Zitate mit "augenblick"

245 Fundstellen

Auch eine schädliche Wahrheit ist nützlich, weil sie nur Augenblicke schädlich sein kann und alsdann zu andern Wahrheiten führt, die immer nützlich und sehr nützlich werden müssen. Umgekehrt ist ein nützlicher Irrtum schädlich, weil er es nur augenblicklich sein kann und in andre Irrtümer verleitet, die immer schädlicher werden.

Ein Kind, ein junger Mensch, die auf ihrem eigenen Wege irregehen, sind mir lieber als manche, die auf fremdem Wege rechtwandeln. Finden jene, entweder durch sich selbst oder durch Anleitung, den rechten Weg, das ist den, der ihrer Natur gemäß ist, so werden sie ihn nie verlassen, anstatt daß diese jeden Augenblick in Gefahr sind, ein fremdes Joch abzuschütteln und sich einer unbedingten Freiheit zu übergeben.

Ein junges Herz hängt ganz an einem Mädchen, bringt alle seine Stunden seines Tages bei ihr zu, verschwendet alle seine Kräfte, all sein Vermögen, um ihr jeden Augenblick auszudrücken, daß er sich ganz ihr hingibt. Und da käme ein Philister, ein Mann, der in einem öffentlichen Amte steht, und sagte ihm: Feiner junger Herr! Lieben ist menschlich, nur müßt ihr menschlich lieben! Teilet eure Stunden ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet eurem Mädchen! Berechnet euer Vermögen, und was euch von eurer Notdurft übrig bleibt, davon verwehr' ich euch nicht, ihr ein Geschenk, nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu ihrem Geburts- oder Namenstage! Folgt der Mensch, so gibt's einen brauchbaren jungen Menschen, und ich will selbst jedem Fürsten raten, ihn in ein Kollegium zu setzen. Nur mit seiner Liebe ist's am Ende und, wenn er ein Künstler ist, mit seiner Kunst.

Wir glauben den Männern! In den Augenblicken der Leidenschaft betrügen sie sich selbst. Warum sollten wir nicht betrogen werden?

Was im Lebensgange / dem Gatten seine Gattin fesselnd eignet, / ein Sicherheitsgefühl, ihr werd es nie / an Rat und Trost, an Schutz und Hilfe fehlen, / das flößt im Augenblick ein kühner Mann / dem Busen des gefahrumgebnen Weibes / durch Wagetat auf ewge Zeiten ein.

Wenn er von bestem Humor ist, mag er gern die Schrecknisse eines Familientisches lebhaft schildern, wo jedes Glied mit fremden Gedanken beschäftigt sich niedersetzt, ungern hört, in Zerstreuung spricht, muffig schweigt und, wenn gar das Unglück kleine Kinder heranführt, mit augenblicklicher Pädagogik die unzeitigste Mißstimmung hervorbringt.

Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.

Genieße mäßig Füll und Segen; / Vernunft sei überall zugegen, / wo Leben sich des Lebens freut. / Dann ist Vergangenheit beständig, / das Künftige voraus lebendig, / der Augenblick ist Ewigkeit.

Die Natur gibt sich nicht einem jeden. Sie erweist sich vielmehr gegen viele wie ein neckisches junges Mädchen, das uns durch tausend Reize anlockt, aber in dem Augenblick, wo wir es zu fassen und zu besitzen glauben, unseren Armen entschlüpft.

Seid mir willkommen, süße Buhlerinnen; / denn ihr allein verschönt uns doch die Welt! / Ihr lasset uns im Augenblick gewinnen, / was Prüderie uns jahrelang verhält. / Was sie nicht fühlt, sie weiß es zu ersinnen, / wie selbstgefällig froh sie sich verstellt, / von Eva her geschaffen zum Betrügen, / sie kleidet nichts so gut, als wenn sie lügen.

So tiefer Schmerzen heiße Qual verbürgt / dem Augenblick unendlichen Gehalt.

Was glänzt, ist für den Augenblick geboren; / Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.

Was man mündlich ausspricht, muß der Gegenwart, dem Augenblick gewidmet sein; was man schreibt, widme man der Ferne, der Folge.

Alle Geschenke, alle Gefälligkeiten der Welt ersetzen nicht einen Augenblick Vergnügen an sich selbst.

Leb ich nur, um aufs Leben zu denken? Soll ich den gegenwärtigen Augenblick nicht genießen, damit ich des folgenden gewiß sei?

Wie wohl ist mir's, daß mein Herz die simple harmlose Wonne des Menschen fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen, und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen, da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoß und da er an dem fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgenießt.

Ein König sagt nicht, wie gemeine Menschen, / verlegen zu, daß er den Bittenden / auf einen Augenblick entferne, noch / verspricht er auf den Fall, den er nicht hofft: / Dann fühlt er erst die Höhe seiner Würde, / wenn er den Harrenden beglücken kann.

Das Wiedersehn ist froh, das Scheiden schwer, / Das Wieder-Wiedersehn beglückt noch mehr, / Und Jahre sind im Augenblick ersetzt; / Doch tückisch harrt das Lebewohl zuletzt.

Denn das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.

Das Wunder ist des Augenblicks Geschöpf.

Der Augenblick ist eine Art von Publikum: Man muss ihn betrügen, dass er glaube, man tue was; dann lässt er uns gewähren und im Geheimen fortführen, worüber seine Enkel erstaunen müssen.

Der Augenblick nur entscheidet / Über das Leben des Menschen / und über sein ganzes Geschicke.

Ein jeder lernt nur, was er lernen kann; / Doch der den Augenblick ergreift, / Das ist der rechte Mann.

Ein Ding mag noch so wenig taugen, / Es kömmt ein Augenblick, / und man kann alles brauchen.

Es ist schwer, gegen den Augenblick gerecht zu sein: Der gleichgültige macht uns Langeweile, am guten hat man zu tragen und am bösen zu schleppen.

Gedankenlosigkeit, die uns den Wert des Augenblicks vergessen lässt.

Im Vorgefühl / von solchem hohen Glück / Genieß ich jetzt / den höchsten Augenblick.

Wer tätig sein will und muss, hat nur das Gehörige des Augenblicks zu bedenken, und so kommt er ohne Weitläufigkeit durch. Das ist der Vorteil der Frauen, wenn sie ihn verstehen.

Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!

Gerät ein Staat in Anarchie, sogleich tun sich verwegene, kühne, sittenverachtende Menschen hervor, augenblicklich gewaltsam wirkend, bis zum Entsetzen alle Mäßigung verbannend.

Ein Aufruhr, angeflammt in wenig Augenblicken, / Ist eben auch so bald durch Klugheit zu ersticken.

Es kann die Spur von meinen Erdetagen / nicht in Äonen untergehn, / im Vorgefühl von solchem hohen Glück / genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick.

Ein guter Name geht in Augenblicken verloren; ein schlechter wird in Jahren nicht zu einem guten.

Sie sind selten, die Augenblicke im Menschenleben, wo in Weh und Wonne die heiligen Fluten weit über alles Denken gehen und den Menschen versenken in den tiefen Brunnen heiliger Andacht, süßen Bangens, heißen Sehnens.

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen; / mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen. / Der Augenblick ist mein, und nehm' ich den in acht, / so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

In Augenblicken übersprudelnder Freude sind wir für die Verdrießlichkeiten des Alltagslebens am allerempfindlichsten.

Leider lässt der rechte Augenblick meistenteils so lange auf sich warten, dass wir von all unserer Aufmerksamkeit bereits ermüdet sind, wenn er endlich wirklich eintrifft.

Verschiebe nur nicht das Ausspinnen eines Gedankens auf bessere, freiere Stunden! So kommt er dir nicht wieder, wie er im Augenblick des Entstehens da war.

Was ist schön? Dasjenige, was in einem und demselben Augenblick die Phantasie überrascht, dem Gemüt wohltut und auch den Verstand dadurch befriedigt, dass dabei alles richtig zugegangen.

In dem Augenblick, wo die Liebe ihr Alles gibt, macht sie zugleich bankerott.

Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!

Für jeden Menschen kommt der Augenblick, / in dem der Lenker seines Sterns ihm selbst / die Zügel übergibt. Nur das ist schlimm, / daß er den Augenblick nicht kennt, daß jeder / es sein kann, der vorüberrollt.

Esprit de conduit hat eigentlich viel Ähnlichkeit mit dem esprit de l'escalier. Auf der Treppe beim Weggehen sind wir ja alle in der Regel viel gescheiter, als im richtigen Augenblick.

Die Menge ist bekanntlich großmütig und boshaft, intelligent und albern, tollkühn und feig — alles in demselben Augenblick — sie weicht einem Milchkarren vorsichtig aus und geht in die Bajonette hinein, sie lacht über einen Witz und versteht keinen Spaß, wird durch eine sentimental aufgedonnerte Phrase gerührt und jubelt einer Grausamkeit zu.

Augenblick: der Orgasmus der Zeit.

Lass uns vergessen, / dass es eine Zeit gibt, / und zähle die Lebenstage nicht! / Was sind Jahrhunderte / gegen den Augenblick, / wo zwei Wesen so / sich ahnen und nahn.

Ich finde und habe immer gefunden, daß sich ein Buch gerade vorzugsweise zu einem freundschaftlichen Geschenk eignet. Man liest es oft, man kehrt oft dazu zurück, man naht sich ihm aber nur in ausgewählten Momenten, braucht es nicht wie eine Tasse, ein Glas, einen Hausrat in jedem gleichgültigen Augenblick des Lebens und erinnert sich so immer des Freundes im Augenblick eines würdigen Genusses.

Die aus dem Vertrauen auf eine Allgüte und Allgerechtigkeit entspringende Zuversicht, daß der Tod nur die Auflösung eines unvollkommenen, seinen Zweck nicht in sich tragenden Zustandes und der Übergang zu einem bessern und höhern ist, muß dem Menschen so gegenwärtig sein, daß nichts sie auch nur einen Augenblick verdunkeln kann. Sie ist die Grundlage der innern Ruhe.

Wer in dem Augenblick suchen muß, wo er braucht, findet schwer.

Wer den rechten Augenblick verpasst, ist wie einer, der einen Vogel aus der Hand freigelassen hat; er wird ihn nicht wieder zurückbekommen.

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