Vermag die Liebe alles zu dulden, so vermag sie noch viel mehr alles zu ersetzen.
Vermeide niemand, der dir begegnet. Du findest leicht einen, dem du hilfst, einen, der dir helfen kann.
Vernünftige Leute können viel tun.
Verschone nicht den Kranken, lieber Arzt! / Reich ihm das Mittel, denke nicht daran, / Ob's bitter sei.
Verschwiegenheit fordern ist nicht das Mittel, sie zu erlangen.
Versprechen macht noch keinen Besitz.
Verstand und Vernunft sind ein formelles Vermögen. Das Herz liefert den Gehalt, den Stoff.
Verstellt man sich denn einzig auf dem Thron? / Dort spielt ein Kind, und das verstellt sich schon
Verständige Leute kannst du irren sehn, / in Sachen nämlich, die sie nicht verstehn.
Versuche, die eigne Autorität zu fundieren! Sie ist überall begründet, wo Meisterschaft ist.
Verzweifelt nicht, ihr Jünglinge, wenn eure Mädchen spröde sind! Niemals hat noch die Kälte der mütterlichen Lehren ein weibliches Herz so zu Eise gehärtet, daß es der alles erwärmende Hauch der Liebe nicht hätte zerschmelzen sollen.
Verändert sich nicht alles in der Welt? Warum sollten unsere Leidenschaften bleiben?
Viele Dinge sind', / die wir mit Heftigkeit ergreifen sollen; / doch andre können nur durch Mäßigung / und durch Entbehren unser eigen werden: / So, sagt man, sei die Tugend, sei die Liebe, / die ihr verwandt ist.
Viele Köche versalzen den Brei. / Bewahr uns Gott vor vielen Dienern! / Wir aber sind, gesteht es frei, / ein Lazarett von Medizinern.
Viele Lieb hat ich erlebet, / wenn ich liebelos gestrebet, / und Verdrießliches erworben, / wenn ich fast für Lieb gestorben. / So du es zusammengezogen, / bleibet Saldo dir gewogen.
Viele sind geistreich genug und voller Kenntnisse, allein sie sind zugleich voller Eitelkeit, und um sich von der kurzsichtigen Masse als witzige Köpfe bewundern zu lassen, haben sie keine Scham und Scheu und ist ihnen nichts heilig.
Viele Worte frommen nicht den Scheidenden.
Vieles wünscht sich der Mensch, und doch bedarf er nur wenig.
Vielfach wirken die Pfeile des Amor: Einige ritzen, / und vom schmeichelnden Gift kranket auf Jahre das Herz. / Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe / dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut. / In der heroischen Zeit, da Götter und Göttinen liebten, / folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß dem Begier.
Vielleicht beruhen auch die eingeflochtenen heiteren Szenen in den Shakespearischen Trauerspielen auf diesem Gesetz des geforderten Wechsels. Allein auf die höhere Tragödie der Griechen scheint es nicht anwendbar, vielmehr geht bei dieser ein gewisser Grundton durch das Ganze.
Vielleicht ist derjenige, dem man Genie zuschreibt, übler daran als der, der nur gewöhnliche Fähigkeiten besitzt; denn jener kann leichter verbildet und viel heftiger auf falsche Wege gestoßen werden als dieser.
Vier Epochen der Wissenschaften. Kindliche: poetische, abergläubische. Empirische: forschende, neugierige. Dogmatische: didaktische, pedantische. Ideelle: Methodische, mystische.
Virtuosität muß von der dramatischen Kunst ferngehalten werden; keine einzelne Stimme darf sich geltend machen; Harmonie muß das Ganze beherrschen.
Volk und Knecht und Überwinder / sie gestehn zu jeder Zeit: / Höchstes Glück der Erdenkinder / sei nur die Persönlichkeit. / Jedes Leben sei zu führen, / wenn man sich nicht selbst vermißt, / als könne man verlieren, / wenn man bliebe, was man ist.
Vollkommenheit ist die Norm des Himmels, Vollkommenes wollen die Norm des Menschen.
Vollkommenheit ist schon da, wenn das Notwendige geleistet wird, Schönheit, wenn das Notwendige geleistet, doch verborgen ist.
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden belebenden Blick.
Vom Himmel steigend Jesus bracht / des Evangeliums ewige Schrift. / Den Jüngern las er sie Tag und Nacht; / ein göttlich Wort, es wirkt und trifft. / Er stieg zurück, nahm's wieder mit; / sie aber hatten's gut gefühlt, / und jeder schrieb, so Schritt für Schritt, / wie er's in seinem Sinn behielt, / verschieden. Es hat nichts zu bedeuten: / Sie hatten gleiche Fähigkeiten; / doch damit können sich die Christen / bis zu dem Jüngsten Tage fristen.
Vom starren Blick erstarrt des Menschen Blut.
Vom unzugänglichen Gebirge über die Einöde, die kein Fuß betrat, bis ans Ende des unbekannten Ozeans weht der Geist des Ewigschaffenden und freut sich jeden Staubes, der ihn vernimmt und lebt.
Vom Vatikan herab sieht man die Reiche / schon klein genug zu seinen Füßen liegen, / geschweige denn die Fürsten und die Menschen.
Vom Verdienste fordert man Bescheidenheit; aber diejenigen, die unbescheiden das Verdienst schmälern, werden mit Behagen angehört.
Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gern schlendernd auf irrgänglichen Promenaden erreichen.
Von dem geringsten tierischen Handwerkstriebe bis zur höchsten Ausübung der geistigsten Kunst, vom Lallen und Jauchzen des Kindes bis zur trefflichsten Äußerung des Redners und Sängers, vom ersten Balgen der Knaben bis zu den ungeheuren Anstalten, wodurch Länder erhalten und erobert werden, vom leichtesten Wohlwollen und der flüchtigsten Liebe bis zur heftigsten Leidenschaft und zum ernstesten Bunde, von dem reinsten Gefühl der sinnlichen Gegenwart bis zu den leisesten Ahnungen und Hoffnungen der entferntesten geistigen Zukunft, alles das und weit mehr liegt im Menschen und muß ausgebildet werden; aber nicht in einem, sondern in vielen.
Von der besten Gesellschaft sagt man: Ihr Gespräch ist unterrichtend, ihr Schweigen bildend.
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Von der Tragödie bis zur Posse war mir jedes Genre recht; aber ein Stück mußte etwas sein, um Gnade zu finden. Es mußte groß und tüchtig, heiter und graziös, auf alle Fälle gesund sein und einen gewissen Kern haben. Alles Krankhafte, Schwache, Weinerliche und Sentimentale, so wie alles Schreckliche, Greuelhafte und die gute Sitte Verletzende war ein für allemal ausgeschlossen.
Von der Vernunfthöhe herunter sieht das ganze Leben einer bösen Krankheit und die Welt einem Tollhaus gleich.
Von diesen Leuten hört man die bittersten Klagen über den verworrenen Lauf der Welthändel, über die Seichtigkeit der Wissenschaften, über den Leichtsinn der Künstler, über die Leerheit der Dichter und was alles noch mehr ist. Sie bedenken am wenigsten, daß eben sie selbst und die Menge, die ihnen gleich ist, gerade das Buch nicht lesen würden, das geschrieben wäre, wie sie es fordern.
Von drückenden Pflichten kann uns nur die gewissenhafteste Ausübung befreien.
Von einem Dichter nur mittelmäßig gezeichnete Charaktere werden bei der Theaterdarstellung gewinnen, weil die Schauspieler, als lebendige Menschen, sie zu lebendigen Wesen machen und ihnen zu irgendeiner Art von Individualität verhelfen. Von einem großen Dichter meisterhaft gezeichnete Charaktere dagegen, die schon alle mit einer durchaus scharfen Individualität dastehen, müssen bei der Darstellung notwendig verlieren, weil die Schauspieler in der Regel nicht durchaus passen und die wenigsten ihre eigene Individualität so sehr verleugnen können.
Von Gott, dem Vater, stammt Natur, / das allerliebste Frauenbild, / des Menschen Geist, ihr auf der Spur, / ein treuer Werber, fand sie mild. / Sie liebten sich nicht unfruchtbar, / ein Kind entsprang von hohem Sinn; / so ist uns allen offenbar: / Naturphilosophie sei Gottes Enkelin.
Von Jugend auf hab ich gelernt gehorchen, / erst meinen Eltern und dann einer Gottheit, / und folgsam fühlt ich immer meine Seele / am schönsten frei.
Von Jugend auf verwöhnt durch's Glück und seine Gaben, / hat man, so viel man braucht, und glaubt, noch nichts zu haben.
Von Natur besitzen wir keinen Fehler, der nicht zur Tugend, keine Tugend, die nicht zum Fehler werden könnte.
Von Verdiensten, die wir zu schätzen wissen, haben wir den Keim in uns.
Von zwei Dingen kann man sich nicht genug in acht nehmen: Beschränkt man sich in seinem Fache, vor Starrsinn, tritt man heraus, vor Unzulänglichkeit.
Vor einer Revolution ist alles Bestreben, nachher verwandelt sich alles in Forderung.
Vor jenem droben steht gebückt, / der helfen lehrt und Hülfe schickt!
Vor Ziegenbock und Käferzahn / Soll man ein Bäumchen wahr'n!