Johann Wolfgang von Goethe

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Ein großes Übel in den Wissenschaften, ja überall, entsteht daher, daß / Menschen, die kein Ideenvermögen haben, zu theoretisieren sich vermessen.

Ein guter Abend kommt heran, / wenn ich den ganzen Tag getan.

Ein guter Mensch verspricht durch seine Gegenwart nur immer zuviel! Das Vertrauen, das er hervorlockt, die Neigung, die er einflößt, die Hoffnungen, die er erregt, sind unendlich. Er wird und bleibt ein Schuldner, ohne es zu wissen.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, / ist sich des rechten Weges wohl bewußt.

Ein guter Schauspieler macht uns bald eine elende unschickliche Dekoration vergessen, dahingegen das schöne Theater den Mangel an guten Schauspielern erst recht fühlbar macht.

Ein gutgesinntes, zur Liebe und Teilnahme geeignetes Kind weiß dem Hohn und dem bösen Willen wenig entgegenzusetzen.

Ein Hagestolz ist schwerlich zu bekehren.

Ein Herre mit zwei Gesind, / er wird nicht wohl gepflegt. / Ein Haus, worin zwei Weiber sind, / es wird nicht rein gefegt.

Ein Herz, das Einen liebt, kann keinen Menschen hassen.

Ein Holz brennt, weil es Stoffe dazu in sich hat, und ein Mensch wird berühmt, weil der Stoff dazu in ihm vorhanden. Suchen läßt sich der Ruhm nicht, und alles Jagen danach ist eitel. Es kann sich wohl jemand durch kluges Benehmen und allerlei künstliche Mittel eine Art von Namen machen, fehlt aber dabei das innere Juwel, so ist es eitel und hält nicht auf den anderen Tag.

Ein Irrtum ist viel leichter zu erkennen, als die Wahrheit zu finden. Jener liegt auf der Oberfläche. Damit läßt sich wohl fertig werden. Diese ruht in der Tiefe. Danach zu forschen, ist nicht jedermanns Sache.

Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich.

Ein jeder kehre vor seiner Tür, / und rein ist jedes Stadtquartier. / Ein jeder übe sein' Lektion, / so wird es gut im Rate stohn.

Ein jeder lernt nur, was er lernen kann; / Doch der den Augenblick ergreift, / Das ist der rechte Mann.

Ein jeder, nur zehn Jahre früher oder später geboren, dürfte, was seine eigene Bildung und Wirkung nach außen betrifft, ein ganz anderer geworden sein.

Ein jeglicher muß seinen Helden wählen, / dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet.

Ein junger toller Kopf? Wo habt ihr einen Schauplatz des Lebens für mich? Eure bürgerliche Gesellschaft ist mir unerträglich!

Ein junges Herz hängt ganz an einem Mädchen, bringt alle seine Stunden seines Tages bei ihr zu, verschwendet alle seine Kräfte, all sein Vermögen, um ihr jeden Augenblick auszudrücken, daß er sich ganz ihr hingibt. Und da käme ein Philister, ein Mann, der in einem öffentlichen Amte steht, und sagte ihm: Feiner junger Herr! Lieben ist menschlich, nur müßt ihr menschlich lieben! Teilet eure Stunden ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet eurem Mädchen! Berechnet euer Vermögen, und was euch von eurer Notdurft übrig bleibt, davon verwehr' ich euch nicht, ihr ein Geschenk, nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu ihrem Geburts- oder Namenstage! Folgt der Mensch, so gibt's einen brauchbaren jungen Menschen, und ich will selbst jedem Fürsten raten, ihn in ein Kollegium zu setzen. Nur mit seiner Liebe ist's am Ende und, wenn er ein Künstler ist, mit seiner Kunst.

Ein junges Herz nimmt leicht den Eindruck vom Roman, / allein ein Herz, das liebt, nimmt ihn noch leichter an.

Ein Kavalier von Kopf und Herz / ist überall willkommen; / er hat mit feinem Witz und Scherz / manch Weibchen eingenommen. / Doch wenn's ihm fehlt an Faust und Kraft, / wer mag ihn dann beschützen? / Und wenn er keinen Hintern hat, / wie mag der Edle sitzen?

Ein Kerl, der spekuliert, / ist wie ein Tier, auf dürrer Heide / von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, / und ringsumher liegt schöne, grüne Weide.

Ein Kind, ein junger Mensch, die auf ihrem eigenen Wege irregehen, sind mir lieber als manche, die auf fremdem Wege rechtwandeln. Finden jene, entweder durch sich selbst oder durch Anleitung, den rechten Weg, das ist den, der ihrer Natur gemäß ist, so werden sie ihn nie verlassen, anstatt daß diese jeden Augenblick in Gefahr sind, ein fremdes Joch abzuschütteln und sich einer unbedingten Freiheit zu übergeben.

Ein kleiner Mann ist auch ein Mann.

Ein Kranz ist gar viel leichter binden, / als ihm ein würdig Haupt zu finden.

Ein König sagt nicht, wie gemeine Menschen, / verlegen zu, daß er den Bittenden / auf einen Augenblick entferne, noch / verspricht er auf den Fall, den er nicht hofft: / Dann fühlt er erst die Höhe seiner Würde, / wenn er den Harrenden beglücken kann.

Ein lebhafter Eindruck ist wie. eine Wunde: Man fühlt sie nicht, indem man sie empfängt. Erst später fängt sie an zu schmerzen und zu eitern.

Ein Lehrer, der das Gefühl an einer einzigen guten Tat, an einem einzigen guten Gedicht erwecken kann, leistet mehr als einer, der uns ganze Reihen untergeordneter Naturbildungen der Gestalt und dem Namen nach überliefert.

Ein leichtsinniger Mensch darf andere zum besten haben, erniedrigen, wegwerfen, weil er sich selbst einmal preisgibt. Wer auf sich etwas hält, scheint dem Rechte entsagt zu haben, andere gering zu schätzen.

Ein Mann, der dich gesehen, irrt nicht mehr.

Ein Mann, der recht zu wirken denkt, / muß auf das beste Werkzeug halten.

Ein Mann, der Tränen streng entwöhnt, / mag sich ein Held erscheinen, / doch wenns im Innern sehnt und dröhnt, / geb ihm ein Gott zu weinen.

Ein mannbares Mädchen, dessen Naturbestimmung ist, Kinder zu gebären und Kinder zu säugen, wäre nicht schön ohne gehörige Breite des Bekkens und ohne gehörige Fülle der Brüste. Doch wäre auch ein Zuviel nicht schön, denn das würde über das Zweckmäßige hinausgehen.

Ein Mensch zeigt nicht eher seinen Charakter, als wenn er von einem großen Menschen oder irgend von etwas Außerordentlichen spricht. Es ist der rechte Probierstein aufs Kupfer.

Ein Mensch, der eitel ist, kann nie ganz roh sein; denn er wünscht zu gefallen, und so akkomodiert er sich anderen.

Ein Mensch, der um anderer willen, ohne dass es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst etwas abarbeitet, ist immer ein Tor.

Ein Mädchen wird beim Tanz verschönert, rote Wangen, / ein Mund, der lächelnd haucht, gesunkne Locken hangen / um die bewegte Brust, ein sanfter Reiz umzieht / den Körper tausendfach, wie er im Tanze flieht, / die vollen Adern glühn, und bei des Körpers Schweben / scheint jede Nerve sich lebendiger zu heben.

Ein neues Haus, ein neuer Mensch.

Ein Pferd, dem Schweif und Mähne abgeschnitten, ein Hund mit gestutzten Ohren, ein Baum, dem man die mächtigsten Zweige genommen und das übrige kugelförmig geschnitzelt hat, und über alles eine Jungfrau, deren Leib von Jugend auf durch Schnürbrüste verdorben und entstellt worden, alles dieses sind Dinge, von denen sich der gute Geschmack abwendet.

Ein politisches Gedicht ist überhaupt im glücklichsten Falle immer nur als Organ einer einzelnen Nation und in den meisten Fällen nur als Organ einer gewissen Partei zu betrachten. Aber von dieser Nation und dieser Partei wird es auch, wenn es gut ist, mit Enthusiasmus ergriffen werden.

Ein Prozeß ist eine so reizende Sache, daß, wenn ich reich wäre, ich eher einige kaufen würde, um nicht ganz ohne dieses Vergnügen zu leben.

Ein Quidam sagt: "Ich bin von keiner Schule. / Kein Meister lebt, mit dem ich buhle. / Auch bin ich weit davon entfernt, / daß ich von Toten was gelernt." / Das heißt, wenn ich ihn recht verstand: / Ich bin ein Narr auf eigne Hand.

Ein reiner Reim wird wohl begehrt; / doch den Gedanken rein zu haben, / die edelste von allen Gaben, / das ist mir alle Reime wert.

Ein Schatz, wird er mit Augen gesehn?

Ein Schauplatz für Götter, zwei Liebende zu sehen.

Ein Schauspieler sollte eigentlich auch bei einem Bildhauer und Maler in die Lehre gehen. So ist ihm, um einen griechischen Helden darzustellen, durchaus nötig, daß er die auf uns gekommenen antiken Bildwerke wohl studiert und sich die ungesuchte Grazie ihres Sitzens, Stehens und Gehens wohl eingeprägt habe.

Ein schöner Fuß ist eine große Gabe der Natur. Diese Anmut ist unverwüstlich.

Ein schönes Ja, ein schönes Nein, / nur geschwind! soll mir willkommen sein.

Ein starkes Bier, / beizender Toback, / Und eine Magd im Putz, / das ist nun mein Geschmack.

Ein Tag der Gunst ist wie ein Tag der Ernte: / Man muß geschäftig sein, sobald sie reift.

Ein Talent, das jedem frommt, / hast du in Besitz genommen. / Wer mit holden Tönen kommt, / überall ist der willkommen.

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