Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten nicht Wüsten bleiben; Drum stieg Amor herab, sieh, und es lebte die Welt.
Findet man mich aber freudig bei der Arbeit, unermüdet in meiner Pflicht, dann kann ich die Blicke eines jeden aushalten, weil ich die göttlichen nicht zu scheuen brauche.
Forsche der Philosoph, der Weltmann handle! Doch weh uns, / handelt der Forscher und gibt, der es vollzieht, das Gesetz.
Fort ist fort, und was einmal / dir ein Mächtiger nimmt, das hast du besessen. Der Klage / gibt man wenig Gehör, und sie ermüdet am Ende.
Frauen sollten durchaus mannigfaltig gekleidet gehen, jede nach eigner Art und Weise, damit eine jede fühlen lernte, was ihr eigentlich gut stehe und wohl zieme.
Fraun, gewöhnt an Männerliebe, / Wählerinnen sind sie nicht, / aber Kennerinnen! / Und wie goldlockigen Hirten / vielleicht schwarzborstigen Faunen, / wie es bringt die Gelegenheit, / über die schwellenden Glieder / vollerteilen sie gleiches Recht.
Frei will ich sein im Denken und im Dichten; / im Handeln schränkt die Welt genug uns ein.
Freigebiger wird betrogen, / Geizhafter ausgesogen, / Verständiger irregeleitet, / Vernünftiger leer geweitet, / der Harte wird umgangen, / der Gimpel wird gefangen. / Beherrsche diese Lüge, / Betrogener betrüge!
Freigebigkeit ist eine Tugend, die dem Mann ziemt, und Festhalten ist die Tugend eines Weibes.
Freiheit! Ein schönes Wort wer's recht verstände.
Freiherzige Wohltat wuchert reich.
Freilich bedeutet das Wort Schalk im gewöhnlichen Sinne eine Person, die mit Heiterkeit und Schadenfreude jemand einen Possen spielt; hier aber bedeutet's ein Frauenzimmer, das einer Person, von der es abhängt, durch Gleichgültigkeit, Kälte und Zurückhaltung, die sich oft in eine Art von Krankheit verhüllen, das Leben sauer macht. Es ist dies in jener Gegend etwas Gewöhnliches. Mir ist es einigemal vorgekommen, daß mir ein Einheimischer, gegen den ich diese und jene Frau schön pries, einwendete: "Aber sie ist ein Schalk." Ich hörte sogar, daß ein Arzt einer Dame, die viel von einem Kammermädchen litt, zur Antwort gab: "Es ist ein Schalk, da wird schwer zu helfen sein."
Freilich ist die Poesie nicht fürs Auge gemacht.
Freilich ist es auch kein Vorteil für die Herde, wenn der Schäfer ein Schaf ist.
Freilich sollten die geistlichen Herren sich besser betragen! / Manches könnten sie tun, wofern sie es heimlich vollbrächten; / aber sie schonen uns nicht, uns andere Laien, und treiben / alles, was ihnen beliebt, vor unseren Augen, als wären / wir mit Blindheit geschlagen.
Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre der möglich ohne Liebe?
Fremde Kinder lieben wir nie so sehr als die eigenen. / Irrtum, das eigene Kind, ist uns dem Herzen so nah.
Freudvoll / und leidvoll / gedankenvoll sein; / hangen / und bangen / in schwebender Pein, / himmelhoch jauchzend, / zu Tode betrübt; / glücklich allein / ist die Seele, die liebt.
Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump, / zu Wagen, Pferd und Fuße, / drum glaub an keinen Lumpen je, / an keines Lumpen Buße!
Freunde können und müssen Geheimnisse voreinander haben; sie sind einander doch kein Geheimnis.
Freunde offenbaren einander gerade das am deutlichsten, was sie einander verschweigen.
Frömmigkeit ist kein Zweck, sondern ein Mittel, um durch die reinste Gemütsruhe zur höchsten Kultur zu gelangen. Deswegen läßt sich bemerken, daß diejenigen, welche Frömmigkeit als Zweck und Ziel aufstecken, meistens Heuchler werden.
Frömmigkeit verbindet sehr, / aber Gottlosigkeit noch viel mehr.
Führen wir aber einen Unkundigen vor ein Gemälde von einigem Umfang, so werden wir sehen, wie ihn das Ganze unberührt läßt oder verwirrt, wie einzelne Teile ihn anziehen, andere ihn abstoßen, und wie er am Ende bei ihm bekannten, ganz kleinen Dingen stehenbleibt, indem er etwa lobt, wie doch dieser Helm und diese Feder so gut gemacht sei.
Fünfzig Jahre bleibt der Name vorzüglicher Menschen in der Erinnerung des Volks. Weiterhin Verschwindet er oder wird märchenhaft.
Für andere frein ist bedenklich.
Für die vorzüglichste Frau wird diejenige gehalten, welche ihren Kindern den Vater, wenn er abgeht, zu ersetzen im Stande wäre.
Für eine Nation ist nur das gut, was aus ihrem eigenen allgemeinen Bedürfnis hervorgegangen, ohne Nachäffung einer anderen. Denn was dem einen Volk auf einer gewissen Altersstufe wohltätige Nahrung sein kann, erweist sich vielleicht für ein anderes als ein Gift. Alle Versuche, irgendeine ausländische Neuerung einzuführen, wozu das Bedürfnis nicht im tiefen Kern der eigenen Nation wurzelt, sind daher töricht.
Für mein Gefühl ist man noch immer in der Nähe seiner Lieben, solange die Ströme von uns zu ihnen laufen.
Für Naturen wie die meine, die sich gerne festsetzen und die wichtigen Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar; sie berichtigt, belehrt und bildet.
Fürchterlich ist einer, der nichts zu verlieren hat.
Fürchterlich / ist der bedrängten Unschuld letzter Blick.
Fürstliche Personen werden so viel mit widerwärtigen Menschen geplagt, daß sie die widerwärtigeren Tiere als ein Heilmittel gegen dergleichen unangenehme Eindrücke betrachten. Uns anderen sind Affen und Geschrei der Papageien mit Recht widerwärtig, weil wir diese Tiere hier in einer Umgebung sehen, für die sie nicht gemacht sind. Wären wir aber in dem Fall, auf Elefanten unter Palmen zu reiten, so würden wir in einem solchen Element Affen und Papageien ganz gehörig, ja vielleicht gar erfreulich finden.
Fähigkeiten werden vorausgesetzt. Sie sollen zu Fertigkeiten werden. Dies ist der Zweck aller Erziehung.
Ganz eigen ist's mit mythologischer Frau: / Der Dichter bringt sie, wie er's braucht, zur Schau. / Nie wird sie mündig, wird nicht alt, / stets appetitlicher Gestalt, / wird jung entführt, im Alter noch umfreit; / gnug, den Poeten bindet keine Zeit.
Gar freundliche Gesellschaft leistet uns ein ferner Freund, wenn wir ihn glücklich wissen.
Gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn, / der überzeugt, indem er uns gebietet.
Gar manches Herz verschwebt im Allgemeinen, / doch widmet sich das edelste dem Einen.
Gar viele Dinge sind in dieser Welt, / die man dem andern gönnt und gerne teilt; / jedoch es ist ein Schatz, den man allein / dem Hochverdienten gerne gönnen mag, / ein andrer, den man mit dem Höchstverdienten / mit gutem Willen niemals teilen wird. / Und fragst du mich nach diesen beiden Schätzen: / Der Lorbeer ist es und die Gunst der Frauen.
Gar vieles kann, gar vieles muss geschehn, / Was man mit Worten nicht bekennen darf.
Gatten, die sich vertragen wollen, / lernens von uns beiden! / Wenn sich zweie lieben sollen, / braucht man sie nur zu scheiden.
Geben ist Sache des Reichen.
Geben sie uns zu Anfang eine Geschichte von wenig Personen und Begebenheiten, die gut erfunden und gedacht ist, wahr, natürlich und nicht gemein, so viel Handlung als unentbehrlich und so viel Gesinnung als nötig; die nicht still steht, sich nicht auf einem Flecke zu langsam bewegt, sich aber auch nicht übereilt; in der die Menschen erscheinen, wie man sie gern mag, nicht vollkommen, aber gut, nicht außerordentlich, aber interessant und liebenswürdig. Ihre Geschichte sei unterhaltend, so lange wir sie hören, befriedigend, wenn sie zu Ende ist, und hinterlasse uns einen stillen Reiz, weiter nachzudenken.
Gebildet ist ihr Geist, doch nicht zur Tat, / und wenn sie richtig fühlt und weise spricht, / so fehlt noch viel, daß sie gemessen handle.
Gebraten oder gesotten! / Ihr sollt nicht meiner spotten. / Was ihr euch heute getröstet, / ihr seid doch morgen geröstet.
Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen, / doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen!
Geburt und Geist geben dem, der sie einmal besitzt, ein Gepräge, das sich durch kein Inkognito verbergen läßt. Es sind Gewalten wie die Schönheit, denen man nicht nahekommen kann, ohne zu empfinden, daß sie höherer Art sind.
Gedankenlosigkeit, die uns den Wert des Augenblicks vergessen lässt.
Gedenke zu leben.
Gedenkt man, wie viel Menschen man gesehen, gekannt, und gesteht sich, wie wenig wir ihnen, wie wenig sie uns gewesen, wie wird uns da zu Mute! Wir begegnen dem Geistreichen, ohne uns mit ihm zu unterhalten, dem Gelehrten, ohne von ihm zu lernen, dem Gereisten, ohne uns zu unterrichten, dem Liebevollen, ohne ihm etwas Angenehmes zu erzeigen.