Traurigkeit, des Wahnsinns Amme.
Traut nicht den schlauen Wassern seiner Augen; / denn Bosheit ist nicht ohne solches Naß, / und der, der ausgelernt ist, läßt wie Bäche / des Mitleids und der Unschuld sie erscheinen.
Traut seinen Schwüren nicht: Denn sie sind Kuppler, / nicht von der Farbe ihrer äußern Tracht, / Fürsprecher sündlicher Gesuche bloß, / gleich frommen, heiligen Gelübden atmend, / um besser zu berücken.
Trennt Weisheit nicht von Ehre, bester Graf!
Treue nur fehlt dem Mann, vollkommen sich zu nennen.
Trost wohnt im Himmel, und wir sind auf Erden, / wo nicht als Kreuz, als Sorg' und Kummer lebt.
Trunken sein! Und wie ein Papagei plappern? Und renommieren und toben, fluchen und Bombast schwatzen mit unserm eignen Schatten? O du unsichtbarer Geist des Weins, wenn du noch keinen Namen hast, an dem man dich kennt, so heiße Teufel!
Tugend ist Schönheit.
Tun wir gleich Advokaten im Prozeß, / die tüchtig streiten, doch als Freunde schmausen!
Tut mädchenhaft, sagt immer "nein" und nehmt!
Töne, die durch Schmerz verstimmt sind schlimmer / als Priesterlug im Tempel.
Und ist mein ritterlicher Magen voll, / so saug' ich an den Zähnen und befrage / den Schönbart aus der Fremde: "Bester Herr", / so, auf den Arm mich stützen, fang ich an, / "Ich möcht' euch bitten", das ist Frage nun. / Und dann kommt die Antwort wie ein ABC-Buch. / "O Herr", sagt Antwort, "gänzlich zu Befehl, / wie's euch beliebt, zu euren Diensten, Herr." / Sagt Frage: "Nein bester Herr, zu Euren." / Und so, eh' Antwort weiß, was Frage will, / bloß mit dem Hinundherkomplimentieren / und Schwatzen von Alpen und Apeninen, / den Pyrenäen und dem Flusse Po / zieht es sich bis zur Abendmahlzeit hin. / Das ist hochadlige Gesellschaft.
Und sollt' ich dich aus Amme lehren lallen, / "Verzeihung" wär das erste Wort von allen.
Und viele Streich', obwohl von kleiner Axt / haun um und fällen selbst die härteste Eiche.
Und warum schelt' ich auf den Eigennutz? / Doch nur, weil er bis jetzt nicht um mich warb.
Und wen am ärgsten meine Torheit geißelt, / der muß am meisten lachen. Und warum? / Das fällt ins Auge wie der Weg zur Kirche. / Der, den ein Narr sehr weislich hat getroffen, / wär wohl so töricht, schmerzt' es noch so sehr, / nicht fühllos bei dem Schlag zu tun?
Und wie die Sonne bricht durch trübste Wolken, / so strahlt aus niedrigstem Gewand die Ehre.
Undankbarkeit, du marmorherziger Teufel, / abscheulicher, wenn du dich zeigst im Kinde.
Ungeduld begleitet wahre Leiden.
Unglücklich sind nicht wir allein, / und dieser weite, allgemeine Schauplatz / beut mehr betrübte Szenen dar als unsre.
Unheil beklagen, das nicht mehr zu bessern, / heißt umso mehr das Unheil nur vergrößern.
Unleugbar ist's und die Erfahrung lehrt, / wie Ruhmsucht zum Verbrechen sich entehrt: / Um Lob und Preis, um nichtige Erscheinung / entsagen wir des Herzens bess'rer Meinung.
Unruhig Essen gibt ein schlecht Verdaun.
Uns Alten ist's so eigen, wie es scheint, / Mit unsrer Meinung übers Ziel zu gehn, / Als häufig bei dem jungen Volk der Mangel an Vorsicht.
Unsere Philosophen sind dazu da, die übernatürlichen und unergründlichen Dinge alltäglich und trivial zu machen. Daher kommt es, daß wir mit Schrecknissen Scherz treiben und uns hinter unsere angebliche Wissenschaft verschanzen, wo wir uns vor einer unbekannten Gewalt fürchten sollten.
Unsre Lanzen sind nur Stroh, / gleich schwach wir selbst, schwach wie ein hilflos Kind.
Unsrer Väter Geist ist tot / Und das Gemüt der Mütter lenket uns, / Denn unser Joch und Dulden / zeigt uns weibisch.
Unter zwanzig vernünftigen Männern wird nicht einer sich selbst loben.
Verdacht wohnt stets im schuldigen Gemüt. / Der Dieb scheut jeden Busch als einen Häscher.
Vergebt, vergeßt, seid einig, ohne Haß! / Der Doktor sagt: Hier frommt kein Aderlaß.
Verlassen sei, was selber sich verläßt!
Verleumdung, / sie schneidet schärfer als das Schwert. Ihr Mund / vergiftet mehr als alles Nilgewürm. / Ihr Wort fährt auf dem Sturmwind und belügt / jedweden Erdstrich: Kaiser, Königinnen, / Fürsten, Matronen, Jungfraun. Ja, in Grabes / Geheimnis wühlt das Natterngift Verleumdung.
Verliebte Neigung schmält man nicht hinweg.
Verliebte sehen nicht / die artigen Kinderlein, die sie begehen.
Verliebte sehen nährt Verliebter Sinn.
Verliebten gnügt zu der geheimen Weihe / das Licht der eignen Schönheit.
Vernunft flieht das, was Schaden bringt. / Was Wunder denn, wenn Helenus gewahrt / den Griechen und sein Schwert, daß er selbst Fittige / tiefer Vernunft sich an die Fersen bindet / und wie Merkur, wenn Zeus ihn schilt, entflieht.
Verrat und Mord, sie hielten stets zusammen / wie ein Gespann von einverstandnen Teufeln.
Verschämte Lieb', ach! sie verrät sich schnell.
Versperrt dem Witz eines Weibes die Türen, so muß er zum Fenster hinaus. Mach das zu, so fährt er aus dem Schlüsselloch. Verstopft das, so fliegt er mit dem Rauch aus dem Schornstein.
Verstand / der Menschen ist ein Teil von ihrem Glück, / und äußre Dinge ziehn das innre Wesen / sich nach, daß eines wie das andre krankt.
Versteh ich deinen Kuß doch und du meinen, / und das ist ein gefühltes Unterreden.
Verstärk’ dich, Liebe! Sonst heißt’s, deine Klingen / sei’n stumpfer schon als die des Appetits.
Verzug führt Bettelei im lahmen Schneckenschritt.
Vielmehr erschein' ich wie der drohnde Krieg / auf eine Zeitlang, üppige Gemüter / zu heilen, die an eignem Glücke kranken, / zu reinigen die Verstopfung, welche schon / die Lebensadern hemmt.
Von allen Wundern, die ich je gehört, / scheint mir das größte, daß sich Menschen fürchten, / da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller, / kommt, wann er kommen soll.
Vor der Genesung einer heftigen Krankheit, / im Augenblick der Kraft und Besserung ist / am heftigsten der Anfall. Jedes Übel, / das Abschied nimmt, erscheint am übelsten.
Wahl, einmütiger Einklang alles Urteils / leiht Würde dem Erkornen, kocht heraus / gleichsam von unser aller Wert und Kraft / die Quintessenz des Manns'.
Wahnsinn bei Großen darf nicht ohne Wache gehn.
Wahnsinnige sind taub.