Man tue nur das Rechte, / am Ende duckt, am Ende dient der Schlechte.
Man tut immer besser, daß man sich grad ausspricht, wie man denkt, ohne viel beweisen zu wollen; denn alle Beweise, die wir vorbringen, sind doch nur Variationen unserer Meinungen, und die Widriggesinnten hören weder auf das eine noch auf das andere.
Man tut nicht wohl, sich allzu lange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.
Man verliert nicht immer, wenn man entbehrt.
Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.
Man weiß, wie's Weiber machen: / Sie visitieren gern und sehn der Fremden Sachen / und ihre Wäsche gern.
Man will jetzt freilich, der Mann soll / immer gehn im Surtout und in der Pekesche sich zeigen, / immer gestiefelt sein; verbannt ist Pantoffel und Mütze.
Man will Wahrheit, man will Wirklichkeit und verdirbt dadurch die Poesie.
Man wird in philisterhaften Äußerungen immer finden, daß der Kerl immer zugleich seinen eigenen Zustand ausspricht, indem er den fremden negiert, und daß er also den seinigen als allgemein sein sollend verlangt. Es ist der blindeste Egoismus, der von sich selbst nichts weiß.
Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.
Man würde viel Almosen geben, wenn man Augen hätte zu sehen, was eine empfangende Hand für ein schönes Bild macht.
Manch verwandtes Gemüt treibt mit mir im Strom des Jahrhunderts, / aber der Strom zerrinnt, und wir erkannten uns nicht.
Manche Töne sind mir Verdruß, doch bleibet am meisten / Hundegebell mir verhaßt. Kläffend zerreißt es mein Ohr.
Mancher hat nach der Antike studiert und sich ihr Wesen nicht ganz zugeeignet: Ist er darum scheltenswert?
Mancher Verwegene klagt, um seine Verbrechen zu decken.
Manches Herrliche der Welt / ist in Krieg und Streit zerronnen. / Wer beschützet und erhält, / hat das schönste Los gewonnen.
Manchmal sieht unser Schicksal aus wie ein Fruchtbaum im Winter. Wer sollte bei dem traurigen Ansehn desselben wohl denken, daß diese starren Äste, diese zackigen Zweige im nächsten Frühjahr wieder grünen, blühen, sodann Früchte tragen könnten?
Mann mit zugeknöpften Taschen, / dir tut niemand was zulieb. / Hand wird nur von Hand gewaschen. / Wenn du nehmen willst, so gib!
Mannsräuschlein nannte man im siebzehnten Jahrhundert gar ausdrucksvoll die Geliebte.
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert / vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.
Mein Erbteil, wie herrlich, weit und breit! / Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit.
Mein Kind! Ich hab es klug gemacht, / ich habe nie über das Denken nachgedacht.
Mein Lied ertönt / der unbekannten Menge, / Ihr Beifall selbst / macht meinem Herzen bang.
Mein teurer Freund, ich rat Euch drum / zuerst Collegium Logicum. / Da wird der Geist Euch wohl dressiert, / in spanische Stiefeln eingeschnürt, / daß er bedächtiger so fortan / hinschleiche die Gedankenbahn / und nicht etwa, die Kreuz und Quer, / irrlichteliere hin und her. / Dann lehret man Euch manchen Tag, / daß, was Ihr sonst auf einen Schlag / getrieben, wie Essen und Trinken frei, / eins! zwei! drei! dazu nötig sei.
Meine Poesien sind gleichsam Häutungen vorübergehender und vorübergegangener Zustände. Aus solchen Bälgen machen sich die Leute nun Schuhe, Kleider und so weiter und tragen sie ab.
Meine übrigen Liebhabereien gehen nebenher, und ich erhalte sie immer durch ein oder die andere Zubuße, wie man gangbare Gruben nicht gerne auflässig werden läßt, solange noch einige Hoffnung von künftigen Vorteilen scheinen will.
Meinen Wein / trink ich allein, / niemand setzt mir Schranken, / ich so meine eigenen Gedanken.
Melodien, Gänge und Läufe ohne Worte und Sinn, scheinen mir Schmetterlingen oder schönen bunten Vögeln ähnlich zu sein, die in der Luft vor unsern Augen herumschweben, die wir allenfalls haschen und uns zueignen möchten; da sich der Gesang dagegen wie ein Genius gen Himmel hebt und das bessere Ich in uns ihn zu begleiten anreizt.
Menschen sind schwimmende Töpfe, die sich aneinander stoßen.
Menschenfleisch geht allem vor, / um sich daran zu wärmen.
Mich deucht, das Größt' bei einem Fest / ist, wenn man sich's wohlschmecken läßt.
Mich drangs, so grade zu genießen, / und fühle mich im Liebestraum zerfließen! / Sind wir ein Spiegel von jedem Druck der Luft?
Mich freuen die vielen Guten und Tüchtgen, / obgleich so viele dazwischen belfen. / Die Deutschen wissen zu berichtgen, / aber sie verstehen nicht nachzuhelfen.
Mich schmerzt der Anblick des Jammers.
Mikroskope und Fernrohre verwirren eigentlich den reinen Menschensinn.
Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren, / der ich noch erst den Göttern Liebling war; / sie prüften mich, verliehen mir Pandoren, / so reich an Gütern, reicher an Gefahr; / sie drängten mich zum gabeseligen Munde, / sie trennen mich und richten mich zugrunde.
Mir ist das Volk zur Last, / meint es doch dies und das: / Weil es die Fürsten haßt, / denkt es, es wäre was.
Mir ist unleidlicher nichts als Tränen der Weiber, / leidenschaftlich Geschrei, das heftig verworren beginnet. / was mit ein wenig Vernunft sich ließe gemächlicher schlichten.
Mir kommt kein Besitz ganz rechtmäßig, ganz rein vor, als der dem Staate seinen schuldigen Teil abträgt.
Mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein dürfen. Armut, Keuschheit und Gehorsam. Drei Gelübde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das unausstehlichste scheint, so unerträglich sind sie alle.
Mir kommt vor, das sei die edelste von unsern Empfindungen, die Hoffnung, auch dann zu bleiben, wenn das Schicksal uns zur allgemeinen Nonexistenz zurückgeführt zu haben scheint.
Mir scheinet List und Klugheit nicht den Mann / zu schänden, der sich kühnen Taten weiht.
Mir untergräbt das Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur verborgen liegt, die nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbarn, nicht sich selbst zerstörte. Und so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich her: Ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer.
Mir will das kranke Zeug nicht munden, / Autoren sollen erst gesunden.
Mit andern kann man sich belehren, / Begeistert wird man nur allein.
Mit Botanik gibst du dich ab? Mit Optik? Was tust du? / Ist es nicht schönrer Gewinn, rühren ein zärtliches Herz? / Ach, die zärtlichen Herzen! Ein Pfuscher vermag sie zu rühren. / Sei es mein einziges Glück, dich zu berühren, Natur!
Mit dem besten Willen leisten wir / so wenig, weil uns tausend Willen kreuzen. / O wäre mir zu meinen reinen Wünschen / auch volle Kraft auf kurze Zeit gegeben: / Bis an den letzten Herd im Königreich / empfände man des Vaters warme Sorge.
Mit dem Gefühl des Vaters hatte er auch alle Tugenden eines Bürgers erworben.
Mit den Ansichten, wenn sie aus der Welt verschwinden, gehen oft die Gegenstände selbst verloren. Kann man doch im höheren Sinne sagen, dass die Ansicht der Gegenstand sei.
Mit den Jahren steigern sich die Prüfungen.