Johann Wolfgang von Goethe

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Gedichte sind gemalte Fensterscheiben! / Sieht man vom Markt in die Kirche hinein, / da ist alles dunkel und düster; / und so siehts auch der Herr Philister. / Der mag denn wohl verdrießlich sein / und lebenslang verdrießlich bleiben. / Kommt aber nur einmal herein! / Begrüßt die heilige Kapelle; / da ists auf einmal farbig helle.

Geduld und Pfiff zum letzten Knoten! / Gewöhnlich geht's am Ende scharf.

Gefühl ist alles. Name ist Schall und Rauch.

Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch, / umnebelnd Himmelsglut.

Gegen die Kritik kann man sich weder schützen noch wehren; man muß ihr zum Trutz handeln, und das läßt sie sich nach und nach gefallen.

Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe.

Gegenwart des Herrn / mehrt jedes Gute, steuert möglichem Verlust.

Geh den Weibern zart entgegen, / du gewinnst sie, auf mein Wort. / Und wer rasch ist und verwegen, / kommt vielleicht noch besser fort. / Doch wem wenig dran gelegen / scheinet, ob er reizt und rührt, / der beleidigt, der verführt.

Geh! Ihr seid der Frauen nicht wert! Wir tragen die Kinder / unter dem Herzen, und so tragen die Treue wir auch. / Aber ihr Männer, ihr schüttet mit eurer Kraft und Begierde / auch die Liebe zugleich in den Umarmungen aus!

Geheimnisse sind noch keine Wunder.

Geheimnisvoll am lichten Tag, / läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben, / und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag, / das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Geheimnisvolle Hilfe / kommt von dem Schwachen oft dem Stärkeren zugute.

Geht es doch unsern Vorsätzen wie unsern Wünschen: Sie sehen sich gar / nicht mehr ähnlich, wenn sie ausgeführt, wenn sie erfüllt sind.

Geist und Körper, innig sind sie ja verwandt. / Ist jener froh, gleich fühlt sich dieser frei und wohl, / und manches Übel flüchtet vor der Heiterkeit.

Geist und Sinne stumpfen sich so leicht gegen die Eindrücke des Schönen und Vollkommenen ab, dass man die Fähigkeit, es zu empfinden, bei sich auf alle Weise erhalten sollte.

Genie ist die Kraft des Menschen, welche durch Handeln und Tun Gesetz und Regel gibt.

Genie kann im Schönen und Vollkommenen verbleiben oder darüber hinausgehen ins Absurde.

Genieße mäßig Füll und Segen; / Vernunft sei überall zugegen, / wo Leben sich des Lebens freut. / Dann ist Vergangenheit beständig, / das Künftige voraus lebendig, / der Augenblick ist Ewigkeit.

Genießen macht gemein.

Genug, er war original, / und aus Originalität / er andern Narren gleichen tät.

Georgen wünsche ich Glück zur Liebschaft. Laß ihn bald heiraten, so ist für seine Erziehung gesorgt, wenn er einige Anlage hat, vernünftig zu werden.

Gerade da, was ungebildeten Menschen am Kunstwerk als Natur auffällt, das ist nicht Natur (von außen), sondern der Mensch (Natur von innen).

Gerechtigkeit: Eigenschaft und Phantom der Deutschen.

Geringeren Talenten genügt nicht die Kunst als solche. Sie haben während der Ausführung immer nur den Gewinn vor Augen, den sie durch ein fertiges Werk zu erreichen hoffen. Bei so weltlichen Zwecken und Richtungen aber kann nichts Großes zustande kommen.

Gern hören wir allerlei gute Lehr, / doch Schmähen und Schimpfen noch viel mehr.

Gerät ein Staat in Anarchie, sogleich tun sich verwegene, kühne, sittenverachtende Menschen hervor, augenblicklich gewaltsam wirkend, bis zum Entsetzen alle Mäßigung verbannend.

Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

Geschieht wohl, daß man einen Tag / weder sich noch andre leiden mag, / will nichts dir nach dem Herzen ein. / Sollts in der Kunst wohl anders sein? / Drum hetze dich nicht zur schlimmen Zeit; / denn Füll und Kraft sind nimmer weit: / Hast in der bösen Stund geruht, / ist dir die gute doppelt gut.

Gesellschaft bleibt eines wackern Mannes höchstes Bedürfnis. Alle brauchbaren Menschen sollen in Bezug untereinander stehen. wie sich der Bauherr nach dem Architekten und dieser nach Maurer und Zimmermann umsieht.

Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Charlatans.

Gesetzt aber, eines dramatischen Dichters körperliche Konstitution wäre nicht so fest und vortrefflich und er wäre vielmehr häufigen Kränklichkeiten und Schwächlichkeiten unterworfen, so würde die zur täglichen Ausführung seiner Szenen nötige Produktivität sicher sehr häufig stocken und oft wohl tagelang gänzlich mangeln. Wollte er nun, etwa durch geistige Getränke, die mangelnde Produktivität herbeinötigen und die unzulängliche dadurch steigern, so würde das allenfalls auch wohl angehen, allein man würde es allen Szenen, die er auf solche Weise gewissermaßen forciert hätte, zu ihrem großen Nachteil anmerken. Mein Rat ist daher, nichts zu forcieren und alle unproduktiven Tage und Stunden lieber zu vertändeln und zu verschlafen.

Gespannte Erwartung wird selten befriedigt.

Gesteht's! Die Dichter des Orients / sind größer als wir des Okzidents. / Worin wir sie aber völlig erreichen, / das ist im Haß auf unsresgleichen.

Gestern Abend habe ich ein recht psychologisches Kunststück gemacht. Die Herder war immer noch auf das Hypochondrischste gespannt über alles, was ihr in Karlsbad Unangenehmes begegnet war. Besonders von ihrer Hausgenossin. Ich ließ mir alles erzählen und beichten, fremde Unarten und eigene Fehler, mit den kleinsten Umständen und Folgen, und zuletzt absolvierte ich sie und machte ihr scherzhaft unter dieser Formel begreiflich, daß diese Dinge nun abgetan und in die Tiefe des Meeres geworfen seien. Sie ward selbst lustig darüber und ist wirklich kuriert.

Gesunde Menschen sind die, in deren Leibes- und Geistesorganisation jeder Teil eine vita propria hat.

Getretner Quark / wird breit, nicht stark.

Gewinnen kann, wer viel verloren, schnell.

Gewiss wird man durch anhaltende Bedienung vor der Zeit alt und unfähig.

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, daß der Verfasser etwas gewußt hat.

Gewiß bleibt es wunderbar, daß der Mensch das große Vorrecht, nach seinem Tode noch über seine Habe zu disponieren, sehr selten zu Gunsten seiner Lieblinge gebraucht und, wie es scheint aus Achtung für das Herkommen, nur diejenigen begünstigt, die nach ihm sein Vermögen besitzen würden, wenn er auch selbst keinen Willen hätte.

Gewiß ist der allein glücklich und groß, der weder zu herrschen noch zu gehorchen braucht, um etwas zu sein.

Gewiß ist ein ungeheurer Unterschied zwischen dem letzten Taler, den man borgt, und zwischen dem ersten, den man abbezahlt.

Gewöhnen Sie sich, wenn Sie einmal dichten wollen und müssen, ohne Zagen und Wählen niederzuschreiben, was Ihnen zu Mund und Feder fließt.

Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Gewöhnlich zerstreut der Sohn, was der Vater gesammelt hat, sammelt etwas anderes oder auf andere Weise. Kann man jedoch den Enkel, die neue Generation abwarten, so kommen dieselben Neigungen, dieselben Ansichten wieder zum Vorschein.

Gewöhnlich, sagte er, ist nichts lustiger, als wenn Schauspieler von Studieren sprechen; es kommt mir eben so vor, als wenn die Freimäurer von Arbeiten reden.

Gewöhnt sich / ungenügsam das Herz, so muß es vieles / vermissen.

Gibt sich die Welt nur darum so viel Mühe, uns zu bilden, um uns fühlen zu lassen, dass sie sich nicht bilden mag?

Glaube dich nicht allzu gut gebettet; / ein gewarnter Mann ist halb gerettet.

Glaube ist Liebe zum Unsichtbaren, Vertrauen aufs Unmögliche, Unwahrscheinliche.

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