Friedrich Wilhelm Nietzsche

469 Zitate, Sprüche & Aphorismen Autor

Was ich eigentlich von der Musik will? Daß sie heiter und tief ist wie ein Nachmittag im Oktober. Daß sie eigen, ausgelassen, zärtlich, ein kleines süßes Weib von Niedertracht und Anmut ist.

Was ist das Größte, das ihr erleben könnt? Das ist die Stunde der großen Verachtung. Die Stunde, in der euch auch euer Glück zum Ekel wird und ebenso eure Vernunft und eure Tugend.

Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.

Was ist Glück? - Das Gefühl davon, daß die Macht wächst, daß ein Widerstand überwunden wird.

Was ist Originalität? Etwas sehen, das noch keinen Namen trägt, noch nicht genannt werden kann, ob es gleich vor aller Augen liegt. Wie die Menschen gewöhnlich sind, macht ihnen erst der Name ein Ding überhaupt sichtbar.

Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Weg mit den bis zum Überdruß verbrauchten Wörtern Optimismus und Pessimismus! Denn der Anlaß, sie zu gebrauchen, fehlt von Tag zu Tage mehr: nur die Schwätzer haben sie jetzt noch so unumgänglich nötig.

Weißt du nicht, wer allen am nötigsten tut? Der Großes befiehlt.

Welche Philosophie gibt die höchste Formel für den Staatsbeamten? Die Kants: der Staatsbeamte als Ding an sich zum Richter gesetzt über den Staatsbeamten als Erscheinung.

Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?

Wen nennst du schlecht? Den, der immer beschämen will.

Wenig versteht sich sonst das Weib auf Ehre. Aber dies sei Eure Ehre: Immer mehr zu lieben, als Ihr geliebt werdet!

Wenige Motive, energisches Handeln und gutes Gewissen machen das aus, was man Charakterstärke nennt. Dem Charakterstarken fehlt die Kenntnis der vielen Möglichkeiten und Richtungen des Handelns. Sein Intellekt ist unfrei, gebunden, weil er ihm in einem gegebenen Falle vielleicht nur zwei Möglichkeiten zeigt. Zwischen diesen muß er jetzt gemäß seiner ganzen Natur und Notwendigkeit wählen. Und er tut dies leicht und schnell.

Wenn alle Almosen nur aus Mitleid gegeben würden, so wären die Bettler allesamt verhungert.

Wenn das Weib ein denkendes Geschöpf wäre, so hätte es ja, als Köchin seit Jahrtausenden, die größten physiologischen Tatsachen finden, insgleichen die Heilkunst in ihren Besitz bringen müssen!

Wenn die Brot umsonst hätten, wehe! Wonach würden sie schrein! Ihr Unterhalt, das ist ihre rechte Unterhaltung. Und sie sollen es schwer haben!

Wenn die Dankbarkeit vieler gegen einen alle Scham wegwirft, so entsteht der Ruhm.

Wenn die Ehegatten nicht beisammen lebten, würden die guten Ehen häufiger sein.

Wenn die Selbstsucht erst einmal größer, klüger, feiner, erfinderischer geworden ist, wird die Welt selbstloser aussehen.

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen.

Wenn man viel hineinzustecken hat, so hat ein Tag hundert Taschen.

Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig.

Wer alles bei den Menschen begreifen wollte, der müsste alles angreifen. Aber dazu habe ich zu reinliche Hände.

Wer anderen nützt, warum soll der besser sein, als wenn er sich nützt? Doch nur, wenn der Nutzen, den er anderen erweist, in einem absoluten Sinn höherer Nutzen ist als der, welchen er sich erweist. Sind die anderen weniger wert, so wird er, wenn er sich nützt, selbst auf Unkosten der anderen recht handeln.

Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.

Wer aus sich kein Hehl macht, empört.

Wer befehlen kann, findet die, welche gehorchen müssen.

Wer besaß bis jetzt die überzeugendste Beredsamkeit? Der Trommelwirbel. Solange die Könige diesen in der Gewalt haben, sind sie immer noch die besten Redner und Volksaufwiegler

Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, daß er am Leben bleibt.

Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser, und der Geist selber wird stinken.

Wer ermißt am Eitlen die ganze Tiefe seiner Bescheidenheit? Ich bin ihm gut und mitleidig ob seiner Bescheidenheit. Von Euch will er seinen Glauben an sich lernen. Er nährt sich an Euren Händen. Euren Lügen glaubt er noch, wenn Ihr gut über ihn lügt; denn im Tiefsten seufzt sein Herz: "Was bin ich?" Und wenn das die rechte Tugend ist, die nicht um sich selber weiß: Nun, der Eitle weiß nicht um seine Bescheidenheit.

Wer ihn als einen Gott der Liebe preist, denkt nicht hoch genug von der Liebe selber. Wollte dieser Gott nicht auch Richter sein? Aber der Liebende liebt jenseits von Lohn und Vergeltung.

Wer immer danach hinhorcht, wie er beurteilt wird, hat immer Ärger.

Wer seine Gedanken nicht auf Eis zu legen versteht, der soll sich nicht in die Hitze des Streites begeben.

Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit. Wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um die Dunkelheit.

Wer viel denkt, und zwar sachlich denkt, vergißt leicht seine eigenen Erlebnisse, aber nicht so die Gedanken, welche durch jene hervorgerufen wurden.

Wer viel einst zu verkünden hat, / schweigt viel in sich hinein. / Wer einst den Blitz zu zünden hat, / muß lange Wolke sein.

Wer viel Freude hat, muß ein guter Mensch sein. Aber vielleicht ist er nicht der klügste, obwohl er gerade das erreicht, was der Klügste mit aller seiner Klugheit erstrebt.

Wessen Väter es mit Weibern hielten und mit starken Weinen und Wildschweinen - was wäre es, wenn der von sich Keuschheit wollte? Eine Narrheit wäre es!

Wie arm wäre der menschliche Geist ohne die Eitelkeit!

Wie artig weiß die Hündin Sinnlichkeit um ein Stück Geist zu betteln, wenn ihr ein Stück Fleisch versagt wird!

Wie wenig Lust genügt den meisten, um das Leben gut zu finden, wie bescheiden ist der Mensch!

Will man einen Freund haben, so muß man auch für ihn Krieg führen wollen, und um Krieg zu führen, muß man Feind sein können.

Wir haben das Gewissen eines arbeitsamen Zeitalters: Dies erlaubt uns nicht, die besten Stunden und Vormittage der Kunst zu geben, und wenn diese Kunst selber die größte und würdigste wäre.

Wir müssen die Dinge lustiger nehmen, als sie es verdienen; zumal wir sie lange Zeit ernster genommen haben, als sie es verdienen.

Wir wollen uns segnen, wenn wir wissen, wo unsere Pflicht ist.

Wirf das Mißvergnügen über dein Wesen ab! Verzeihe dir dein eigenes Ich!

Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht, und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.

Wo Oasen sind, da sind auch Götzenbilder.

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