Anzeige

Berthold Auerbach

deutscher Schriftsteller (1812 - 1882)

43 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Leiste jeglichem und erwarte von niemandem.

  • Man kann einen Menschen schneller und leichter verderben als verbessern.

  • In großen Zeiten verschwindet alles kleine Leid und alle Einzelklage um eigenes Schicksal.

  • Man muß freie, einfache Gedanken des Lichtes täglich wiederholen, wie die Sonne täglich aufgeht und die Nacht verscheucht.

  • Der Ackerbau ist die Wurzel aller Bildung in der Welt.

  • Alle Liebe der Menschen muß erworben, erobert und verdient, über Hindernisse hinweg erhalten werden. Die Mutterliebe allein hat man unerworben und unverdient.

  • Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden.

  • Der untrüglichste Gradmesser für die Herzensbildung eines Volkes und eines Menschen ist, wie sie die Tiere betrachten und behandeln.

  • Wenn man verheiratet ist, ist's aus und vorbei mit dem Eigenwillen.

  • Für einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft. Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.

  • Es kann kein Mensch dem andern etwas vollkommen recht machen, aber dankbar kann man doch sein. Und Dank ist ein Boden, auf dem die Freude gedeiht.

  • Saget nicht: die Natur tröstet. Gegen einen positiven Schmerz, einen Verlust auf immer vermag sie nichts.

  • Du liebst die Reflexion nicht? Unmittelbare, oder durch die Kunst vermittelte Anschauung und Empfindung erscheint wie Wasser, die Reflexion wie Nebel, oder auch die Anschauung erscheint als Wärme, die allgemeine Betrachtung als Kälte; aber der Nebel kann zu Regen und Tau werden, und das erstarrte Leben wird grade durch Kälte wieder erwärmt.

  • Es ist doch nur ein Gott, der die Sonne scheinen und die Bäume wachsen läßt, und er weiß doch, wie es gemeint ist, ob man so oder so zu ihm betet.

  • Selbstbestimmung, Selbstregierung, Selbstführung sind die Grundbedingungen des modernen Lebens. – Je freier die Berufsart, um so stetiger bedarf es in ihr der Disziplin seiner selbst.

  • Eine große Frage der Lebenskunst ist, inwieweit wir unsere Persönlichkeit, unsere Eigentümlichkeit mit in die Gesellschaft nehmen und an sie hinausgeben dürfen. Zu viel Persönlichkeit atomisiert die Gesellschaft, zu wenig Persönlichkeit verflacht sie und macht sie farblos, fade und vag.

  • Man bedarf oft das Unnötigste am meisten.

  • Jugendeindrücke sind das ewig Bestimmende in einem Menschen. Es bildet sich da gleichsam ein geistiger Münzfuß aus, nach dem lebenslang gerechnet wird.

  • Bei einem echten Menschen heißt kennenlernen: lieben lernen.

  • Der Empfindsame ist der Waffenlose unter lauter Bewaffneten.

  • Die Ehre verpflichtet zur Sittlichkeit, der Ruhm noch mehr, die Macht am meisten.

  • Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat, der wäre auch nicht mit dem zufrieden, was er haben möchte.

  • Den Regen hört man fallen, den Schnee nicht. Der herbe Schmerz ist noch laut, der gefaßte ist still.

  • Eine Idee muß Wirklichkeit werden können, sonst ist sie eine eitle Seifenblase.

  • Aphoristische Bemerkungen sind oft wie ein farbloser Niederschlag aus lebendigen Wahrnehmungen, die erst demjenigen wieder einen farbigen Inhalt darbieten, der eine eigene Lebenserfahrung hinzubringt.

  • Nur der Mensch ist frei, der sich seine eigenen Gedanken im Kopfe ausbildet, niemand etwas nachspricht, was er nicht versteht und selber einsieht; der die Gesetze kennt, die Gott in seine Brust geschrieben hat, und ohne Menschenfurcht ihnen gerecht zu werden strebt.

  • Heimisch in der Welt wird man nur durch Arbeit. Wer nicht arbeitet, ist heimatlos.

  • Alles Leben draußen ist nur wie ein Schlafen in Kleidern. Daheim erst liegt man im Bett.

  • Was ein Mensch in der Welt auch tue, und sei es noch so weitwirkend: Hat er nicht seine Pflicht gegen seine Eltern erfüllt, so ist alles andre hinfällig.

  • Von allen Qualen, die den Menschen heimsuchen können, ist die Selbstverachtung die höchste.

  • Nur arbeitsame Menschen sind aus sich heraus fröhlich, friedlich und gut.

  • Der Mensch lebt nicht voll, wenn er nur für sich lebt und sein Dasein bewahrt.

  • Warum hat keine Religion vor allem andern das Gebot Du sollst arbeiten?

  • Weichliche Naturen machen gerne energische Programme von weit ausgreifendem Umfang und erschöpfen im Programm ihren momentanen Enthusiasmus.

  • Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt, sondern eine verhärtete Form derselben: Die Sitte.

  • Die Einsamkeit hat eine heilende Trösterin, Freundin, Gespielin: es ist die Arbeit.

  • Wo die eigene Kraft dich verläßt und zur Neige ist, wo du nicht mehr fassen, wirken und schaffen kannst: da fügen sich die Hände still ineinander, und dieses Sinnbild spricht: "Ich kann nicht mehr, waltet ihr, ihr ewigen Mächte!

  • Keine Lehre, keine noch so hohe, ändert der Menschen Sinn. Nur das Leben, Anschauen, die Erfahrung der Tatsachen an sich und anderen, nur das bekehrt. Das ist ja das Elend der Dogmatik, daß sie lehren will, was nur das Leben gibt.

  • Alle Religionen sind schön, die uns zu guten Menschen machen.

  • Was wäre die Erfüllung der Pflicht, wenn sie kein Opfer kostete?

  • Nur ein in sich versöhntes und befriedigtes Herz kann versöhnend und befriedigend wirken.

  • Wenn der Tod die Lippen geschlossen, die dich Kind nennen mußten, ist dir ein Lebensatem verschwunden, der nimmer wiederkehrt.

  • Es gibt Gefahren, denen zu entfliehen nicht Feigheit ist, sondern höchster Mut, die Kraft, sich selbst zu besiegen.

Anzeige