Johann Wolfgang von Goethe

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Hier sind die großen Lexika, die großen Krambuden der Literatur, wo jeder einzelne sein Bedürfnis pfennigweise nach dem Alphabet abholen kann!

Hier trat ihm sein neuer Diener entgegen und machte ihm begreiflich, daß man sich durchaus abgewöhnen müsse, fertig werden zu wollen. Alles, was man tue, müsse man langsam und behaglich vollbringen, besonders aber die Zeit des Anziehens habe man als angenehme Unterhaltungsstunde mit sich selbst anzusehen.

Hierbei bekenne ich, daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe "Erkenne Dich selbst" immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten.

Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt.

Hinaufgeschaut! - / Der Berge Gipfelriesen / Verkünden schon / die feierlichste Stunde; / Sie dürfen früh / des ewigen Lichts genießen, / Das später sich / zu uns hernieder wendet.

Hinunter soll kein Mann die Blicke wenden, / hinauf zur höchsten Frauen kehr er sich! / Gelingt es ihm, sie zu erwerben, schnell / geebnet zeigt des Lebens Pfad sich ihm.

Historisch betrachtet, erscheint unser Gutes in mäßigem Lichte und unsere Mängel entschuldigen sich.

Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen: Barmherzig sein und sich zugleich ergötzen.

Hoffnung bleibt mit dem Leben vermählt.

Hoffnung gießt in Sturmnacht Morgenröte!

Hypothesen sind Gerüste, die man vor dem Gebäude aufführt und die man abträgt, wenn das Gebäude fertig ist. Sie sind dem Arbeiter unentbehrlich; nur muß er das Gerüste nicht für das Gebäude ansehn.

Hypothesen sind Wiegenlieder, womit der Lehrer seine Schüler einlullt.

Hätt Allah mich bestimmt zum Wurm, / so hätt er mich als Wurm erschaffen.

Hätte Byron Gelegenheit gehabt, sich alles dessen, was an Opposition in ihm war, durch wiederholte derbe Äußerungen im Parlament zu entledigen, so würde er als Poet weit reiner dastehen. So aber, da er im Parlament kaum zum Reden gekommen ist, hat er alles, was er gegen seine Nation auf dem Herzen hatte, bei sich behalten, und es ist ihm, um sich davon zu befreien, kein anderes Mittel geblieben, als es poetisch zu verarbeiten.

Hätte ich mich in irgendeinen Liebeshandel eingelassen, so würde ich geworden sein wie ein Kompaß, der unmöglich recht zeigen kann, wenn er einen einwirkenden Magneten an seiner Seite hat. Dadurch aber, daß ich mich durchaus rein erhielt und immer Herr meiner selbst blieb, blieb ich auch Herr des Theaters.

Höher vermag sich / niemand zu heben, als wenn er vergibt.

Hör auf doch, mit Weisheit zu prahlen, zu prangen, / Bescheidenheit würde dir löblicher stehn. / Kaum hast du die Fehler der Jugend begangen, / so mußt du die Fehler des Alters begehn.

Höret den Rat beständiger Freunde, das hilft euch am besten.

Hört von mir, was wenig wissen, / hört's und denket nach dabei: / Daß, wenn zwei sich zärtlich küssen, / gern sich sehn und ungern missen, / es nicht stets aus Liebe sei.

Ich bedaure den Mann, der sich an ein Mädchen hängt. Ich sehe ihn als einen Gefangenen an. Sie sagen ja auch immer, es sei so. Er wird aus seiner Welt in die unsere herüber gezogen, mit der er doch im Grunde nichts Gemeines hat. Er betrügt sich eine Zeitlang, und wehe uns, wenn ihm die Augen aufgehen!

Ich begreife die Menschen nicht. ich muß mich noch so oft über sie wundern, und daran spüre ich, daß ich jung bin.

Ich bewundere, sagte ich, daß die Menschen um ein wenig Namen es sich so sauer werden lassen, so daß sie selbst zu falschen Mitteln ihre Zuflucht nehmen. "Liebes Kind", sagte Goethe, "ein Name ist nichts Geringes. Hat doch Napoleon eines großen Namens wegen fast die halbe Welt in Stücke geschlagen."

Ich bewundere, was über mir ist, ich beurteile es nicht.

Ich bin der Eimer, den das Schicksal in den Brunnen wirft, um euch herauszuziehen.

Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war, / ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar, / das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht / den alten Rang, den Raum ihr streitig macht. / Und doch gelingst ihm nicht, da es, soviel es strebt, / verhaftet an den Körpern klebt: / Von Körpern strömts, die Körper macht es schön, / ein Körper hemmt's auf seinem Gange; / so, hoff ich, dauert es nicht lange, / und mit den Körpern wirds zugrunde gehn.

Ich bin gewiß, wenn einer von uns im Frühling über die Wiesen von Oberweimar herauf nach Belvedere geht, daß ihm tausendmal Merkwürdigeres in der Natur zum Wiedererzählen oder zum Aufzeichnen in sein Tagebuch begegnet, als dem Kotzebue auf seiner ganzen Reise bis ans Ende der Welt.

Ich bin Gott darin ähnlich, daß er immer geschehen läßt, was er nicht will.

Ich bin in einer prächtigen Wohnung, wie ich sie in Karlsbad gehabt, sogleich faul und untätig. Geringere Wohnung dagegen, wie dieses schlechte Zimmer, worin wir sind, ein wenig unordentlich ordentlich, ein wenig zigeunerhaft, ist für mich das Rechte. Es läßt meiner inneren Natur volle Freiheit, tätig zu sein.

Ich bin nicht abergläubisch, versetzte Charlotte, und gebe nichts auf diese dunklen Anregungen, insofern sie nur solche wären; aber es sind meistenteils unbewußte Erinnerungen glücklicher und unglücklicher Folgen, die wir an eigenen oder fremden Handlungen erlebt haben.

Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.

Ich bin so guter Dinge, / so heiter und rein, / und wenn ich einen Fehler beginge, / könnt's keiner sein.

Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen.

Ich bin überzeugt, daß die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht, das heißt, je mehr man einsieht und anschaut, daß jedes Wort, das wir allgemein auffassen und im besondern auf uns anwenden, nach gewissen Umständen, nach Zeit- und Ortsverhältnissen einen eigenen, besondern, unmittelbar individuellen Bezug gehabt hat.

Ich bin zu alt, um etwas zu tadeln, / doch immer jung genug, etwas zu tun.

Ich bitte die Grazien, daß sie meiner Leidenschaft die innere Güte geben und erhalten mögen, aus der allein die Schönheit entspringt.

Ich bitte Gott, daß er mich täglich haushälterischer werden lasse, um freigebig sein zu können, es sei mit Geld oder Gut, Leben oder Tod.

Ich blick in die Ferne, / ich seh in der Näh, / den Mond und die Sterne, / den Wald und das Reh. / So seh ich in allen / die ewige Zier, / und wie mir's gefallen, / gefall ich auch mir.

Ich bringe nichts vor mich im Zeichnen. Jetzt sehe ich täglich mehr, wie eine anhaltende mechanische Übung endlich uns das Geistige auszudrücken fähig macht, und wo jene nicht ist, bleibt es eine hohle Begierde, dieses im Flug schießen zu wollen.

Ich dich ehren? Wofür? / Hast du die Schmerzen gelindert / je des Beladenen? / Hast du die Tränen gestillet / je des Geängsteten?

Ich ehre die Religion, das weißt Du. Ich fühle, daß sie manchem Ermatteten Stab, manchem Verschmachtenden Erquickung ist. Nur - kann sie denn, muß sie denn das einem jeden sein?

Ich ehre mir die Würde der Frauen; / aber damit sie Würde hätten, / sollten sie sich nicht alleine betten, / sollten sich an Männerwürde erbauen.

Ich finde die Mittel, vom Wahnsinne zu heilen, sehr einfach. Es sind eben dieselben, wodurch man gesunde Menschen hindert, wahnsinnig zu werden: Man errege ihre Selbsttätigkeit, man gewöhne sie an Ordnung, man gebe ihnen einen Begriff, daß sie ihr Sein und Schicksal mit so vielen gemein haben.

Ich finde es beinahe natürlich, dass wir an Besuchenden mancherlei auszusetzen haben, dass wir sogleich, wenn sie weg sind, über sie nicht zum Liebevollsten urteilen; denn wir haben sozusagen ein Recht, sie nach unserm Maßstabe zu messen. Selbst verständige und billige Menschen enthalten sich in solchen Fällen kaum einer scharfen Zensur.

Ich finde es ebenso wunderbar, zu sagen, der Mensch ist feige, der sich das Leben nimmt, als es ungehörig wäre, den einen Feigen zu nennen, der an einem bösartigen Fieber stirbt.

Ich finde, Gott sei Dank! kein deutsches Wort, um "perfid" in seinem ganzen Umfange auszudrücken. Unser armseliges "treulos" ist ein unschuldiges Kind dagegen. Perfid ist treulos mit Genuß, mit Übermut und Schadenfreude.

Ich frage nicht, ob dieses höchste Wesen Verstand und Vernunft habe, sondern ich fühle: Es ist der Verstand, es ist die Vernunft selber. Alle Geschöpfe sind davon durchdrungen, und der Mensch hat davon so viel, daß er Teile des Höchsten erkennen mag.

Ich fügte hinzu, daß zwar der Verstand der Männer sich nach Haushälterinnen umsehe, daß aber ihr Herz und ihre Einbildungkraft sich nach anderen Eigenschaften sehne.

Ich fühle mich bereit, / Auf neuer Bahn / den Äther zu durchdringen / Zu neuen Sphären reiner Tätigkeit.

Ich fühle, daß meine Liebe zu dir nicht eigennützig ist, nicht die Leidenschaft einer Liebhaberin, die alles dahingäbe, den erflehten Gegenstand zu besitzen. Fernando, mein Herz ist warm und voll für dich. Es ist das Gefühl einer Gattin, die aus Liebe selbst ihre Liebe hinzugeben vermag.

Ich fürchte mich vor niemand mehr als vor einem Toren, der einen Anlauf nimmt, klug zu werden.

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