O, große Kräfte sind's, weiß man sie recht zu pflegen, / die Pflanzen, Kräuter, Stein' in ihrem Innern hegen.
O, sagt man doch, daß Zungen Sterbender / wie tiefe Harmonie Gehör erzwingen. / Wo Worte selten, halben sie Gewicht: / Denn Wahrheit atmet, wer schwer atmend spricht. / Nicht der, aus welchem Lust und Jugend schwätzt, / der wird gehört, der bald nun schweigen muß. / Beachtet wird das Leben mehr zuletzt: / Der Sonne Scheiden und Musik am Schluß / bleibt wie der letzte Schmack von Süßigkeiten / mehr im Gedächtnis als die frühern Zeiten.
Obwohl ich dein mich freue, freu' ich mich nicht des Bundes dieser Nacht. / Er ist zu rasch, zu unbedacht, zu plötzlich, / gleicht allzusehr dem Blitz, der nicht mehr ist, / noch eh man sagen kann: Es blitzt.
Oft beginnt sein Werben ein Galan, / wo's ihm der Müh nicht wert scheint: Dennoch wirbt er / und schwört, er sei verliebt.
Oft ist's der eigne Geist, der Rettung schafft, / die wir beim Himmel suchen.
Oft schlägt Erwartung fehl und dann zumeist, / wo sie gewissen Beistand uns verheißt, / und wird erfüllt, wo Hoffnung längst erkaltet, / wo Glaube schwand und die Verzweiflung waltet.
Oft sehn wir eine Wolke, drachenhaft, / oft Dunstgestalten gleich dem Leu, dem Bär, / der hochgetürmten Burg, dem Felsenhang, / gezackter Klipp' und blauem Vorgebirg, / mit Bäumen drauf, die nicken auf die Welt, / mit Luft die Augen täuschend.
Oft, zu unserm Troste, finden wir / in bessrer Hut den hartgeschalten Käfer / als hochbeschwingten Adler.
Oh, allmächtige Liebe, die auf gewisse Weise das Vieh zum Menschen macht und auf andre den Menschen zum Vieh!
Oh, die Frau, die ihre Fehler nicht ihrem Manne in die Schuhe schieben kann, die laßt nie ihr Kind säugen! Sie würde es albern großziehn.
Oh, wär' ich meinem Gram / gewachsen oder kleiner als mein Name, / daß ich vergessen könnte, was ich war, / oder nicht gedenken, was ich nun muß sein!
Paßt die Gebärde dem Wort, das Wort der Gebärde an, wobei Ihr sonderlich darauf achten müßt, niemals die Bescheidenheit der Natur zu überschreiten.
Pflegst Du Deinen Namen auszuschreiben oder hast Du ein Zeichen dafür wie ein ehrlicher schlichter Mann?
Rach' und Wollust / sind tauber als der Ottern Ohr dem Ruf / wahrhaften Urteils.
Reich muß sie sein, das ist ausgemacht; verständig, oder ich mag sie nicht; tugendhaft, oder ich biete gar nicht auf sie; schön, oder ich sehe sie nicht an, sanft, oder sie soll mir nicht nahekommen; edel, oder ich nehme sie nicht und gebe man mir noch einen Engel zu; angenehm in ihrer Unterhaltung, vollkommen in der Musik: Und wenn sie das alles ist, so mag ihr Haar eine Farbe haben, wie es Gott gefällt.
Reime sind Schleifen an Cupidos Hose.
Romeo: Frau Mab, wer ist sie? / Mercutio: Sie ist der Feenwelt Entbinderin. / Sie kommt, nicht größer als der Edelstein / am Zeigefinger eines Aldermanns, / und führt mit 'nem Gespann von Sonnenstäubchen / den Schlafenden quer auf der Nase hin. / Die Speichen sind gemacht aus Spinnenbeinen, / des Wagens Deck' aus eines Heupferds Flügeln, / aus feinem Spinnengewebe das Geschirr, / die Zügel aus des Mondes feuchtem Strahl. / Aus Heimchenknochen ist der Peitsche Griff, / die Schnur aus Fasern. Eine kleine Mücke / im grauen Mantel sitzt als Fuhrmann vorn, / nicht halb so groß als wie ein kleines Würmchen, / das in des Mädchens müßigem Finger nistet. / Die Kutsch' ist eine hohle Haselnuß, / vom Tischler Eichhorn oder Meister Wurm / zurechtgemacht, die seit uralten Zeiten / der Feen Wagner sind. In diesem Staat / trabt sie dann Nacht für Nacht, befährt das Hirn / Verliebter, und sie träumen dann von Liebe, / des Schranzen Knie, der schnell von Reverenzen, / des Anwalts Finger, der von Sporteln gleich, / der Schönen Lippen, die von Küssen träumen. / (Oft plagt die böse Mab mit Bläschen diese, / weil ihren Odem Näscherei verdarb.) / Bald trabt sie über eines Hofmanns Nase, / dann wittert er im Traum sich Ämter aus. / Bald kitzelt sie mit eines Zinshahns Federn / des Pfarrers Nase, wenn er schlafend liegt: / Von einer bessern Pfründe träumt ihm dann. / Bald fährt sie über des Soldaten Nacken: / Der träumt sofort von Niedersäbeln träumt / von Breschen, Hinterhalten, Damaszenern, / von manchem klaftertiefen Ehrentrunk. / Nun trommelt's ihm ins Ohr. Da fährt er auf / und flucht in seinem Schreck ein paar Gebete / und schläft von neuem. Eben diese Mab / verwirrt der Pferde Mähnen in der Nacht / und flicht in struppiges Haar die Weichselzöpfe, / die, wiederum entwirrt, auf Unglück deuten. / Dies ist die Hexe, welche Mädchen drückt, / die auf dem Rücken ruhn, und ihnen lehrt, / als Weiber einst die Männer zu ertragen.
Rosalinde: Es ist keins von meines Onkels Merkmalen an Euch zu finden. Er lehrte mich einen Verliebte zu erkennen; ich weiß gewiß, Ihr seid kein Gefangener in diesem Käficht. / Orlando: Was waren seine Merkmale? / Rosalinde: Eingefallene Wangen, die Ihr nicht habt; Augen mit blauen Rändern, die Ihr nicht habt; ein ungeselliger Sinn, den Ihr nicht habt. Doch den erlasse ich Euch, denn aufrichtig, was Ihr an Bart besitze, ist eines jüngeren Brüders Einkommen. Dann sollten Eure Kniegürtel lose hängen, Eure Mütze nicht gebunden sein, Eure Ärmel aufgeknöpft, Eure Schuhe nicht zugeschnürt, und alles und jedes an Euch müßte eine nachlässige Trostlosigkeit verraten.
Ruhe, krank durch Frieden, sucht verzweifelnd / Heilung durch Wechsel.
Ruhm wird ohne Schriften alt.
Sag, ist mein Reich hin? War's doch meine Sorge. / Welch ein Verlust denn, sorgenfrei zu sein?
Sagt, daß Ihr mich nicht liebt, doch sagt es nicht / mit Bitterkeit: Der Henker, dessen Herz / des Tods gewohnter Anblick doch verhärtet, / fällt nicht das Beil auf den gebeugten Nacken, / bis er sich erst entschuldigt.
Schalkhafter Mädchen Zunge kann zerschneiden / wie allerfeinst geschliffner Messer Klingen / das kleinste Haar.
Schlaft, der des Grams verworr'n Gespinst entwirrt, / den Tod von jedem Lebenstag, das Bad / der wunden Müh, der Balsam kranker Seele, / den zweiten Gang im Gastmahl der Natur, / das nährendste Gericht beim Fest des Lebens.
Schlecht außen, kostbar innen.
Schmähen mich / unkundige Zungen, so mein Inneres nicht / erkannt noch meine Weg', und wollen dennoch / die Chronik werden meines Tuns, so weiß man: / Es ist der Würden los, der Dornenpfad, / den Tugend wandeln muß.
Schnöde Taten, / birgt sie die Erd' auch, müssen sich verraten.
Schreibtafeln her! Ich muß mir's niederschreiben, / daß einer lächeln kann und immer lächeln / und doch ein Schurke sein.
Schwachheit, dein Name ist Weib.
Schwarze Brauen, / sagt man, sind schön bei manchen Fraun. Nur muß / nicht zuviel Haar darin sein, nur ein Bogen, / ein Halbmond, fein gemacht wie mit der Feder.
Schweigen ist der beste Herold der Freude. Ich wäre nur wenig glücklich, wenn ich sagen könnte, wie sehr ich es bin.
Schwärzt' ihn selbst, / was er bestraft, dann wär' er ein Tyrann; / doch so ist er gerecht.
Schönheit lockt Diebe schneller noch als Gold.
Schönheit wird nur vom Kennerblick gekauft, / nicht angebracht durch des Verkäufers Prahlen.
Schönheit, Witz, / Geburt, Verdienst im Kriege, Kraft der Sehnen, / Geist, Freundschaft, Wohltat - alle sind sie Knechte / der neidischen, verleumdungssüchtigen Zeit.
Sechs Berberhengste gegen sechs französische Degen, ihr Zubehör und drei geschmackvoll erfundene Gestelle: Das ist eine französische Wette gegen eine dänische.
Seht ihr doch / so manchen pflichtigen, kniegebeugten Schuft, / der, ganz verliebt in seine Sklavenfessel, / ausharrt, recht wie der Esel seines Herrn, / ums Heu und wird im Alter fortgejagt. / Peitscht mir solch redlich Volk! Dann gibt es andere, / die, ausstaffiert mit Blick und Form der Demut, / ein Herz bewahren, das nur sich bedenkt, / die nur Scheindienste liefern ihren Oberen, / durch sie gedeih'n, und wann ihr Pelz gefüttert, / sich selbst Gebieter sind.
Seht zu, daß Ihr lispelt und seltsame Kleidung tragt, macht alles Ersprießliche in Eurem eignen Lande herunter, entzweit Euch mit Euren Sternen und scheltet schier den lieben Gott, daß er Euch kein andres Gesicht gab: Sonst glaub ich es kaum, daß Ihr je in einer Gondel gefahren seid.
Seht, wie ich diese Felder von mir blase / und wie die Luft zur mir zurück zu bläst, / die, wenn ich blase, meinem Hauch gehorcht / und einem andern nachgibt, wenn er bläst, / vom stärkern Windstoß immerfort regiert: / So leichten Sinns seid ihr geringen Leute.
Sei denn behutsam! / Furcht gibt Sicherheit.
Sei rührig wie die Zeit, Feuer gegen Feuer, / bedroht den Droher, übertrotzt des Schreckens / prahlhafte Stirn! So werden niedre Augen, / die ihr Betragen von den Großen leihn, / durch euer Vorbild groß, und sie erfüllt / der kühne Geist der Unerschrockenheit.
Sei so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du wirst der Verleumdung nicht entgehen.
Sei, was du bist, / ein Weib! Willst mehr du sein, so bist du keins.
Seid versichert, daß kein Liebesmäkler in der Welt einen Mann den Frauen kräftiger empfehlen kann als der Ruf der Tapferkeit.
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen / durch sieben Akte hin: Zuerst das Kind, / das in der Wärtrin Armen greint und sprudelt; / der weinerliche Bube, der mit Bündel / und glattem Morgenantlitz wie die Schnecke / ungern zur Schule kriecht; dann der Verliebte, / der wie ein Ofen seufzt mit Jammerlied / auf seiner Liebsten Brau'n; dann der Soldat / voll toller Flüch' und wie ein Pardel bärtig, / auf Ehre eifersüchtig, schnell zu Händeln, / bis in die Mündung der Kanone suchend / die Seifenblase Ruhm. Und dann der Richter / im runden Bauche, mit Kapaun gestopft, / mit strengem Blick und regelrechtem Bart, / voll abgedroschner Beispiel', weiser Sprüche, / spielt seine Rolle so. Das sechste Alter / macht den besockten hagern Pantalon, / Brill' auf der Nase, Beutel an der Seite, / die jugendliche Hose wohl geschont, / 'ne Welt zu weit für die verschrumpften Lenden, / die tiefe Männerstimme, umgewandelt / zum kindischen Diskante, pfeift und quäkt / in seinem Ton. Der letzte Akt, mit dem / die seltsam wechselnde Geschichte schließt, / ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen, / ohn' Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.
Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage: / Ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern / des wütenden Geschicks erdulden oder, / sich waffnend gegen eine See von Plagen, / im Widerstand zu enden.
Seine beiden Kämmerlinge / will ich mit würzigem Weine so betäuben, / daß des Gehirnes Wächter, das Gedächtnis, / ein Dunst sein wird und der Vernunft Behältnis / ein Dampfhelm nur.
Seine Diebereien waren zu offenbar. Sein Mausen war wie ein ungeschickter Sänger: Er hielt kein Tempo.
Seine Rede ist wie ein phantastisch zusammengesetzter Nachtisch.
Seine Rede war wie eine verwickelte Kette: Nichts zerrissen, aber alles in Unordnung.