Johann Wolfgang von Goethe

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Wir reiten in die Kreuz und Quer / nach Freunden und Geschäften, / doch immer kläfft es hinterher / und billt aus allen Kräften. / So will der Spitz aus unserm Stall / uns immerfort begleiten, / und seines Bellens lauter Schall / beweist nur, daß wir reiten.

Wir reproduzieren das ganze Jahr bald diese bald jene Musik, aber wo keine Produktion ist, kann eine Kunst nicht lebendig empfunden werden.

Wir sind kalt, stolz, hoch, klar, klug, wenn wir verdienen, Weiber zu heißen, und alle diese Vorzüge legen wir euch zu Füßen, sobald wir lieben.

Wir sind naturforschend Pantheisten, dichtend Polytheisten, sittlich Monotheisten.

Wir sind nicht klein, wenn Umstände uns zu schaffen machen, sondern nur wenn sie uns überwältigen.

Wir sind nie entfernter von unsern Wünschen, als wenn wir uns einbilden, das Gewünschte zu besitzen.

Wir sind nur insofern zu achten, als wir zu schätzen wissen.

Wir sind Sensualisten, solange wir Kinder sind, Idealisten, wenn wir lieben und in den geliebten Gegenstand Eigenschaften legen, die nicht eigentlich darin sind. Die Liebe wankt; wir zweifeln an der Treue und sind Skeptiker, ehe wir es glaubten. Der Rest des Lebens ist gleichgültig. Wir lassen es gehen, wie es will, und endigen mit dem Quietismus wie die indischen Philosophen auch.

Wir sind von einer Atmosphäre umgeben, von der wir noch gar nicht wissen, was sich alles in ihr regt und wie es mit unserm Geiste in Verbindung steht. So viel ist wohl gewiß, daß in besonderen Zuständen die Fühlfäden unserer Seele über ihre körperlichen Grenzen hinausreichen können und ihr ein Vorgefühl, ja auch ein wirklicher Blick in die nächste Zukunft gestattet ist.

Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben! / Gleich wird uns, wenn wir zu genießen denken, / zur Übung unsrer Tapferkeit ein Feind, / zur Übung der Geduld ein Freund gegeben.

Wir sollen es mit den Kindern machen wie Gott mit uns, der uns am glücklichsten macht, wenn er uns in freundlichem Wahne so hintaumeln läßt.

Wir verzärtelten, unerfahrenen Menschen schreien bei jeder fremden Heuschrecke, die uns begegnet: Herr, er will uns fressen.

Wir werden diesen Herbst den Tag feiern, an welchem der Großherzog seit fünfzig Jahren regiert und geherrscht hat. Allein, wenn ich es recht bedenke, dieses sein Herrschen, was war es weiter als ein beständiges Dienen?

Wir wollen der Hausfrömmigkeit das gebührende Lob nicht entziehen. Auf ihr gründet sich die Sicherheit des einzelnen, worauf zuletzt denn auch die Festigkeit und Würde des Ganzen beruhen mag. Aber sie reicht nicht mehr hin. Wir müssen den Begriff einer Weltfrömmigkeit fassen, unsre redlichmenschlichen Gesinnungen in einen praktischen Bezug ins Weite setzen und nicht nur unsre Nächsten fördern, sondern zugleich die ganze Menschheit mitnehmen.

Wir wollen's machen wie alle Eroberer: Die Leute totschlagen, um es mit ihrer Nachkommenschaft gut zu meinen.

Wir überliefern Kenntnisse, wir übertragen Gesinnungen so gut als Besitz.

Wirbelwind und trocken Kot / laß sie drehn und stäuben.

Wird doch nicht immer geküßt, es wird vernünftig gesprochen; / überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir viel. / Oftmals hab ich auch schon in ihren Armen gedichtet / und des Hexameters Maß leise mit fingernder Hand / ihr auf den Rücken gezählt.

Wird uns eine rechte Qual zuteil, / dann wünschen wir uns Langeweil.

Wirf einen Blick auf die natürlichen und künstlichen Produkte aller Weltteile, betrachte, wie sie wechselweise zur Notdurft geworden sind! Welch eine angenehme geistreiche Sorgfalt ist es, alles, was in dem Augenblicke am meisten gesucht wird und doch bald fehlt, bald schwer zu haben ist, zu kennen, jedem, was er verlangt, leicht und schnell zu verschaffen, sich vorsichtig in Vorrat zu setzen und den Vorteil jedes Augenblickes dieser großen Zirkulation zu genießen!

Wirst du deinesgleichen kennen lernen, / so wirst du dich gleich wieder entfernen.

Wisse, daß mir sehr mißfällt, / wenn so viele singen und reden! / Wer treibt die Dichtkunst aus der Welt? / Die Poeten!

Wissen Sie, wie ungern die Theaterpersonen Unterricht annehmen? Meist hält sich jeder auf jeder Stufe hinreichend gebildet.

Wisset nur, daß Dichterworte / um des Paradieses Pforte / immer leise klopfend schweben, / sich erbittend ew'ges Leben.

Wo Anmaßung mir wohlgefällt? / An Kindern. Denen gehört die Welt.

Wo das Wissen genügt, bedürfen wir freilich des Glaubens nicht, wo aber das Wissen seine Kraft nicht bewährt oder ungenügend erscheint, sollen wir auch dem Glauben seine Rechte nicht streitig machen. Sobald man nur von dem Grundsatz ausgeht, daß Wissen und Glauben nicht dazu da sind, um einander aufzuheben, sondern um einander zu ergänzen, so wird schon überall das Rechte ausgemittelt werden.

Wo der Anteil sich verliert, verliert sich auch das Gedächtnis.

Wo der Mensch verzweifelt, lebt kein Gott.

Wo die Geselligkeit Unterhaltung findet, ist sie zu Hause.

Wo genug zu schaffen ist, bleibt kein Raum für Betrachtung.

Wo ich den deutschen Körper zu suchen habe, das weiß ich, / aber den deutschen Geist, sagt mir, wo findet man den?

Wo ich Liebe sehe, ist mir's immer, / als wäre ich im Himmel.

Wo ist die Natur als bei einem Bauer? Der ißt, trinkt, arbeitet, schläft und liebt so simpel weg und kümmert sich den Henker drum, in was für Firlfanzereien man all das in den Städten und am Hof vermaskeriert hat.

Wo keine Freiheit ist, wird jede Lust getötet.

Wo man irgendeine Mißbilligung, einen Tadel, auch nur ein Bedenken aussprechen soll, nehme ich nicht gern die Initiative; ich suche mir eine Autorität, bei welcher ich mich beruhigen kann, indem ich finde, daß mir ein anderer zur Seite steht. Loben tu' ich ohne Bedenken.

Wo nicht immer von oben die Ordnung und Reinlichkeit wirket, / da gewöhnet sich leicht der Bürger zu schmutzigem Saumsal, / wie der Bettler sich auch an lumpige Kleider gewöhnet.

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.

Wo viel verloren wird, ist manches zu gewinnen.

Wo wir uns bilden, da ist unser Vaterland.

Wodurch bewegt er alle Herzen? / Wodurch besiegt er jedes Element? / Ist es der Einklang nicht, der aus dem Busen dringt / und in sein Herz die Welt zurückeschlingt?

Wodurch ist Deutschland groß als durch eine bewundernswürdige Volkskultur, die alle Teile des Reiches gleichmäßig durchdrungen hat? Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze, von denen sie ausgeht und welche ihre Träger und Pfleger sind? Gesetzt, wir hätten in Deutschland seit Jahrhunderten nur die beiden Residenzstädte Wien und Berlin oder gar nur eine, da möchte ich doch sehen, wie es um die deutsche Kultur stände.

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, / der froh von ihren Taten, ihrer Größe / den Hörer unterhält und, still sich freuend, / ans Ende dieser schönen Reihe sich / geschlossen sieht! Denn es erzeugt nicht gleich / ein Haus den Halbgott, noch das Ungeheuer: / Erst eine Reihe Böser oder Guter / bringt endlich das Entsetzen, bringt die Freude / der Welt hervor.

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt.

Wohl ist sie schön, die Welt! In ihrer Weite / bewegt sich so viel Gutes hin und her. / Ach, daß es immer nur um einen Schritt / von uns sich zu entfernen scheint / und unsre bange Sehnsucht durch das Leben / auch Schritt vor Schritt bis nach dem Grabe lockt!

Wohlhabend ist jeder, der dem, was er besitzt, vorzustehen weiß; vielhabend zu sein ist eine lästige Sache, wenn man es nicht versteht.

Wollt ihr wissen, woher ich's hab, / mein Haus und Hab? / Hab allerlei Pfiff ersonnen, / es mit Müh, Schweiß und Angst gewonnen. / Genug, ich bin reich, / drum - ich auf euch!

Wollte Gott, alle Menschen wären eitel, wären es aber mit Bewußtsein, mit Maß und im rechten Sinne: So würden wir in der gebildeten Welt die glücklichsten Menschen sein.

Wollte man die Herrlichkeit des Frühlings und seiner Blüten nach dem wenigen Obst berechnen, das zuletzt noch von den Bäumen genommen wird, so würde man eine sehr unvollkommene Vorstellung jener lieblichen Jahreszeit haben.

Wolltest Herrliches gewinnen, / aber es gelang dir nicht. / Wem gelingt es? Trübe Frage, / der das Schicksal sich vermummt, / wenn am unglückseligsten Tage / blutend alles Volk verstummt.

Wonach soll man am Ende trachten? / Die Welt zu kennen und sie nicht verachten.

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