Die Vaterschaft beruht überhaupt nur auf der Überzeugung.
Die Verdammnis, daß wir des Landes Mark verzehren, läßt keinen Segen der Behaglichkeit grünen.
Die Vernunft des Menschen und die Vernunft der Gottheit sind zwei sehr verschiedene Dinge.
Die Vernunft ist grausam, das Herz ist besser.
Die vielbesprochene Wertherzeit gehört, wenn man es näher betrachtet, freilich nicht dem Gange der Weltkultur an, sondern dem Lebensgang jedes Einzelnen, der mit angeborenem freiem Natursinn sich in die beschränkenden Formen einer veralteten Welt finden und schicken lernen soll. Gehindertes Glück, gehemmte Tätigkeit, unbefriedigte Wünsche, sind nicht Gebrechen einer besonderen Zeit, sondern jedes einzelnen Menschen.
Die vollendete sittliche Größe ist in keinem Individuum der Menschheit vorhanden, wird also nur gedacht und nirgends angeschaut.
Die Vorsicht stellt der List sich klug entgegen.
Die Wahl der Gegenstände zeigt immer, was einer für ein Mann und wes Geistes Kind er ist.
Die Wahl ist schwerer als das Übel selbst, / die zwischen zweien Übeln schwankend bebt.
Die wahre Freundschaft zeigt sich im Versagen / zur rechten Zeit, und es gewährt die Liebe / gar oft ein schädlich Gut, wenn sie den Willen / des Fordernden mehr als sein Glück bedenkt.
Die wahre Liberalität ist Anerkennung.
Die Wahrheit widerspricht unserer Natur, der Irrtum nicht, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: Die Wahrheit fordert, daß wir uns für beschränkt erkennen sollen, der Irrtum schmeichelt uns, wir seien auf eine oder die andere Weise unbegrenzt.
Die Weiber müßten nur lieben oder hassen; da wären sie ganz charmant. Die Männer aber müßten weder lieben noch hassen. So käme alles wieder ins Gleichgewicht.
Die Weiber sind rechte Egoisten, indem man nur in ihr Interesse fällt, sofern sie uns lieben oder wir ihre Liebhaber machen oder sie uns Liebhabern wünschen. Eine ruhige, freie, absichtslose Teilnahme und Beurteilung fällt ganz außer ihrer Fähigkeit.
Die Weiber, die Weiber! Man vertändelt gar zu viel Zeit mit ihnen.
Die Weiber, sagt man, sind eitel von Hause aus. Doch es kleidet sie, und sie gefallen uns um so mehr.
Die Weisheit ist nur in der Wahrheit.
Die Welle beugt sich jedem Winde gern.
Die Welt ist ein Gefängnis.
Die Welt ist eine Glocke, die einen Riß hat: Sie klappert, aber klingt nicht.
Die Welt ist nicht aus Brei und Mus geschaffen, / deswegen haltet euch nicht wie Schlaraffen! / Harte Bissen gibt es zu kauen. / Wir müssen erwürgen oder sie verdauen.
Die Welt ist so groß und so reich und das Leben so mannigfaltig, daß es an Anlässen zu Gedichten nie fehlen wird. Aber es müssen alles Gelegenheitsgedichte sein, das heißt, die Wirklichkeit muß die Veranlassung und den Stoff dazu hergeben.
Die Welt ist so leer, wenn man nur Berge, Flüsse und Städte darin denkt, aber hie und da jemand zu wissen, der mit uns übereinstimmt, mit dem wir auch stillschweigend fortleben: Das macht uns dieses Erdenrund erst zu einem bewohnten Garten.
Die Welt ist undankbar, sagen viele. Ich habe noch nicht gefunden, daß sie undankbar sei, wenn man auf die rechte Art etwas für sie zu tun weiß.
Die Welt ist voller Widerspruch.
Die Welt ist wie ein Strom, der in seinem Bette fortläuft, bald hier, bald da zufällig Sandbänke ansetzt und von diesen wieder zu einem anderen Weg genötigt wird.
Die Welt tut ihr möglichstes, uns gegen Lob und Tadel gleichgültig zu machen; aber es gelingt ihr denn doch nicht, und wir kehren, wenn wir günstige und zugleich im ganzen mit unseren Überzeugungen zusammentreffende Urteile vernehmen, immer gar zu gern aus unserer Resignation zum Genuß zurück.
Die Welt urteilt nach dem Scheine.
Die Wissenschaft wird dadurch sehr zurückgehalten, daß man sich abgibt mit dem, was nicht wissenswert, und mit dem, was nicht wißbar ist.
Die Wissenschaften zerstören sich auf doppelte Weise selbst: Durch die Breite, in die sie gehen, und durch die Tiefe, in die sie sich versenken.
Die Überzeugung unserer Fortdauer entspringt mir aus dem Begriff der Tätigkeit; wenn ich bis an mein Ende rastlos wirke, so ist die Natur verpflichtet, mir eine andere Form des Daseins anzuweisen, wenn die jetzige meinen Geist nicht ferner auszuhalten vermag.
Die Zeit entschuldigt, wie sie tröstet.
Die Zeit ist ein wunderlich Ding. Sie ist ein Tyrann, der seine Launen hat und der zu dem, was einer sagt und tut, in jedem Jahrhundert ein ander Gesicht macht.
Die Zeit rückt fort und in ihr Gesinnungen, Meinungen, Vorurteile und Liebhabereien. Fällt die Jugend eines Sohnes gerade in die Zeit der Umwendung, so kann man versichert sein, daß er mit seinem Vater nichts gemein haben wird.
Die Zeit verschiebt nicht nur die Zwekke, / auch andre Mittel fordert sie.
Die Zeit wird Ihnen lang. Das vermute ich. Wenn man nichts anderes tut, als sie sich vertreiben, so muß einem notwendig oft zur Last werden.
Die Zeiten der Vergangenheit / Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
Die Zudringlichkeiten junger Dilettanten muss man mit Wohlwollen ertragen: Sie werden im Alter die wahrsten Verehrer der Kunst und des Meisters.
Diejenigen Naturen, die sich beim Zusammentreffen einander schnell ergreifen und wechselseitig bestimmen, nennen wir verwandt.
Dienen lerne bei Zeiten das Weib nach ihrer Bestimmung; / denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen, / zu der verdienten Gewalt, die doch ihr im Hause gehöret. / Dienet die Schwester dem Bruder doch früh, sie dienet den Eltern, / und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen / oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen für andre. / Wohl ihr, wenn sie daran sich gewöhnt, daß kein Weg ihr zu sauer / wird und die Stunden der Nacht ihr sind wie die Stunden des Tages, / daß ihr niemals die Arbeit zu klein und die Nadel zu fein dünkt, / daß sie sich ganz vergißt und leben mag nur in andern! / Denn als Mutter, fürwahr, bedarf sie der Tugenden alle, / wenn der Säugling die Krankende weckt und Nahrung begehret / von der Schwachen, und so zu Schmerzen Sorgen sich häufen. / Zwanzig Männer verbunden ertrügen nicht diese Beschwerde, / und sie sollen es nicht; doch sollen sie dankbar es einsehn.
Dies ist der Jugend edelster Beruf: / Die Welt, sie war nicht, eh ich sie erschuf! / Die Sonne führt ich aus dem Meer herauf; / mit mir begann der Mond des Wechsels Lauf. / Da schmückte sich der Tag auf meinen Wegen, / die Erde grünte, blühte mir entgegen. / Auf meinen Wink, in jener ersten Nacht, / entfaltete sich aller Sterne Pracht.
Dies ist's, was am meisten aufheitert, wenn man an Orte kommt, wo der Krieg wirklich getobt hat, und doch noch alles auf den Füßen findet.
Diesen Amboß vergleich ich dem Lande, den Hammer dem Fürsten / und dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt. / Wehe dem armen Blech, wenn nur willkürliche Schläge / ungewiß treffen.
Dieser Erdenkreis gewährt noch Raum zu großen Taten.
Dieser ist mir Freund, der mit mir Strebendem wandelt. / Lädt er zum Sitzen mich ein, stehl ich für heute mich weg.
Dieser Teekessel diente schon meinen Eltern und war ein Zeuge unserer abendlichen Familienversammlungen; dieser kupferne Kaminschirm schützt mich noch immer vor dem Feuer, das diese alte mächtige Zange anschürt; und so geht es durch alles durch. Anteil und Tätigkeit konnt' ich daher auf gar viel andere Gegenstände wenden, weil ich mich mit der Veränderung dieser äußeren Bedürfnisse, die so vieler Menschen Zeit und Kräfte wegnimmt, nicht weiter beschäftigte.
Dieses ist das Bild der Welt, / die man für die beste hält: / Fast wie eine Mördergrube, / fast wie eines Burschen Stube, / fast so wie ein Opernhaus, / fast wie ein Magisterschmaus, / fast wie Köpfe von Poeten, / fast wie schöne Raritäten, / fast wie abgehatztes Geld / sieht sie aus, die beste Welt.
Dieweil nun Affe, Mensch und Kind / zur Nachahmung geboren sind.
Dir frommt an jedem Ort, zu jeder Zeit: / Geradheit, Urteil und Verträglichkeit.
Dir mit Wohlgeruch zu kosen, / deine Freuden zu erhöhn, / knospend müssen tausend Rosen / erst in Gluten untergehn.