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Johann Gottfried von Herder

deutscher Philosoph und Theologe (1744 - 1803)

77 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Jeder Abschied ist betäubend. Man denkt und empfindet weniger, als man glaubte: Die Tätigkeit, in der unsre Seele sich auf ihre eigne weitere Laufbahn wirft, überwindet die Empfindbarkeit über das, was man verläßt.

  • Vorübergehend ist also alles in der Geschichte, die Aufschrift ihres Tempels heißt: Nichtigkeit und Verwesung.

  • Keine zwei Dinge konnten einander an sich fremder sein, als das römische Papsttum und der Geist deutscher Sitten.

  • Die menschliche Seele hat ihre Lebensalter wie der Körper.

  • Denken, was wahr, und fühlen, was schön, und wollen, was gut ist, darin erkennt der Geist das Ziel des vernünftigen Lebens.

  • Drücke den Pfeil zu schnell nicht ab, der nimmer zurückkehrt! / Glück zu zerstören, ist leicht, wiederzugeben so schwer.

  • Auf dem vergifteten Baume der Welt voll bitterer Früchte / blühn zwei Blüten, vom Tau himmlischer Güte betaut: / Dichtung die eine, sie labet den Geist mit Wasser des Lebens. / Freundschaft die andre, sie stärkt, heilt und erquicket das Herz.

  • Liebe schwärmt auf allen Wegen, / Treue wohnt für sich allein; / Liebe kommt euch rasch entgegen, / aufgesucht will Treue sein.

  • Ohne Begeisterung schlafen die besten Kräfte unseres Gemütes. Es ist ein Zunder in uns, der Funken will.

  • Schon als Tier hat der Mensch Sprache.

  • Wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel verlangt.

  • Eine schöne Menschenseele finden / ist Gewinn. Ein schönerer Gewinn ist / sie erhalten und der schönst' und schwerste, / sie, die schon verloren war, zu retten.

  • Was die Schickung schickt, ertrage! / Wer ausharret, wird gekrönt.

  • Was nützt alle das Leben? In Häusern wohnet die Sorge, / auf dem Lande die Müh" in den Geschäften der Neid, / auf dem Meere Gefahr. Besitzt du Habe, so droht dir / Schrecken, besitzest du nichts, quälet dich Mangel und Weh! / Lebe du unvermählt, so lebst du traurig und einsam, / nimm dir ein Weib, so nimmst du auch die Sorge mit ihr. / Kinder mühen, und ohne Kinder lebet sich halb nur; / Jüngling ist man ein Tor, weit in den Jahren ein Kind. / Dürft' ich wählen, ich würd' aus Zweien...

  • Die Seele eines Kindes ist heilig, und was vor sie gebracht wird, muß wenigstens den Wert der Reinheit haben.

  • Mehr als die Schönheit selbst bezaubert die liebliche Stimmen. / Jene zieret den Leib sie ist der Seele Gewalt.

  • Poesie ist die Muttersprache des Menschengeschlechts.

  • Sprichwörter sind die Spiegel der Denkart einer Nation.

  • Auch den vertrautesten Freund verschone mit deinem Geheimnis! / Forderst du Treue von ihm, die du dir selber versagst?

  • Arbeit ist des Blutes Balsam, / Arbeit ist der Tugend Quell.

  • Unsere Wärterinnen, die unsere Zunge bilden, sind unsere ersten Lehrer der Logik.

  • Weibliche Unschuld und Reinheit im höchsten Sinne ist das Höchste und Heiligste auf Erden. Hier ist die Stufe, über welche das Göttliche zum Menschen herabsteigt.

  • Überdem ist die Ungleichheit der Menschen von Natur nicht so groß, als sie durch die Erziehung wird.

  • Holde Vergessenheit du und du, des Guten Erinnerung, / liebliche Schwestern, o macht beide das Leben mir süß! / Du verdunkle das Böse mit deinem umhüllenden Schleier, / du erneure das Glück mir mit verdoppelter Lust!

  • Ein Wunsch, der still für uns und andre fleht, / ein Seufzer, der dem Herzen leis entweht, / den keine Lippe spricht, ist ein Gebet.

  • Verehre die Wege der Vorsehung auch da, wo sie deinen blöden Augen ungerecht scheinen.

  • Rechnen muß ein Knabe lernen, damit er sein Leben berechne; denn die gesamte Vernunft, zumal die Führung menschlicher Dinge, heißt Rechnen.

  • Ein Buch hat oft auf eine ganze Lebenszeit einen Menschen gebildet oder verdorben.

  • "Tanzt, ich die Niobe nicht und die Daphne recht nach dem Leben?" / Wahrlich! Jene wie Stein, diese wie starrendes Holz.

  • Der kluge Mann sucht alles zu seinem Vorteil anzuwenden.

  • Des gliederlösenden Bacchus, der glielösenden Venus / gliederlösendes Kind - Podagra nennen sie mich.

  • Der Liebe ist treu sein die schönste Pflicht.

  • Gebt mir eine große Idee, daß ich an ihr gesunde!

  • Jedes Weibes Fehler ist des Mannes Schuld.

  • Das Menschengeschlecht, wie es jetzt ist und wahrscheinlich noch lange sein wird, hat seinem größesten Teil nach keine Würde. Man darf es eher bemitleiden als verehren.

  • Der Tor schmeichelt sich selbst und der Kluge dem Toren.

  • Bei euch Menschen ist der immer willkommen, der sich unentbehrlich zu machen weiß.

  • Nichts hat der Mensch in sich so sehr zu bezähmen wie seine Einbildungskraft, die beweglichste und zugleich die gefährlichste aller menschlichen Gemütsgaben.

  • Sollte jede Torheit, die im angenommenen Glauben der Nationen herrscht, auch durchgängig geübt werden, welch ein Unglück! Nun aber werden die meisten geglaubt und nicht befolgt, und dies Mittelding toter Überzeugung heißt eben auf der Erde Glauben.

  • Jeder Mensch hat ein Bild in sich, was er sein und werden soll. Solange er das noch nicht ist, ist noch Unfrieden in seinen Gebeinen.

  • Geld in des Armen Hand und Geduld in des Liebenden Seele / und das Wasser im Sieb eilen und fließen davon.

  • Wie die Flamme des Lichts auch umgewendet hinaufstrahlt, / so, vom Schicksal gebeugt, strebt der Gute empor.

  • Jedes Lebendige freut sich seines Lebens. Es fragt und grübelt nicht, wozu es da sei. Sein Dasein ist ihm Zweck und sein Zweck das Dasein.

  • Fache den Funken nicht an, der zwischen Freunden erglimmt ist. / Leicht versöhnen sie sich, und du bist beiden verhaßt.

  • Zähle dich nicht zu den Menschen, solange Zorn dich empöret! / Nur in der Ruhe gedeiht, Menschheit, des Menschen Verstand.

  • Wir lieben immer mehr das Halbe als das Ganze, den versprechenden Morgen als den Mittag in höchster Sonnenhöhe.

  • Und du zweifeltest, Freund, am hohen inneren Weltsinn? / Hörst du die Harfe nicht? Willst du auch sehen den Ton?

  • Schätze den Hund nicht nach den Haaren, sondern nach den Zähnen.

  • Sag es, o Weiser, wodurch du zu solchem Wissen gelangtest? / Dadurch, daß ich mich nie, andre zu fragen, geschämt.

  • Wenn ich nicht da bin, Thrax, so tadl' und schelte mich immer; / nur verbitt' ich mir auch, bin ich zugegen, dein Lob.

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