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Emanuel Geibel

deutscher Schriftsteller (1815 - 1884)

96 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Wenn etwas gewaltiger ist als das Schicksal, so ist es der Mut, der es unerschüttert trägt.

  • Glaube, dem die Tür versagt, / steigt als Aberglaub' ins Fenster. / Wenn die Götter ihr verjagt, / kommen die Gespenster.

  • Die Zeit zum Handeln jedesmal verpassen, / nennt ihr "die Dinge sich entwickeln lassen". / Was hat sich denn entwickelt, sagt mir an, / das man zur rechten Stunde nicht getan?

  • Der Maulwurf hört in seinem Loch / ein Lerchenlied erklingen / und spricht: "Wie sinnlos ist es doch, / zu fliegen und zu singen!"

  • Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen.

  • Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik, / zu nah beschaut verwirrt es nur den Blick; / willst du des Ganzen Art und Sinn verstehn, / so mußt du's, Freund, aus rechter Ferne sehn.

  • Studiere und raste nie! / Du kommst nicht weit mit Deinen Schlüssen. / Das ist das Ende der Philosophie, / zu wissen, daß wir glauben müssen.

  • Das ist das alte Lied und Leid, / daß dir Erkenntnis erst gedeiht, / wenn Mut und Kraft verrauchen. / Die Jugend kann, das Alter weiß. / Du kaufst nur um des Lebens Preis / die Kunst, das Leben zu gebrauchen.

  • Lüge, wie sie schlau sich hüte, / bricht am Ende stets das Bein. / Kannst Du wahr sein nicht aus Güte, / lern', aus Klugheit wahr zu sein!

  • Liebe, die von Herzen liebt, / ist am reichsten, wenn sie gibt. / Liebe, die von Opfern spricht, / ist schon rechte Liebe nicht.

  • Recht ist hüben zwar wie drüben, / aber danach sollst du trachten, / eigne Rechte mild zu üben, / fremde Rechte streng zu achten.

  • Bei der Arbeit recht Beginnen, / beim Genießen rechter Schluß!

  • Lehr' nur die Jungen weisheitsvoll, / wirst ihnen keinen Irrtum sparen. / Was ihnen gründlich helfen soll, / das müssen sie eben selbst erfahren.

  • Ahnend sagt dir ein weiblich Gemüt, was gut und was schön sei, / doch mißtraue der Frau, wenn sie mit Gründen dir kommt!

  • Wie ein Adler aus dem Blauen / ist der Schmerz, der seine Klauen / jählings scharf ins Fleisch dir schlägt, / aber dann mit starkem Flügel / über Wipfel dich und Hügel / zu des Lebens Gipfeln trägt.

  • Was die Epoche besitzt, das verkündigen hundert Talente, / aber der Genius bringt ahnend hervor, was ihr fehlt.

  • Wer da fährt nach großem Ziel, / lern' am Steuer ruhig sitzen, / unbekümmert, wenn am Kiel / Lob und Tadel hochauf spritzen!

  • Was rühmst du deinen schnellen Ritt! / Dein Pferd ging durch und nahm dich / mit.

  • Du suchst umsonst auf irrem Pfade / die Liebe dir im Drang der Welt. / Ein Wunder ist die Liebe, Gnade, / die wie der Tau vom Himmel fällt. / Sie kommt wie Nelkenduft im Winde, / sie kommt, wie durch die Nacht gelinde / aus Wolken fließt des Mondes Schein. / Da gilt kein Ringen, kein Verlangen. / In Demut magst du sie empfangen, / als kehrt' ein Engel bei dir ein.

  • Süß ist's, den Reiz der Welt zu saugen, / wenn Herz und Sinn in Blüte steh'n, / doch süßer noch, mit deines Kindes Augen / die Welt noch einmal frisch zu seh'n.

  • Das höchste Glück hat keine Lieder, / der Liebe Lust ist still und mild. / Ein Kuß, ein Blicken hin und wider, / und alle Sehnsucht ist gestillt.

  • Weine dich aus im Schmerz! Dann greif entschlossen zur Arbeit! / Was die Träne nicht löst, löst, dich erquickend, der Schweiß.

  • Eifersucht macht scharfsinnig und blind, / sieht wie ein Schütz und trifft wie ein Kind.

  • Altern ist einsam werden und, die du liebest, begraben. / Wohl dir, wenn dir ein Kind hold die Verlornen ersetzt.

  • Des Schülers Kraft entzündet sich am Meister; / doch schürt sein jugendlicher Hauch / zum Dank des Meisters Feuer auch.

  • Das ist klarste Kritik von der Welt, / wenn neben das, was ihm mißfällt, / einer was Eigenes, Besseres stellt.

  • Irrtum ist Farbe, Wahrheit Licht.

  • Laß mir die Knaben vom Feste, / denn sie haben noch nichts erlebt! / Das ist am Weine das beste, / daß die Erinnerung drüberschwebt.

  • Stets zu Schwärmen gesellt sich das Volk der geschwätzigen Stare, / einsam sucht sich der Aar über den Wolken die Bahn.

  • Kommen Grillen, dich zu plagen, wiege sie mit Liedern ein.

  • Kannst du keine Blitze werfen, / Freund, so laß das Donnern auch!

  • Hoch vor allen / Gaben der Himmlischen / sei mir gepriesen / du, der Seele / labendes Wasser, / gliederlösender / heiliger Schlaf.

  • Nur, wer verzagend das Steuer losläßt. ist im Sturm verloren.

  • Als aus Eden verbannt untröstlich Eva sich härmte, / schenkte der Herr ihr das Kind, daß sie der Tränen vergaß.

  • Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen, / die Freundschaft kommt wie dämmernd Mondenlicht. / Die Liebe will erwerben und besitzen, / die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

  • Was du gründlich verstehst, das mache! / Was du gründlich erfuhrst, das sprich! / Bist du Meister im eigenen Fache, / schmäht kein Schweigen im fremden dich. / Das Reden von allem magst du gönnen / denen, die selbst nichts leisten können.

  • Der kleine Geist, fand er in Gott die Ruh, / schließt vor der Welt sich ängstlich bangend zu. / Der große strebt, gestählt an Kraft und Sinnen, / die Welt für Gott erobernd zu gewinnen.

  • Architektur und Musik, euch beide grüß ich als Schwestern, / die ihr die zwingende Kraft ewiger Maße bewährt.

  • Neu stets wollen sie sein und werden gesucht und geschmacklos. / Einfach Schönes gefällt heut, wie es gestern gefiel.

  • Zwischen Blumen und Wald hinrieselt ein Brunnen, das Volkslied. / Dort ins verjüngende Bad taucht sich die Muse bei Nacht.

  • Gott würde dich so hart nicht fassen, / hättest du sanft dich führen lassen.

  • Gibt die Not dich wieder frei, / prüfe dich mit frommem Eifer! / Ach, und wardst du drin nicht reifer, / spricht noch nicht: Sie ist vorbei!

  • Kommt dir ein Schmerz, so halte still / und frage, was er von dir will!

  • Die Dornen, die Disteln, die stechen gar sehr, / doch stechen die Altjungfernzungen noch mehr.

  • Aber die Zeiten vergehn, es vernarben die Wunden, und arglos / über die Stätten des Mords wandelt ein junges Geschlecht.

  • Dem Aste gleich, darauf der Vogel schlummert, ist / erlernte Weisheit dir ein Halt bei stiller Frist. / Doch in der Zeit des Sturms zerbricht gar leicht der Ast- / weh dir, wenn du alsdann nicht selber Flügel hast!

  • Undank ist ein arger Gast, / aber an den angetanen / Liebesdienst den Freund zu mahnen, / ist so arg wie Undank fast.

  • Bringe Scharfsinniges vor, so wird dich der Haufen beklatschen, / aber den Tiefsinn kann einzig die Tiefe verstehn.

  • Nicht wie die Mumie sei, dem Phönix gleiche die Kirche, / der sich den Holzstoß selbst türmt, wenn die Kraft ihm erlahmt. / Freudig den sterblichen Leib, den gealterten, gibt er den Flammen, / weiß er doch, daß ihn die Glut jugendlich wiedergebiert

  • Schöner / selbst als der vollste Besitz / ist die Erwartung des Glücks.

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