Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen, / und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt, / ein andres kommt, dem ersten liebzukosen.
Ein Unendliches ahndet, ein Höchstes erschafft die Vernunft sich, / in der schönen Gestalt lebt es dem Herzen, dem Blick.
Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.
Ein Vater allein fühlt den Respekt, den man einem Vater schuldig ist.
Ein Verschwender weiß sein Geld oft anzuwenden.
Ein verständiger Mensch ist viel für sich, aber fürs Ganze ist er wenig.
Ein vollkommner Widerspruch / bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren.
Ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen.
Ein wanderndes Mädchen ist immer von schwankendem Rufe.
Ein Weib bleibt stets auf einem Sinn, / den sie gefaßt. Du rechnest sicherer / auf sie, im guten wie im bösen.
Ein wenig besser würd er leben, / hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben; / er nennt's Vernunft und braucht's allein, / nur tierischer als jedes Tier zu sein.
Ein Wesen regt sich leicht und ungezügelt: / Aus Wolkendecke, Nebel, Regenschauer / erhebt sie uns, mit ihr, durch sie beflügelt. / Ihr kennt sie wohl, sie schwärmt durch alle Zonen - / ein Flügelschlag - und hinter uns Äonen!
Ein wirklich großes Talent ist nicht irrezuleiten und nicht zu verderben.
Einbläsereien sind des Teufels Redekunst.
Eine allgemeine Ausbildung dringt uns jetzt die Welt ohnehin auf, wir brauchen uns deshalb darum nicht weiter zu bemühen; das Besondere müssen wir uns zueignen.
Eine allzu reiche Gabe lockt Bettler herbei, anstatt sie abzufertigen.
Eine alte Gewohnheit legt sich so leicht nicht ab, und eine Richtung, die wir früh genommen, kann wohl einige Zeit abgelenkt, aber nie ganz unterbrochen werden.
Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.
Eine einzige Entdeckung kann einen Mann berühmt machen und sein bürgerliches Glück begründen.
Eine einzige Nacht an deinem Herzen! / Das andre gibt sich. / Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht.
Eine fremde Sprache ist hauptsächlich dann zu beneiden, wenn sie mit einem Worte ausdrücken kann, was die andere umschreiben muß, und hierin steht jede Sprache im Vorteil und Nachteil gegen die andere.
Eine gewisse feierliche Grazie bei gewöhnlichen Dingen, eine Art von leichtsinniger Zierlichkeit bei ernsthaften und wichtigen kleidet ihn wohl, weil er sehen läßt, daß er überall im Gleichgewicht steht.
Eine große Reise zu tun ist für einen jungen Mann äußerst nützlich.
Eine kleine Liebschaft ist das einzige, was uns einen Badeaufenthalt erträglich machen kann. Sonst stirbt man Vor langer Weile.
Eine kleinliche Natur wird durch einen selbst täglichen Verkehr mit der Großheit antiker Gesinnung um keinen Zoll größer werden. Allein ein edler Mensch, in dessen Seele Gott die Fähigkeit künftiger Charaktergröße und Geisteshoheit gelegt, wird durch die Bekanntschaft und den vertraulichen Umgang mit den erhabenen Naturen griechischer und römischer Vorzeit sich auf das herrlichste entwickeln.
Eine liebevolle Aufmerksamkeit auf das, was der Mensch besitzt, macht ihn reich, indem er sich einen Schatz der Erinnerung an gleichgültigen Dingen dadurch anhäuft. Ich habe einen jungen Mann gekannt, der eine Stecknadel dem geliebten Mädchen, Abschied nehmend, entwendete, den Busenstreif täglich damit zusteckte und diesen gehegten und gepflegten Schatz von einer großen, mehrjährigen Fahrt wieder zurückbrachte.
Eine Masse gemünztes Gold und Silber verleiht selbst dem Unwahren Ansehen und Gewicht; man lässt die Lüge gelten, indem man die Barschaft beneidet.
Eine Meinung, von energischen Männern ausgehend, verbreitet sich kontagios über die Menge, und dann heißt sie herrschend.
Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuß.
Eine Sammlung von Anekdoten und Maximen ist für den Weltmann der größte Schatz, wenn er die ersten an schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen, der letzten im treffenden Falle sich zu erinnern weiß.
Eine schlechte Wohnung macht brave Leute verächtlich.
Eine Schwester besorget den Garten, der schwerlich zur Wildnis, / deine Wohnung romantisch und feucht zu umgeben verdammt ist, / sondern in zierliche Beete geteilt, als Vorhof der Küche, / nützliche Kräuter ernährt und jugendbeglückende Früchte.
Eine schöne Stimme ist das allgemeinste, was sich denken läßt, und indem das eingeschränkte Individuum, das sie hervorbringt, sich vors Auge stellt, zerstört es den reinen Effekt jener Allgemeinheit. Ich will jeden sehen, mit dem ich reden soll, denn es ist ein einzelner Mensch, dessen Gestalt und Charakter die Rede wert oder unwert macht; hingegen wer mir singt, soll unsichtbar sein.
Eine seiner besonderen Eigenheiten, die er jedoch vielleicht mit mehreren Menschen teilt, war die, daß es ihm unerträglich fiel, wenn jemand ihm beim Lesen in das Buch sah.
Eine stille, ernsthafte Frau ist übel daran mit einem lustigen Mann, ein ernsthafter Mann nicht so mit einer lustigen Frau.
Eine wahre Liebe ist zum Exempel was Vortreffliches; aber eine wahre Liebe mit einem wohlgespickten Beutel, darüber geht gar nichts.
Eine Zeder wuchst auf zwischen Tannen. Sie teilten mir ihr Regen und Sonnenschein. Und sie wuchs und wuchs über ihre Häupter und schaute weit ins Tal umher. Da riefen die Tannen: "Ist das der Dank, daß du dich nun überhebest, dich, die du so klein warest, dich, die wir genährt haben!" / Und die Zeder sprach: "Rechtet mit dem, der mich wachsen hieß!"
Einem bejahrten Manne verdachte man, dass er sich noch um junge Frauenzimmer bemühte. "Es ist das einzige Mittel", versetzte er, "sich zu verjüngen, und das will doch jedermann."
Einem bejahrten Manne verdachte man, daß er sich noch um junge Frauenzimmer bemühte. Es ist das einzige Mittel, versetzte er, sich zu verjüngen, und das will doch jedermann.
Einem Klugen widerfährt keine geringe Torheit.
Einen Tyrannen zu hassen vermögen auch knechtische Seelen, / nur wer die Tyrannei hasset, ist edel und groß.
Einen Verlorenen zu beweinen, ist auch männlich.
Einer Gesellschaft von Freunden harmonische Stimmung zu geben und manches aufzuregen. was bei den Zusammenkünften der besten Menschen oft nur stockt, sollte von Rechts wegen die beste Wirkung der Poesie sein.
Einer neuen Wahrheit ist nichts schädlicher als ein alter Irrtum.
Einer von meinen Freunden, dessen Laune sich meist in Vorschlägen zu neuen Gesetzen hervortat, behauptete: Eine jede Ehe solle nur auf fünf Jahre geschlossen werden. Es sei. sagte er, dies eine schöne, ungerade heilige Zahl und ein solcher Zeitraum eben hinretchend, um sich kennen zu lernen, einige Kinder heranzubringen, sich zu entzweien und. was das Schönste sei, sich wieder zu versöhnen. Gewöhnlich rief er aus: Wie glücklich würde die erste Zeit verstreichen! Zwei, drei Jahre wenigstens gingen vergnüglich hin. Dann würde doch wohl dem einen Teil daran gelegen sein, das Verhältnis länger dauern zu sehen, die Gefälligkeit würde wachsen, je mehr man sich dem Termin der Aufkündigung näherte. Der gleichgültige, ja selbst der unzufriedene Teil würde durch ein solches Betragen begütigt und eingenommen. Man vergäße, wie man in guter Gesellschaft die Stunden vergißt, daß die Zeit verfließe, und fände sich aufs angenehmste überrascht, wenn man nach verlaufenem Termin erst bemerkte, daß er schon stillschweigend verlängert sei.
Eines schickt sich nicht für alle. / Sehe jeder, wie er's treibe, / sehe jeder, wo er bleibe, / und wer steht, daß er nicht falle!
Einige Zierde verlangt der gute Vater im Leben, / wünschet äußere Zeichen der Liebe, sowie der Verehrung, / und er würde vielleicht vom schlechteren Diener befriedigt, / der dies wüßte zu nutzen, und würde dem besseren gram sein.
Einseitige Bildung ist keine Bildung.
Einseitige Bildung ist keine Bildung. Man muß zwar von einem Punkte aus-, aber nach mehreren Seiten hingehen. Es mag gleichviel sein, ob man seine Bildung von der mathematischen oder philosophischen oder künstlerischen her hat.
Eitelkeit ist eine persönliche Ruhmsucht: Man will nicht wegen seiner Eigenschaften, seiner Verdienste, Taten geschätzt, geehrt, gesucht werden, sondern um seines individuellen Daseins willen. Am besten kleidet die Eitelkeit deshalb eine frivole Schöne.