Johann Wolfgang von Goethe

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Glaube nur, ein Volk wird nicht alt, nicht klug, ein Volk bleibt immer kindisch.

Glaube, daß der in unser Herz diese Gefühle legte, die uns oft so elend machen, auch Trost und Hilfe dafür bereiten kann!

Glaube, Liebe, Hoffnung fühlten einst in ruhiger geselliger Stunde einen platischem Trieb in ihrer Natur; sie befleißigten sich zusammen und schufen ein liebliches Gebild, eine Pandora im höhern Sinne: Die Geduld.

Glaubt ihr, daß ich in der Welt bin, um Rat zu geben? Das ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Gerät es gut, so freue er sich seiner Weisheit und seines Glücks; läuft's übel ab, dann bin ich bei der Hand.

Gleich zu sein unter Gleichen, / das läßt sich schwer erreichen: / Du müßtest ohne Verdrießen, / wie der Schlechteste zu sein dich entschließen.

Glück macht Mut

Glücklich allein ist die Seele, die liebt.

Glücklich ist der, dem sein Geschäft auch zur Puppe wird, der mit demselben zuletzt noch spielt und sich an dem ergötzt, was ihm sein Zustand zur Pflicht macht.

Glücklich, wem doch Mutter Natur die rechte Gestalt gab; / denn sie empfiehlet ihn stets, und nirgends ist er ein Fremdling!

Glücklich, wer den Fehlschluß von seinen Wünschen auf seine Kräfte bald gewahr wird!

Glücklicherweise kann der Mensch nur einen gewissen Grad des Unglücks fassen. Was darüber hinausgeht, vernichtet ihn oder läßt ihn gleichgültig.

Gold kauft die Stimme großer Haufen, kein einzig Herz erwirbt es dir.

Gott hat die Gradheit selbst ans Herz genommen. / Auf gradem Weg ist niemand umgekommen.

Gott hat sich nach den bekannten imaginierten sechs Schöpfungstagen keineswegs zur Ruhe begeben, vielmehr ist er noch fortwährend wirksam wie am ersten! Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in höheren Naturen wirksam, um die geringeren heranzuziehen.

Gott, wenn wir hoch stehen, ist alles; stehen wir niedrig, so ist er ein Supplement unsrer Armseligkeit.

Gottes ist der Orient! / Gottes ist der Okzident! / Nord- und südliches Gelände / ruht im Frieden seiner Hände.

Grabet euer Feld ins zierlich Reine, / daß die Sonne gern den Fleiß bescheine; / wenn ihr Bäume pflanzt, so sei's in Reihen, / denn sie läßt Geordnetes gedeihen.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie / und grün des Lebens goldner Baum.

Greift nur hinein ins volle Menschenleben! / Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt, / und wo Ihr's packt, da ist's interessant.

Groß sind des Berges Kräfte; / Da wirkt Natur so übermächtig frei, / Der Pfaffen Stumpfsinn / schilt es Zauberei.

Große Gedanken und ein reines Herz, das ist's, was wir uns von Gott erbitten sollten!

Große Talente sind das schönste Versöhnungsmittel.

Großen Dank verdient die Natur, daß sie in die Existenz eines jeden lebendigen Wesens auch so viel Heilungskraft gelegt hat, daß es sich, wenn es an dem einen oder dem anderen Ende zerrissen wird, selbst wieder zusammenflicken kann; und was sind die tausendfältigen Religionen anders als tausendfache Äußerungen dieser Heilungskraft.

Gut gesessen ist halb gegessen.

Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.

Gut verloren - etwas verloren! / Mußt rasch dich besinnen / un neues gewinnen. / Ehre verloren - viel verloren! / Mußt Ruhm gewinnen, / da werden die Leute sich anders besinnen. / Mut verloren - alles verloren! / Da wär es besser, nicht geboren.

Gute Priester sind täglich und stündlich im Dienste des Herren / fleißig begriffen und üben das Gute; der heiligen Kirche / sind sie nütze; sie wissen die Laien durch gutes Exempel / auf dem Wege des Heils zur rechten Pforte zu leiten.

Guter Wille ist höher als aller Erfolg.

Hab euch nun gesagt des Pfaffen Geschicht, / wie er alles nach seinem Gehirn einricht, / wie er will Berg und Tal vergleichen, / alles Rauhe mit Gips und Kalk verstreichen / und endlich malen auf das Weiß / sein Gesicht oder seinen Steiß.

Hab's geschrieben in guter Zeit, / Tags, Abends und Nachts Herrlichkeit / und find nicht halb die Freude mehr, / da nun gedruckt ist ein ganzes Heer. / Find, daß es wie mit den Kindern ist, / bei denen doch immer die schönste Frist / bleibt, wenn man in der schönen Nacht / sie hat der lieben Frau gemacht.

Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie! / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. / Da steh ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor.

Habens gekauft; es freut sie baß. / Eh man's denkt, so betrübt sie das.

Habt Dank, ihr Dietriche, ihr seid der Trost der Welt. / Durch euch erlang ich ihn, den großen Dietrich Geld.

Habt ihr gelogen in Wort und Schrift, / andern ist es und euch ein Gift.

Halte das Bild der Würdigen fest! Wie leuchtende Sterne / teilte sie aus die Natur durch den unendlichen Raum.

Halte dich nur im stillen rein / und laß es um dich wettern! / Je mehr du fühlst, ein Mensch zu sein, / desto ähnlicher bist du den Göttern.

Hammer zu sein scheint jedem rühmlicher und wünschenswerter als Amboß, und doch - was gehört nicht dazu, diese unendlichen, immer wiederkehrenden Schläge auszuhalten!

Handeln ist leicht, Denken schwer, nach dem Gedanken handeln unbequem.

Hast du ein gegründet Haus, / fleh die Götter alle, / daß es, bis man dich trägt hinaus, / nicht zu Schutt zerfalle / und noch lange hinterdrein / Kindeskindern diene / und umher ein frischer Hain / immer neu ergrüne.

Hast du es so lange wie ich getrieben, / versuche wie ich, das Leben zu lieben!

Hat dich Hymen geflohn? Hast du ihn gemieden? - Was sag ich? / Hymen! Köstlich ist er, aber zu ernsthaft für mich. / Aus dem Ehbett darf man nicht schwätzen und Dichter sind schwatzhaft. / Freie Liebe, sie läßt frei uns die Zunge, den Mut.

Hat er Glück, so hat er auch Vasallen.

Hatten die Eltern die Braut für ihren Sohn sich ersehen, / ward zuvörderst ein Freund vom Hause vertraulich gerufen. / Diesen sandte man dann als Freiersmann zu den Eltern / der erkorenen Braut, der dann in stattlichem Putze / sonntags etwa nach Tische den würdigen Bürger besuchte, / freundliche Worte mir ihm im allgemeinen zuvörderst / wechselnd und klug das Gespräch zu lenken und wenden verstehend. / Endlich nach langem Umschweif ward auch der Tochter erwähnet, / rühmlich, und rühmlich des Manns / und des Hauses, von dem man gesandt war. / Kluge Leute merkten die Absicht; der kluge Gesandte / merkte den Willen gar bald und konnte sich weiter erklären. / Lehnte den Antrag man ab, so war auch ein Korb nicht verdrießlich. / Aber gelang es denn auch, so war der Freiersmann immer / in dem Hause der Erste bei jedem häuslichen Feste; / denn es erinnerte sich durch's ganze Leben das Ehpaar, / daß die geschickte Hand den ersten Knoten geschlungen.

Heil den unbekannten / Höhern Wesen, / Die wir ahnen! / Ihnen gleiche der Mensch; / Sein Beispiel lehr' uns / Jene glauben.

Herr Bruder, nein! Ich bin nicht gern geniert. / Geschwind, daß wir das Wildbret nicht verlieren! / Die Hand, die samstags ihren Besen führt, / wird sonntags doch am besten karessieren.

Herrschen und genießen geht nicht zusammen. Genießen heißt, sich und andern in Fröhlichkeit angehören; herrschen heiß, sich und andern im ernstlichsten Sinne wohltätig sein.

Heut ist mir alles herrlich; wenn's nur bliebe! / Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe.

Heute geh ich. Komm ich wieder, / Singen wir ganz andre Lieder. / Wo so viel sich hoffen lässt, / Ist der Abschied ja ein Fest.

Heutzutage will freilich niemand mehr etwas von Exposition wissen. Die Wirkung, die man sonst im dritten Akt erwartete, will man jetzt schon in der ersten Szene haben, und man bedenkt nicht, daß es mit der Poesie wie mit dem Seefahren ist, wo man erst vom Ufer stoßen und erst auf einer gewissen Höhe sein muß, bevor man mit vollen Segeln gehen kann.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

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