Johann Wolfgang von Goethe

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Sonntäglich in der Kirche erscheinen, auf die Gemeinde herabsehen und von ihr ein Stündchen sich anblicken lassen, ist das trefflichste Mittel zu Popularität.

Sonst, wie die Alten sungen, / so zwitscherten die Jungen; / jetzt, wie die Jungen singen, / soll's bei den Alten Klingen. / Bei solchem Lied und Reigen / das Beste - ruhn und schweigen.

Sorge, sie steiget mit dir zu Roß, sie steiget zu Schiffe; / viel zudringlicher noch packet sich Amor uns auf.

Sorgend bewacht der Verstand des Wissens dürftigen Vorrat. / Nur zu erhalten ist er, nicht zu erobern geschickt.

Sorgsam brachte die Mutter des klaren herrlichen Weines / in geschliffener Flasche auf blankem zinnernem Runde / mit den grünlichen Römern, den echten Bechern des Rheinweins.

Sowie etwas ausgesprochen ist, sogleich wird ihm auch widersprochen, wie der Ton gleich sein Echo hat.

Sowie wir geboren werden, fängt die Welt an, auf uns zu wirken, und das geht so fort bis ans Ende. Und überhaupt, was können wir denn unser Eigenes nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen? Wenn ich sagen könnte, was ich alles großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel übrig.

Spitzbögiger Zenith erhebt den Geist; / Solch ein Gebäu erbaut uns allermeist.

Spott vertreibt die Liebe nicht.

Sprech' er doch nie von Freiheit, als könn' er sich selber regieren! / Losgebunden erscheint, sobald die Schranken hinweg sind, / alles Böse, das tief das Gesetz in die Winkel zurücktrieb.

Sprich unbehutsam nicht dein eigen Urteil.

Sprichst du zum Volke, zu Fürsten und Königen, allen / magst du Geschichten erzählen, worin als wirklich erscheinet, / was sie wünschen und was sie selber zu leben begehrten.

Spricht man mit jedermann, / da hört man keinen; / stets wird ein andrer Mann / auch anders meinen.

Sprichwort bezeichnet Nationen, / mußt aber erst unter ihnen wohnen.

Statt heißem Wünschen, wildem Wollen, / statt lästgem Fordern, strengem Sollen / isch aufzugeben ist Genuß.

Steigt hinan zu höherm Kreise, / wachset immer unvermerkt, / wie nach ewig reiner Weise / Gottes Gegenwart verstärkt! / Denn das ist der Geister Nahrung, / die im freisten Äther waltet: / Ewigen Liebens Offenbarung, / die zur Seligkeit entfaltet.

Steile Gegenden lassen sich nur durch Umwege erklimmen.

Steine sind stumme Lehrer. Sie machen den Beobachter stumm, und das Beste, was man von ihnen lernt, ist nicht mitzuteilen.

Stets geforscht und stets gegründet, / nie geschlossen, oft geründet, / Ältestes bewahrt mit Treue, / freundlich aufgefaßtes Neue, / heitern Sinn und reine Zwecke: / Nun, man kommt wohl eine Strecke!

Strafen heißt / dem Jüngling wohltun, daß der Mann / uns danke.

Stünd ich, Natur, vor dir ein Mann allein, / Da wär's der Mühe wert, ein Mensch zu sein.

Stärker ist eine Leidenschaft, wenn sie ruhiger ist.

Such Er den redlichen Gewinn! / Sei Er kein schellenlauter Tor! / Er trägt Verstand und rechter Sinn / mit wenig Kunst sich selber vor.

Sucht nur die Menschen zu verwirren, / sie zu befriedigen ist schwer!

Sucht nur die Menschen zu verwirren, / Sie zu befriedigen, ist schwer!

Sünd und Schande / Bleibt nicht verborgen.

Süßer Schlaf! Du kommst wie ein reines Glück ungebeten, unerfleht am willigsten. Du lösest die Knoten der strengen Gedanken, vermischest alle Bilder der Freude und des Schmerzes, ungehindert fließt der Kreis innerer Harmonien, und eingehüllt in gefälligen Wahnsinn versinken wir und hören auf zu sein.

Säume nicht, dich zu erdreisten, / wenn die Menge zaudernd schweift! / Alles kann der Edle leisten, / der versteht und rasch ergreift.

Tadeln darf man keinen Abgeschiedenen; / nicht was sie gefehlt und gelitten, / sondern was sie geleistet und getan, / beschäftige die Hinterbliebenen.

Tadelt immer die Fürsten! Zwar jeder politische Fehler / straft sich selber, doch euch werden die Fehler bezahlt.

Tadelt man, daß wir uns lieben, / dürfen wir uns nicht betrüben: / Tadel ist von keiner Kraft. / Andern Dingen mag das gelten; / kein Mißbilligen, kein Schelten / macht die Liebe tadelhaft.

Tages Arbeit! Abends Gäste! / Saure Wochen! Frohe Feste!

Tasso: Die goldne Zeit, wohin ist sie geflohn, / nach der sich jedes Herz vergebens sehnt? / Da auf der freien Erde Menschen sich / wie frohe Herden im Genuß verbreiteten; / da ein uralter Baum auf bunter Wiese / dem Hirten und der Hirtin Schatten gab, / ein jüngeres Gebüsch die zarten Zweige / um sehnsuchtsvolle Liebe traulich schlang; / wo klar und still auf immer reinem Sande / der weiche Fluß die Nymphe sanft umfing; / wo in dem Grase die gescheuchte Schlange / unschädlich sich verlor, der kühne Faun, / vom tapfern Jüngling bald bestraft entfloh; / wo jeder Vogel in der freien Luft / und jedes Tier, durch Berg' und Täler schweifend, / zum Menschen sprach: Erlaubt ist, was gefällt. / Prinzessin: Mein Freund, die goldne Zeit ist wohl vorbei; / allein die Guten bringen sie zurück. / Und soll ich Dir gestehen, wie ich denke: / Die goldne Zeit, womit der Dichter uns / zu schmeicheln pflegt, die schöne Zeit, sie war, / so scheint es mir, so wenig, als sie ist; / und war sie je, so war sie nur gewiß; / wie sie uns immer wieder werden kann. / Noch treffen sich verwandte Herzen an / und teilen den Genuß der schönen Welt; / nur in dem Wahlspruch ändert sich, mein Freund, / ein einzig Wort: Erlaubt ist, was sich ziemt.

Theorien sind gewöhnlich Übereilungen eines ungeduldigen Verstandes, der die Phänomene gern lossein möchte und an ihrer Stelle deswegen Bilder, Begriffe, ja oft nur Worte einschiebt.

Tod ist Trennung, / dreifacher Tod / Trennung ohne Hoffnung / wiederzusehn.

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

Toren und gescheite Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen, das sind die gefährlichsten.

Trachte jeder überall sich und andern zu nutzen!

Trage dein Übel, wie du magst, / klage niemand dein Mißgeschick! / Wie du dem Freunde dein Unglück klagst, / gibt er dir gleich ein Dutzend zurück!

Trenne alles, was eigentlich Geschäft ist, vom Leben! Das Geschäft verlangt Ernst und Strenge, das Leben Willkür; das Geschäft die reinste Folge, dem Leben tut eine Inkonsequenz oft not, ja sie ist liebenswürdig und erheiternd.

Trinke Mut des reinen Lebens!

Trostlos zu sein ist Liebenden der schönste Trost, / Verlornem nachzustreben selbst schon mehr Gewinn, / als Neues aufzuhaschen.

Trotz aller meiner Bestrebungen bin ich freilich kein Künstler geworden, aber indem ich mich in allen Teilen der Kunst versuchte, habe ich gelernt, von jedem Strich Rechenschaft zu geben und das Verdienstliche vom Mangelhaften zu unterscheiden.

Trüget doch öfter der Schein! / Ich mag dem Äußern nicht trauen.

Tu im Leben nichts verschiebe; / Sei dein Leben Tat um Tat!

Tun die Himmel sich auf und regnen, so träufelt das Wasser / über Felsen und Gras, Mauern und Bäume zugleich. / Kehret die Sonne zurück, so verdampfet vom Steine die Wohltat. / Nur das Lebendige hält Gabe der Göttlichen fest.

Täglich, bei aller Mühe und Arbeit, sehe ich, daß nicht mein Wille, sondern der Wille einer höheren Macht geschieht, deren Gedanken nicht meine Gedanken sind.

Tätig zu sein ist des Menschen erste Bestimmung, und alle Zwischenzeiten, in denen er auszuruhen genötigt ist, sollte er anwenden, eine deutliche Erkenntnis der äußerlichen Dinge zu erlangen, die ihm in der Folge abermals seine Tätigkeit erleichtert.

Tätst du zur rechten Zeit dich regen, / hättst du's bequemer haben mögen. / Wer geringe Dinge wenig acht't, / sich um geringere Mühe macht.

Töricht ist's / in allen Stücken billig sein; es heißt / sein eigen Selbst zerstören. Sind die Menschen / denn gegen uns so billig? Nein, o nein! / Der Mensch bedarf in seinem engen Wesen / der doppelten Empfindung, Lieb und Haß.

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