Johann Wolfgang von Goethe

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Die Idee eines bösen Geistes und eines Straf- und Quälortes nach dem Tode konnte keineswegs in dem Kreise meiner Ideen Platz finden. Ich fand die Menschen, die ohne Gott lebten, deren Herz dem Vertrauen und der Liebe gegen den Unsichtbaren zugeschlossen war, schon so unglücklich, daß eine Hölle und äußere Strafen mir eher für sie eine Linderung zu versprechen, als eine Schärfung der Strafe zu drohen schienen.

Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig.

Die Jugend ist vergessen, / aus geteilten Interessen; / das Alter ist vergessen, / aus Mangel an Interessen.

Die Jugend ist vergessen / aus geteilten Interessen; / Das Alter ist vergessen / Aus Mangel an Interessen.

Die Jugend und die schöne Liebe, alles hat sein Ende. und es kommt eine Zeit, wo man Gott dankt, wenn man irgendwo unterkriechen kann.

Die Jugend verschlingt nur, dann sauset sie fort. / Ich liebe, zu tafeln am lustigen Ort, / ich kost und ich schmecke beim Essen.

Die Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein.

Die Kinder haben wie die Hunde einen so scharfen und feinen Geruch, daß sie alles entdecken und auswittern und das Schlimme vor allem anderen. Sie wissen auch immer ganz genau, wie dieser oder jener Hausfreund zu ihren Eltern steht.

Die Kinder haben, fuhr Wilhelm fort, in wohleingerichteten und geordneten Häusern eine Empfindung, wie ungefähr Ratten und Mäuse haben mögen: Sie sind aufmerksam auf alle Ritzen und Löcher, wo sie zu einem verbotenen Naschwerk gelangen können; sie genießen es mit einer solchen verstohlenen wollüstigen Furcht, die einen großen Teil des kindischen Glücks ausmacht.

Die Kinder, als strebende Naturen, wählen sich gewöhnlich im Hause das Beispiel dessen, der am meisten zu leben und zu genießen scheint.

Die Kirche hat einen guten Magen, / hat ganze Länder aufgefressen / und doch noch nie sich übergessen; / die Kirch allein, meine lieben Frauen, / kann ungerechtes Gut verdauen.

Die Klugen haben miteinander viel gemein.

Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der Menschen.

Die Krankheit des Gemütes löset sich / in Klage und Vertraun am leichtsten auf.

Die Krankheit erst bewähret den Gesunden.

Die Kritik erscheint wie Ate: Sie verfolgt die Autoren, aber hinkend.

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.

Die Kunst ist lang! / Und kurz ist unser Leben.

Die Künstler sind wie Sonntagskinder; nur sie sehen Gespenster. Wenn sie aber ihre Erscheinung erzählt haben, so sieht sie jedermann.

Die Künstler werden nie bezahlt, sondern der Handwerker. Chodowiecki der Künstler, den wir alle bewundern, äße schmale Bissen, aber Chodowiecki der Handwerker, der die elendsten Sudeleien mit seinen Kupfern illuminiert, wird bezahlt.

Die Leidenschaften sind Mängel oder Tugenden, nur gesteigerte.

Die Leipziger sind als eine kleine moralische Republik anzusehen. Jeder steht für sich, hat einige Freunde und geht in seinem Wesen fort. Kein Oberer gibt einen allgemeinen Ton an, und jeder produziert sein kleines Original, er sei nun verständig, gelehrt, albern oder abgeschmackt, tätig, gutherzig, trokken oder eigensinnig und was der Qualitäten mehr sein mögen. Reichtum, Wissenschaft, Talente, Besitztümer aller Art geben dem Ort eine Fülle, die ein Fremder, wenn er es versteht, sehr wohl geniessen und nutzen kann.

Die Leute traktieren ihn, als wäre das unbegreifliche, gar nicht auszudenkende höchste Wesen nicht viel mehr als ihresgleichen. Sie würden sonst nicht sagen: "Der Herr Gott, der liebe Gott, der gute Gott." Er wird ihnen, besonders den Geistlichen, die ihn täglich im Munde führen, zu einer Phrase, zu einem bloßen Namen, wobei sie sich auch gar nichts denken. Wären sie aber durchdrungen von seiner Größe, sie würden verstummen und ihn vor Verehrung nicht nennen mögen.

Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet, und das ist mehr.

Die Liebe nennet sich zuerst Vertraulichkeit.

Die Liebe widersteht der Zeit, die alles raubt. / Man hat nie recht geliebt, wenn man sie endlich glaubt.

Die lieben Deutschen kenn` ich schon: Erst schweigen sie, dann mäkeln sie.

Die Literatur verdirbt sich nur in dem Maße, als die Menschen verdorbener werden.

Die Manier will immer fertig sein und hat keinen Genuß an der Arbeit. Das echte, wahrhaft große Talent aber findet sein höchstes Glück in der Ausführung.

Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen, / ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. / Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, / und jeder geht zufrieden aus dem Haus.

Die Mathematiker sind eine Art Franzosen: Redet man zu ihnen, so übersetzen sie es in ihre Sprache, und dann ist es alsobald ganz etwas anderes.

Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden.

Die Menge fragt bei einer jeden neuen bedeutenden Erscheinung, was sie nutze, und sie hat nicht unrecht; denn sie kann bloß durch den Nutzen den Wert einer Sache gewahr werden.

Die Menge hat immer Sinn genug, wenn die Obern damit begabt sind.

Die Menge macht den Künstler irr und scheu.

Die Menge schwankt im ungewissen Geist; / dann strömt sie nach, wohin der Strom sie reißt.

Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt, / und wer sie meidet, wird sie bald verkennen.

Die Menschen glauben, die Organe, ein Kunstwerk zu genießen, bildeten sich eben so von selbst aus wie die Zunge und der Gaumen.

Die Menschen kennen sich einander nicht. / Nur die Galeerensklaven kennen sich, / die eng an eine Bank geschmiedet keuchen, / wo keiner was zu fordern hat und keiner was zu verlieren.

Die Menschen machen mir durch Wahrheiten und Fabeln den Kopf warm, und wenn es nicht noch Berg und Gestein gäbe, so wüßt' ich nicht, wohin flüchten.

Die Menschen sind nicht nur zusammen, / wenn sie beisammen sind, / auch der Entfernte, der Abgeschiedene lebt in uns.

Die Menschen sind nur solange produktiv in Poesie und Kunst, wie sie noch religiös sind; dann werden sie bloß nachahmend und wiederholend.

Die Menschen sind wie das Rote Meer: Der Stab hat sie kaum auseinander gehalten, gleich hinterher fließen sie wieder zusammen.

Die Menschen sind, trotz allen ihren Mängeln, / das Liebenswürdigste, was es gibt.

Die Menschen werden an sich und andern irre, weil sie die Mittel als Zweck behandeln.

Die Menschen werden durch Gesinnungen vereinigt, durch Meinungen getrennt.

Die Menschen werden nur von Menschen gebildet, die Guten von Guten.

Die Menschen werden wohl über die Zwecke einig, viel seltener aber über die Mittel, dahin zu gelangen. Denn das wahre Große hebt uns über uns selbst hinaus und leuchtet uns vor wie ein Stern; die Wahl der Mittel aber ruft uns in uns selbst zurück.

Die Menschen werfen sich im Politischen wie auf dem Krankenlager von einer Seite auf die andere, weil sie glauben, dann besser zu liegen.

Die Menschen, da sie zum Notwendigen nicht hinreichen, bemühen sich ums Unnütze.

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