnen, wenn wir unsre Tugend noch sicher wissen - wenn wir sie verteidigen, Kinder - Furien, wenn wir sie rächen.
Wir Subalternen haben keinen Willen; / der freie Mann, der mächtige, allein / gehorcht dem schönen menschlichen Gefühl. / Wir aber sind nur Schergen des Gesetzes, / des grausamen; Gehorsam heißt die Tugend, / um die der Niedre sich bewerben darf.
Wir waren Brüder, Brüder durch ein edler Band, als die Natur es schmiedet.
Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, / in keiner Not uns trennen und Gefahr. / Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, / eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. / Wir wollen trauen auf den höchsten Gott / und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.
Wir, wir leben. Unser sind die Stunden, und der Lebende hat recht.
Wirke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze! / Bilde Schönes, du streust Keime der göttlichen aus!
Wissen sie mir einen ärmeren Mann zwischen Himmel und Erde als den Menschenfeind?
Wo du auch wandelst im Raum, es knüpft dein Zenith und Nadir / an den Himmel dich an, dich an die Achse der Welt. / Wie du auch handelst in dir, es berühre den Himmel der Wille, / durch die Achse der Welt gehe die Richtung der Tat!
Wo jetzt nur, wie unsre Weisen sagen, / seelenlos ein Feuerball sich dreht, / lenkte damals seinen goldnen Wagen / Helios in stiller Majestät. / Diese Höhen füllten Oreaden, / eine Dryas lebt' in jenem Baum, / aus den Urnen lieblicher Najaden / sprang der Ströme Silberschaum.
Wo lebt denn / das friedsame Geschöpf, das seines Lebens / sich nicht mit allen Lebenskräften wehrt?
Wo rohe Kräfte sinnlos walten, / Da kann sich kein Gebild gestalten.
Wo Tausende anbeten und verehren, / Da wird die Glut zur Flamme, und beflügelt / Schwingt sich der Geist in alle Himmel auf.
Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, / doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.
Wo von zwei gewissen Übeln eins / ergriffen werden muß, wo sich das Herz / nicht ganz zurückbringt aus dem Streit der Pflichten, / da ist es Wohltat, keine Wahl zu haben, / und eine Gunst ist die Notwendigkeit.
Wo wir sein mögen, Luise, geht eine Sonne auf, eine unter - Schauspiele, neben welchen der üppigste Schwung der Künste verblaßt.
Wo's not tut, Fährmann, läßt sich alles wagen.
Wohl dem Ganzen, findet / sich einmal einer, der ein Mittelpunkt / für viele tausend wird, ein Halt, - sich hinstellt / wie eine feste Säul', an die man sich / mit Lust mag schließen und mit Zuversicht.
Wohl dem! Selig muß ich ihn preisen, / der in der Stille der ländlichen Flur, / fern von des Lebens verworrenen Kreisen, / kindlich liegt an der Brust der Natur.
Wohl dir, wenn die Vernunft immer / im Herzen dir wohnt.
Wohl taugt ihr, mit dem Schwerte drein zu schlagen, / der Franke nur weiß Zierliches zu sagen.
Wohl weiß ich, daß man Gott nicht dient, wenn man / die Ordnung der Natur verläßt, und Lob / verdienen sie, die vor mir hier gewaltet, / daß sie die Klöster aufgetan und tausend / Schlachtopfer einer falschverstandnen Andacht / den Pflichten der Natur zurückgegeben.
Wohl wär' es besser, überall dem Herzen / zu folgen, doch darüber würde man / sich manchen guten Zweck versagen müssen.
Wohne, du ewiglich eines, dort bei dem ewiglich Einen! / Farbe, du wechselnde, komm freundlich zum Menschen herab!
Wollt ihr zugleich den Kindern der Welt und den Frommen gefallen? / Malet die Wollust - nur malet den Teufel dazu!
Würde wird mehr im Leiden, Anmut mehr im Betragen gefordert und gezeigt; denn nur im Leiden kann sich die Freiheit des Gemüts und nur im Handeln die Freiheit des Körpers offenbaren.
Wüßt ich mein Herz an zeitlich Gut gefesselt, / den Brand würf ich hinein mit eigner Hand!
Über den Gebrauch des Chors in der Tragödie / Wenn du das große Spiel der Welt gesehen, / so kehrst du reicher in dich selbst zurück; / denn, wer den Sinn aufs Ganze hält gerichtet, / dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet.
Über Ströme hast du gesetzt und Meere durchschwommen, / über der Alpen Gebirg trug dich der schwindlichte Steg, / mich in der Nähe zu schaun und meine Schöne zu preisen, / die der begeisterte Ruf rühmt durch die staunende Welt. / Und nun stehst du vor mir, du darfst mich Heil'ge berühren, / aber bist du mir jetzt näher und bin ich es dir?