Sei nicht ungeduldig, wenn man deine Argumente nicht gelten läßt.
Seid mir willkommen, süße Buhlerinnen; / denn ihr allein verschönt uns doch die Welt! / Ihr lasset uns im Augenblick gewinnen, / was Prüderie uns jahrelang verhält. / Was sie nicht fühlt, sie weiß es zu ersinnen, / wie selbstgefällig froh sie sich verstellt, / von Eva her geschaffen zum Betrügen, / sie kleidet nichts so gut, als wenn sie lügen.
Sein Auge weilt auf dieser Erde kaum; / sein Ohr vernimmt den Einklang der Natur; / was die Geschichte reicht, das Leben gibt, / sein Busen nimmt es gleich und willig auf: / Das weit Zerstreute sammelt sein Gemüt, / und sein Gefühl belebt das Unbelebte. / Oft adelt er, was uns gemein erschien, / und das Geschätzte wird vor ihm zu nichts. / In diesem eignen Zauberkreise wandelt / der wunderbare Mann und zieht uns an, / mit ihm zu wandeln.
Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich dagegenstellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.
Sein Jahrhundert kann man nicht ändern; aber man kann sich dagegen stellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.
Sein launisch Mißbehagen / ruht auf dem breiten Polster seines Glücks.
Seit ich gewahr wurde, wie man sich von innen selbst schmücken könne, komm' ich mir wieder recht schön vor.
Selbst als Mann und Hausvater pflegte er sich manchmal etwas, das ihm Freude würde gemacht haben, zu versagen, um nur nicht aus der Übung einer so schönen Tugend zu kommen, und seine ganze Erziehung bestand gewissermaßen darin, daß seine Kinder sich gleichsam aus dem Stegreife etwas mußten versagen können. Auf eine Weise, die ich im Anfang nicht billigen konnte, untersagte er zum Beispiel einem Knaben bei Tische, von einer beliebten Speise zu essen. Zu meiner Verwunderung blieb der Knabe heiter, und es war, als wenn weiter nichts geschehen wäre.
Selbst den Geringsten erhebt der Todesgefahren Verachtung.
Selbst erfinden ist schön; doch glücklich von andern Gefundnes / fröhlich erkannt und geschätzt, nennst du das weniger dein?
Selbst wer gebieten kann, muß überraschen.
Selbstlob! Nur dem Neide stinkt's. / Wohlgeruch Freunden / und eignem Schmack!
Selig, wer sich vor der Welt / ohne Haß verschließt, / einen Freund am Busen hält / und mit dem genießt.
Seltsam ist Propheten Lied, / doppelt seltsam, was geschieht.
Setze mir nicht, du Grobian, / mir den Krug so derb vor die Nase! / Wer mir Wein bringt, sehe mich freundlich an, / sonst trübt sich der Eilfer im Glase.
Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden.
Shakespeare ist gar zu reich und gewaltig. Eine produktive Natur darf alle Jahr nur ein Stück von ihm lesen, wenn sie nicht an ihm zugrundegehen will. Ich tat wohl, daß ich durch meinen Götz von Berlichingen und Egmont ihn mir vom Hals schaffte, und Byron tat sehr wohl, daß er vor ihm nicht zu großen Respekt hatte und seine eigenen Wege ging.
Sich als Hagestolz allein zum Grab zu schleifen, / das hat noch keinem wohlgetan.
Sich auf ein Handwerk zu beschränken, ist das Beste.
Sich in seiner Beschränktheit gefallen, ist ein elender Zustand; in Gegenwart des Besten seine Beschränktheit fühlen, ist freilich ängstlich, aber diese Angst erhebt.
Sich mitzuteilen ist Natur; Mitgeteiltes aufzunehmen, wie es gegeben wird, ist Bildung.
Sich selbst erhalten bleibt der Selbstsucht Lehre, / nicht Dankbarkeit und Neigung, Pflicht und Ehre.
Sich voneinander abzusondern ist die Eigenschaft der Deutschen; ich habe sie noch nie verbunden gesehen als im Haß gegen Napoleon. Ich will nur sehen, was sie anfangen werden, wenn dieser über den Rhein gebannt ist.
Sich zu schmücken begierig verfolgte den rinnenden Bach einst / früh die Muse hinab, sie suchte die ruhigste Stelle. / Eilend und rauschend indes verzog die schwankende Fläche / stets das bewegliche Bild. Die Göttin wandte sich zürnend. / Doch der Bach rief hinter ihr drein und höhnte sie: "Freilich / magst du die Wahrheit nicht sehn, wie rein dir mein Spiegel sie zeiget!" / Aber indessen stand sie schon fern am Winkel des Sees, / ihrer Gestalt sich erfreuend, und rückte den Kranz sich zurechte.
Sie erinnern sich wohl, was ein Reisender von der Stadt Grätz erzählt: Daß er darin so viele Hunde und so viele stumme, halb alberne Menschen gefunden habe. Sollte es nicht möglich sein, daß der habituelle Anblick von bellenden unvernünftigen Tieren auf die menschliche Generation einigen Einfluß haben könnte?
Sie glauben, miteinander zu streiten, / und fühlen das Unrecht von beiden Seiten.
Sie habe gefunden, daß die Gefahren, die man für ihr Geschlecht befürchte, nur eingebildet seien, und daß die Ehre eines Weibes, selbst unter Straßenräubern, nur bei Schwäche des Herzens und der Grundsätze Gefahr laufe.
Sie hatte in ihrem Leben genugsam einsehen gelernt, wie hoch jede wahre Neigung zu schätzen sei, in einer Welt, wo Gleichgültigkeit und Abneigung eigentlich recht zu Hause sind.
Sie klagen über Einsamkeit! Ach, daß das Schicksal der edelsten Seelen ist, nach einem Spiegel ihres Selbst vergebens zu seufzen!
Sie lehren gut; denn sie sind ohne Leidenschaft.
Sie scheinen mir aus einem edlen Haus: / Sie sehen stolz und unzufrieden aus.
Sie schelten einander Egoisten; / will jeder doch nur sein Leben fristen. / Wenn der und der ein Egoist, / so denke, daß du es selber bist! / Du willst nach deiner Art bestehn, / muß selbst auf deinen Nutzen sehn! / Dann werdet ihr das Geheimnis besitzen; / euch sämtlich untereinander zu nützen; / doch den laßt nicht zu euch herein, / der andern schadet, um etwas zu sein!
Sie sind mir vorgekommen wie die Billardkugeln, die auf der grünen Decke blind durcheinanderlaufen, ohne voneinander zu wissen, und die, sobald sie sich berühren, nur desto weiter auseinander fahren.
Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen / Gelassen da und möchten gern erstaunen.
Sie stehen jetzt auf dem Punkt. wo Sie notwendig zum eigentlich Hohen und Schweren der Kunst durchbrechen müssen, zur Auffassung des Individuellen. Sie müssen mit Gewalt, damit Sie aus der Idee herauskommen.
Sie streiten sich, so heißt's um Freiheitsreche: / Genau besehn, sind's Knechte gegen Knechte.
Sie täten gern große Männer verehren, / wenn diese nur auch zugleich Lumpe wären.
Sie war nicht liebenswürdig, wenn sie liebte, und das ist das größte Unglück, das einem Weibe begegnen kann.
Sie wissen, wie ich alles Extemporieren hasse. Vollends eine Verlobung oder Heirat aus dem Stegreife war mir von jeher ein wahrer Greuel. Eine Liebe kann wohl im Nu entstehen, und jede echte Neigung muß irgend einmals gleich dem Blitze plötzlich aufgeflammt sein. Aber wer wird sich denn gleich heiraten, wenn man liebt? Liebe ist etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles, und nie verwechselt man ungestraft das Ideelle mit dem Reellen.
Sie wollen immer reizen, um niemals zu befriedigen.
Sie äußerte oft, daß eine Frau, die das Hauswesen recht zusammenhalte, ihrem Manne jede kleine Phantasie nachsehen und seiner Rückkehr jederzeit gewiß sein könne.
Sieh, die Sonne sinkt! / Eh sie sinkt, eh mich Greisen / ergreift im Moore Nebelduft, / entzahnte Kiefer schnattern / und das schlotternde Gebein, / Trunken vom letzten Strahl / reiß mich, ein Feuermeer / mir im schäumenden Aug, / mich geblendeten Taumelnden / in der Hölle nächtliches Tor.
Sieh, ein Waldgebüsch bewegt sich / nach der Stadt hin; aller Gärten / froher blumenhafter Aufputz / reißt sich los, um sich ins grüne / Prachtgehäng hinein zu flechten, / das der Häuser, das der Hütten / Ansicht schön verhüllt und zieret, / das von Giebel sich zu Giebel / ziehend reicht und kranzbeladen, / schwankend, frischbelastet schwebt. / Bunter wird die tiefe Grüne, / muntrer immer; Band an Bändern / schlingt sich um, geknüpft zu Schleifen / krümmt sich's, und die losen Enden / flattern windbewegt. Zum Laubgang / siehst du Straßen umgewandelt / und zum Feiersaal den Marktplatz. / Außenseiten sind nun Wände, / Fenster volkverzierte Nischen; / unter ihnen schmückt die Brüstung / sich mit bunten Teppichen. / Hier mit holden Blumenzügen / spricht's dich an und dort mit goldnen, / so, als ob dir offne Herzen / überall begegneten.
Sieht man am Hause doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr sei, / wie man, das Städtchen betretend, die Obrigkeiten beurteilt. / Denn wo die Türme verfallen und Mauern, wo in den Gräben / Unrat sich häufet und Unrat auf allen Gassen herumliegt, / wo der Stein aus der Fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt wird, / wo der Balken verfault und das Haus vergeblich die neue / Unterstützung erwartet: Der Ort ist übel regieret.
Sieht man ein Übel, so wirkt man unmittelbar darauf, das heißt, man kuriert unmittelbar aufs Symptom los.
Sind doch ein wunderlich Volk, die Weiber so wie die Kinder! / Jedes lebet so gern nach seinem eignen Belieben, / und man sollte hernach nur immer loben und streicheln.
Sind doch nicht das Schwerste des Diensts die ermüdenden Wege, / nicht der bittere Schweiß der ewig drängenden Arbeit; / denn mit dem Knechte zugleich bemüht sich der tätige Freie: / Aber zu dulden die Laune des Herrn, wenn er ungerecht tadelt / oder dieses und jenes begehrt, mit sich selber im Zwiespalt, / und die Heftigkeit noch der Frauen, die leicht sich erzürnet, / mit der Kinder roher und übermütiger Unart - / das ist schwer zu ertragen.
Sind wir, was Götter gnädig uns gewährt, / Unglücklichen nicht zu erstatten schuldig?
So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun, dieses soll erregt, soll beschwichtigt werden.
So bleibt für den Heitern doch immer gesorgt, / weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt.