Johann Wolfgang von Goethe

3.067 Zitate, Sprüche & Aphorismen Autor

Keimt ein Glaube neu, / wird oft Lieb und Treu / wie ein böses Unkraut ausgerauft.

Kein Genuß ist vorübergehend; denn der Eindruck, den er zurückläßt, ist bleibend.

Kein Mensch will etwas werden, / ein jeder will schon etwas sein.

Kein tolleres Verseh´n kann sein, gibst einem ein Fest und lädst ihn nicht ein.

Kein Wort steht still, sondern es rückt immer durch den Gebrauch von seinem anfänglichen Platz, eher hinab als hinauf, eher ins Schlechtere als ins Bessere, ins Engere als Weitere, und an der Wandelbarkeit des Wortes läßt sich die Wandelbarkeit der Begriffe erkennen.

Keine Nation hat ein Urteil als über das, was bei ihr getan und geschrieben ist.

Keinen Reimer wird man finden, / der sich nicht den besten hielte, / keinen Fiedler, der nicht lieber / eigne Melodien spielte.

Keiner versteht den anderen ganz, weil keiner bei demselben Wort genau dasselbe denkt wie der andere.

Kennst du das herrliche Gift der unbefriedigten Liebe? / Es versengt und erquickt, zehret am Mark und erneuts.

Kennst du die herrliche Wirkung der endlich befriedigten Liebe? / Körper verbindet sie schön, wenn sie die Geister befreit.

Kepler sagte: "Mein höchster Wunsch ist, den Gott, den ich im Äußern überall finde, auch innerlich, innerhalb meiner gleichermaßen gewahr zu werden". Der edle Mann fühlte, sich nicht bewußt, daß eben in dem Augenblicke das Göttliche in ihm mit dem Göttlichen des Universums in genauster Verbindung stand.

Kinderchen, ihr müßt lernen, mit Vergnügen irren zu sehen.

Klassisch ist das Gesunde, romantisch das Kranke.

Kluge schwanken, Weise fehlen, / doppelt ist dann ihre Qual. / Recht zu handeln, / grad zu wandeln, / sei des edlen Mannes Wahl.

Koketterie ist Egoismus in der Form der Schönheit.

Kommt, von allerreifsten Früchten / mit Geschmack und Lust zu speisen! / Über Rosen läßt sich dichten, / in die Äpfel muß man beißen.

Kränken ein liebendes Herz und schweigen müssen: Geschärfter / können die Qualen nicht sein, die Rhadamanth sich ersinnt.

Künstler! dich selbst zu adeln, / mußt du bescheiden prahlen. / Laß dich heute loben, morgen tadeln / und immer bezahlen!

Könnt ihr also die Menschen nicht hindern zu hören, was täglich / außer ihnen geschieht, so laßt sie auch ohne Bedenken / ohngehindert sie hören, was außer ihnen gemeint wird! / Wär ich ein Fürst, ich ließe sogleich aufrührische Schriften / alle kaufen und teilte sie aus, damit sich ein jeder / satt dran läse, damit nichts Tolles könne gesagt sein, / was man nicht läse bei mir.

Könnte man nur den Deutschen, nach dem Vorbilde der Engländer, weniger Philosophie und mehr Tatkraft, weniger Theorie und mehr Praxis beibringen, so würde uns schon ein gutes Stück Erlösung zuteil werden.

Langeweile ist ein böses Kraut, / aber auch eine Würze, die viel verdaut.

Langeweile! Du bist Mutter der Musen.

Lass den Anfang mit dem Ende / Sich in Eins zusammenziehn!

Lassen Sie uns hübsch diese Jahre daher als Geschenk annehmen, wie wir überhaupt unser ganzes Leben anzusehen haben, und jedes Jahr, das zugelegt wird, mit Dank erkennen.

Laß der Sonne Glanz verschwinden, / wenn es in der Seele tagt: / Wir im eignen Herzen finden, / was die ganze Welt versagt.

Laß dich nur in keiner Zeit / zum Widerspruch verleiten! / Weise fallen in Unwissenheit, / wenn sie mit Unwissenden streiten.

Laß die Menschen reden, was sie wollen. Du weißt ja die Art des ganzen Geschlechts, daß es lieber beunruhigt und hetzt, als tröstet und aufrichtet.

Laß die Menschheit dauern, so lange sie will, es wird ihr nie an Hindernissen fehlen, die ihr zu schaffen machen, und nie an allerlei Not, damit sie ihre Kräfte entwickele. Klüger und einsichtiger wird sie werden, aber besser, glücklicher und tatkräftiger nicht.

Laß im Irrtum sie gebettet, / suche weislich zu entfliehn. / Bist ins Freie du gerettet, / niemand sollst du nach dir ziehn.

Laß Neid und Mißgunst sich verzehren, / das Gute werden sie nicht wehren; / denn, Gott sei Dank! es ist ein alter Brauch: / Soweit die Sonne scheint, so weit erwärmt sie auch.

Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten! / Bleibt in euern Hütten, euern Zelten! / Und ich reite froh in alle Ferne, / über meiner Mütze nur die Sterne.

Laßt mir die jungen Leute nur / und ergetzt euch an ihren Gaben! / Es will doch Großmama Natur / manchmal einen närrischen Einfall haben.

Leb ich nur, um aufs Leben zu denken? Soll ich den gegenwärtigen Augenblick nicht genießen, damit ich des folgenden gewiß sei?

Lebe mir und liebe mich.

Lebe wohl, Du Einzige, in die ich nichts zu legen brauche, um alles in Dir zu finden.

Leben ist ein großes Fest, / wenn sich's nicht berechnen läßt.

Lebenstätigkeit und Tüchtigkeit ist mit auslangendem Unterricht weit verträglicher, als man denkt.

Legen Sie ja, mein lieber Freund, keinen alten Fehler ab. Sie fallen entweder in einen neuen, oder man hält Ihre neue Tugend für einen Fehler.

Lehrbücher sollen anlockend sein; das werden sie nur, wenn sie die heiterste, zugänglichste Seite des Wissens und der Wissenschaft hinbieten.

Leicht kann der Hirt eine ganze Herde Schafe vor sich hintreiben; der Stier zieht seinen Pflug ohne Widerstand. Aber dem edlen Pferde, das du reiten willst, muß du seine Gedanken ablernen; du mußt nichts Unkluges, nichts unklug von ihm verlangen.

Leichter dient sich einem Glücklichen.

Leidenschaft! Trunkenheit! Wahnsinn! Ihr steht so gelassen, so ohne Teilnehmung da, ihr sittlichen Menschen! Scheltet den Trinker, verabscheut den Unsinnigen, geht vorbei wie der Priester und dankt Gott wie der Pharisäer, daß er euch nicht gemacht hat wie einen von diesen. Ich bin mehr als einmal trunken gewesen, meine Leidenschaften waren nie weit vom Wahnsinn und beides reut mich nicht: Denn ich habe in meinem Maße begreifen lernen, wie man alle außerordentlichen Menschen, die etwas Großes, etwas Unmöglichscheinendes wirkten, von jeher für Trunkene und Wahnsinnige ausschreien mußte.

Leidenschaften und Gefühle mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitze einzelner Vorzüglicher sein.

Leider haben überhaupt die Heiraten - verzeihen Sie mir einen lebhafteren Ausdruck - etwas Tölpelhaftes; sie verderben die zartesten Verhältnisse.

Leider kommen die Zeitungen überall hin das sind jetzt meine gefährlichsten Feinde.

Leider läßt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken.

Leider ruht auf dem, was Advokatenhände berühren, so leicht ein Fluch.

Leider sind dem Menschen die Worte gewöhnlich Surrogate: Er denkt und weiß es meistenteils besser, als er sich ausspricht.

Licht, wie es mit der Finsternis die Farbe wirkt, ist ein schönes Symbol der Seele, welche mit der Materie den Körper bildend belebt. So wie der Purpurglanz der Abendwolke schwindet und das Grau des Stoffes zurückbleibt, so ist das Sterben des Menschen. Es ist ein Entweichen, ein Erblassen des Seelenlichts, das aus dem Stoffe weicht.

Liebe flößest du ein und Begier. Ich fühl es und brenne. / Liebenswürdige, nun flöße Vertrauen mir ein!

 Top